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Energie & Management, Ausgabe 13, 2014

1. Juli 2014 www.gat-dvgw.del INFORMATION & KOMMUNIKATION GASFACHLICHE AUSSPRACHETAGUNG +++ Effiziente Wärme- und Energieversorgung in Gebäuden, Industrie und Gewerbe +++ Bedarfsgerechte Integration der erneuerbaren Energien +++ Power to Gas: Technologische, ökonomische und politische Herausforderungen +++ Konvergente Energienetze +++ Gaskraftwerke im Energiesystem +++ Kraft-Wärme-Kopplung +++ Neue Potenziale in der Gasmobilität +++ Netz- entwicklungsplan NEP und Technische Sicherheit von Gashochdruckleitungen +++ Gewährleistung der Versorgungssicherheit +++ Besuchen Sie auch die wat 2014 sowie Deutschlands größte Messe für das Gas- und Wasserfach! gat 2014 wat 2014 Gas-/Wasser-Fachmesse 30.9 1.1029.9 Mo Di Mi Erdgas im System der erneuerbaren Energien gat 2014 – vom 30. September bis 1. Oktober in Karlsruhe gat: Die Technologieplattform Gas im Energiesystem DVGW-1753 Anzeige ANMELDEN GAT ohne Frühbucher.indd 1 18.06.14 12:00 S ie können sich vorstellen, dass wir über die Entscheidung nicht glücklich sind“, klagte Martin Hagena, im Jahr 1999 Referatsleiter Börse im niedersächsi- schenWirtschaftsministerium. Die Ent- scheidung war zunächst einmal eine Empfehlung, aber niemand zweifelte am endgültigen Votum für Frankfurt. Ein Projektbeirat ausVertretern derVer- einigung Deutscher Elektrizitätswerke und des Verbandes der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft (VIK), an- gereichert mit Börsensachverstand aus dem Hause Kleinwort Benson, hatte am 10. Juni 1999 den Verbänden der deut- schen Energiewirtschaft vorgeschlagen, dem Konzept der Deutschen Börse AG (DBAG) und damit auch dem Stand- ort Frankfurt denVorzug zu geben. Dabei hatte die New York Mercantile Exchange (Nymex) den Hannoveranern im Jahr 1998 mit einem Letter of Intent noch ihre Aufwartung gemacht, und die Branche sah schon die Beamten aus dem Hause des niedersächsischenWirt- schaftsministers Peter Fischer (SPD) mit der ältesten und größten Energie- börse der Welt eine Plattform aus dem Hut zaubern und fröhlich mit einem passablen Handelssystem und leicht anzupassenden Börsenprodukten den Konkurrenten winken. Energiehandelsfachwissen aus New York für ein Sprungbrett nach Europa – für beide Partner hätte die Verbindung einen gewissen Charme gehabt, zumal die Gespräche der Männer vom Big Apple mit der Londoner International Petroleum Exchange (IPE) schon immer etwas geeiert hatten. Doch es kam an- ders. Während der Sinneswandel der Nymex nach offizieller Diktion in Han- nover auf Ratlosigkeit gestoßen war, konnten sich einige Insider der Bör- senszene sehr wohl einen Reim darauf machen. Ihrer Meinung nach hatten wichtige Vertreter der Branche, allen voran PreussenElektra, nicht entschie- den genug hinter dem hannoverschen Börsenkonzept gestanden. Wie eine Sprecherin des Verbundunternehmens damals gegenüber E&M bestätigte, hätte tatsächlich keine Absicht be- standen, sich in einer Börsenträgerge- sellschaft in Hannover zu engagieren. Für die Nymex wohl Grund genug, zur DBAG zu schielen, die mittlerweile ein eigenes Konzept anpries. Zunächst zeigte sich das Team um den damaligen DBAG-Projektleiter Christian Geyer, heute promovier- ter Kunsthistoriker, nach allen Seiten offen. Das Handelssystem der Eurex, einer Tochter der Deutschen Börse AG und der Schweizer Börse, lag auf dem Präsentierteller. Dirk Elberskirch, Ge- schäftsführer der Rheinisch-Westfäli- schen Börse in Düsseldorf, bekräftigte: „Wir hatten uns im Vorfeld der Ent- scheidung für das System der Eurex aus- gesprochen.“ Und aus Hannover waren gar Stimmen zu vernehmen, die von Absprachen mit der Deutschen Börse wissen wollten. Aber am Tag der Ent- scheidung, bei einem Termin im Bun- deswirtschaftsministerium in Bonn, präsentierte die DBAG das All-In-One- Paket: Das Handelssystem der Eurex, die Expertise der Nymex und Frankfurt als börslich bewährten Standort gleich mit. „Sicher eine unschlagbare Kom- bination“, musste Elberskirch konsta- tieren. Kenner der Szene vermuteten auch strategische Überlegungen bei Nymex und DBAG. Die Nymex dürfte mit Frankfurt besonders die Argumente Professionalität, erfolgreicher Termin- handel und Terminals rund um dieWelt verknüpft haben, was es der Deutschen Börse sicherlich nicht allzu schwer ge- macht haben dürfte, die New Yorker endgültig ins Boot zu holen. Der Standort selbst war allerdings wohl eher Spielball hinter den Kulissen der internationalen Börsenszene und kein Kriterium für die Empfehlung des Projektbeirates. „Das Handelssystem der Eurex und die Partnerschaft mit der Nymex haben den Ausschlag gegeben“, war vom Verband der Elektrizitätswirt- schaft, der damals noch VDEW hieß, zu hören. Der Zentralrechner einer elektronischen Börse könne ja schließ- lich an jedem beliebigen Ort aufgestellt werden. Nur zu dumm für Hannover und Düsseldorf, dass die Eurex ihr Han- delssystem nicht unter das Label jeder beliebigen Kommune stellen wollte. Die Deutsche Börse ha󿿷e Großes vor Am Rhein war damit das Thema Ener- giebörseendgültigvomTisch.DerMarkt habe ein eindeutiges Votum gefällt, so Elberskirch. „Wir sind mit einem klaren Schnitt aus dem Prozess ausgestiegen.“ Die eigenen Vorarbeiten hätte man den Frankfurtern noch offengelegt. Eine Einladung vom Main zur Kooperation hatte es allerdings nicht gegeben. Ob das Know-how in Hannover die Börsen- initiative Frankfurt in irgendeinerWeise befruchten könnte, wurde noch kurz von beiden Seiten geprüft. Die Hanno- veraner stellten allerdings gleich klar: „Wenn die Einladung zur Kooperation nur eine Alibi-Funktion erfüllen soll, werden wir uns ein Engagement gründ- lich überlegen.“ Daher hoffte man dort auch im Grunde auf nicht mehr als höf- liche Floskeln, denn die Deutsche Börse hatte Großes vor. Der kürzlich geänder- te Name des Börsenembryos deutete es schon an: EEX – European Energy Exchange. Also Schluss mit provinziel- ler Kleinkariertheit. Einige Schweizer Unternehmen zeigten sich bereits an der EEX interessiert, und deren Macher waren überzeugt, andere europäische Unternehmen würden folgen. Zumal die holländische Strombörse APX sich auf den Spothandel konzentrierte, und sich an der norwegischen Nordpool vor allem Skandinavier tummelten. Aber mit einer neu verhandelten Verbände- vereinbarung, so Überlegungen von Projektleiter Geyer, sollte vielleicht doch auch ein deutscher Spotmarkt möglich sein. Für einen Bewerber, der genau einen solchen Spotmarkt immer favori- siert hatte, war das Votum für Frankfurt kein Grund, die Flinte ins Korn zu wer- fen. Die Leipzig Power Exchange (LPX), ein Projekt der Stadt Leipzig, der Sach- sen LB, der Bundesländer Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt sowie der norwegischen Strombörse Nordpool, kündigte fast schon trotzig an, im März 2000 eine Handelsplattform in Betrieb zu haben. Mit Unterstützung durch die Gesellschafter und letztlich auch einer Reihe eher kleinerer Marktteilnehmer startete sie tatsächlich im Juni 2000 mit ihrem Spotmarkt. Nach einigen verba- len Scharmützeln fusionierten schließ- lich LPX und EEX im Jahr 2002 zur EEX in Leipzig – für viele Marktteilnehmer ein längst überfälliger Schritt.  Als die Börse nach Frankfurt kam VonTrotz über Unverständnis bis zu Resignation reichten die Reaktionen der Bewerber um die Deutsche Strombörse, die nicht zum Zuge kamen. Die Energiewirtschaft freute sich jedoch, dass sie ihrenWunschstandort Frankfurt bekommen hatte. Doch einer gab nicht auf. VON FRITZ WILHELM 56 STROMBÖRSE Das Handelssystem der Eurex, die Expertise der Nymex und Frankfurt als börslich bewährter Standort – eine un- schlagbare Kombination Bild:iStockphoto.com,code6d

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