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Energie & Management, Ausgabe 13, 2014

1. Juli 2014 55EMISSIONSHANDEL Wir sind stolz darauf, seit mehr als 10 Jahren Partner von E&M zu sein. www.montel.de Montel gratuliert 20-jährigen Jubiläum zum A llen klimapoli- tischen Dis- kussionen zum Trotz wird in Hamburg ein neues Kohlekraft- werk gebaut. Das Kraftwerk Moorburg, ursprünglich vom Be- treiber Vattenfall halb so groß konzipiert, wird aufgrund einer Intervention des CDU- Senats von 2005 als Doppelblockanlage mit 1 640  MW Leistung errichtet. Davon aller- dings wollte Bürgermeister Ole von Beust zwei Jahre später bei Baubeginn nichts mehr wissen. Zu stark war der Gegenwind aus den verschiedensten gesellschaft- lichen Gruppierungen. Die Grün- Alternative Liste (GAL) zog gegen „Kohle-Ole“ in den Wahlkampf und versprach aufgrund eines internen Gutachtens den sofortigen Bau- stopp, sofern sie Regierungsver- antwortung übernehmen würde. Wie sehr Anspruch und politische Realität manchmal auseinanderlie- gen, lernten die GALier schnell, als sie gemeinsam mit von Beust 2008 die erste schwarz-grüne Landesre- gierung bildeten. Umweltsenatorin Anja Hajduk (GAL) musste sichtlich konsterniert Ende September 2008 die endgültige Baugenehmigung für das Kraftwerk im Hafen ertei- len. Energiepolitisch hatte die Stadt ihren Einfluss mit dem Verkauf der HEW 2002 eingebüßt. Um dieses verlorene Terrain zurückzugewinnen und die energiebedingten Emissio- nen zwischen Elbe und Alster zu senken, gründete die Stadt 2009 mit Ham- burg Energie einen neuen kommunalen Versorger. Das Unter- nehmen hat sich zum Ziel gesetzt, Ökostrom und Biogas kosten- günstig anzubieten. Knapp 90 000 Strom- und 12 000  Gaskun- den konnten davon bislang überzeugt werden. Seit zwei Jahren schreibt das Unternehmen schwarze Zah- len und bis 2015 soll die Hälfte des Stroms in eigenen Anlagen erzeugt werden. Und auch sonst kommt die Energiewende in der Elbme­ tropole voran. Per Volksentscheid sprachen sich die Hanseaten für einen Rückkauf der Energienetze aus. Mitte Januar konnte die Stadt das Stromverteilnetz von Vat- tenfall Europe übernehmen, bis 2019 sollen auch das Fernwär- me- und das Gasnetz folgen. Es ist der Hammer, was hier in kurzer Zeit erreicht werden konn- te! Aber so sind die Zeiten der Wende. Zwischen den Windrädern im Hafen, dem Energiebunker Wil- helmsburg und dem Energieberg Georgswerder wirkt die Moor- burg-Baustelle von Vattenfall wie ein Relikt aus alter Zeit. Quali- tätsprobleme bei den Schweiß- nähten der Dampfkessel und andere Unwägbarkeiten haben die Inbetriebnahme immer wieder ver- zögert. Im Herbst wird das Kohle- kraftwerk seinen Regelbetrieb aufnehmen.  RÜCKBLICK Das war der Hammer: Moorburg und die Folgen -Redakteur Kai Eckert und die schwache Konjunktur auf die Emissionen des Industriesek- tors. Die Folge ist ein niedriges CO2- Preisniveau von derzeit rund fünf Euro je emittierter Tonne Kohlendi- oxid. Die Marktteilnehmer müssen nun neue Vokabeln lernen. Backloading und Marktstabilitätsreserve sind die Begriffe, die den EU-Emissions- handel wiederbeleben sollen. Es ist umstritten, wie zielführend diese Maßnahmen für das Handelssys- tem sind. „Das System kann man am besten dadurch wiederbeleben, dass man sich die Ziele setzt, die kli- mapolitisch notwendig sind“, sagt Nantke und verweist auf das inter- national fest vereinbarte Ziel, die Erderwärmung bis zum Ende des Jahrhunderts auf 2 °C zu begrenzen. Dazu müssten die Industriestaaten ihre Emissionen bis 2050 um 80 bis 95 Prozent reduzieren. „Was uns jetzt fehlt, sind Ziele im Emissions- handel und in anderen Sektoren, die diesem Generalziel von minus 80 bis 95 Prozent gerecht werden“, erläutert Nantke. EU-Kommission, EU und die Nationalstaaten hätten die Ziele im Emissionshandel nicht so gesetzt, dass sie dem gerecht wer- den, meint der DEHSt-Chef. Nun werde von Seiten der EU-Kommis- sion versucht im Emissionshandel nachzusteuern. Backloading sei dabei ein erster Versuch gewesen, auf den sich die EU-Mitglieder einigen konnten. 900 Mio. EUA werden jetzt aus dem Markt genommen und am Ende der dritten Handelsperiode wieder in den Handel gegeben. „Mit dem Backloading allein ändert sich am Emissionshandel und an der An- zahl verfügbarer Emissionsrechte nicht großartig etwas“, bemerkt Nantke. Dies habe auch der Markt erkannt und nach einer kurzen Preisbewegung von zehn bis 20 Pro- zent haben sich die CO2-Preise nun wieder auf dem Niveau von rund fünf Euro eingependelt. „Die Marktstabilitätsreserve, die die Kommission für die vierte Handels- periode entworfen hat, ist da schon ein bisschen geschickter und am- bitionierter“, meint Nantke. Damit sollen EUA-Überschüsse, die über die erforderliche Liquidität im Emis- sionsrechtemarkt hinausgehen, über einen Algorithmus beschränkt werden. „Das erscheint uns relativ vernünftig zu sein“, bekräftigt der Leiter der DEHSt, kritisiert aber zugleich, dass die Marktstabilitäts- reserve erst ab 2021 greifen und ihre Wirkung dann erst Mitte des nächs- ten Jahrzehnts entfalten würde. „Das ist entschieden zu spät“, sagt Nantke und plädiert dafür, die Marktstabilitätsreserve schon im Laufe der dritten Handelsperiode einzuführen.Technisch sei eine Ein- führung 2016 möglich. Mit dieser Forderung steht Deutschland nicht alleine da. Mehrere EU-Staaten wol- len den Regulierungsmechanismus früher als von der EU-Kommission vorgeschlagen umsetzen. Ende Mai dieses Jahres hatte Jos Delbeke, Di- rektor der Generaldirektion Klima der EU-Kommission, auf der Car- bon Expo erklärt, dass die Pläne für die Marktstabilisierungsreserve auf dem Tisch liegen und die Maßnah- me damit innerhalb weniger Mona- te verabschiedet werden könne.   Kriminalfall Emissionshandel   Auf der einen Seite werden also die Schrauben am Emissionshandelssys- tem nachgezogen, um dem EU-ETS zu mehr Effektivität zu verhelfen. Auf der anderen Seite nutzten Betrüger das EU-Emissionshandelssystem für ihre kriminellen Machenschaften aus. Es war der 28. Januar 2010, als fingier- te E-Mails im EU-Emissionshandel kursierten und die Zugangsdaten zu verschiedenen Emissionshandels- registerkonten abfischten. Von den rund 2 000 deutschen Kontoinhabern gaben sieben ihre Zugangsdaten preis. Von sechs CO2-Handelskonten in Deutschland wurden Emissions- rechte abgebucht und ins Ausland transferiert. „Wir haben noch am sel- benTag die Konten geschlossen, allen Kontoinhabern die Zugänge storniert und in der Folge neue Zugangsdaten verschickt, um sicherzugehen, dass keine weiteren kriminelle Handlun- gen durchgeführt werden konnten“, erzählt Nantke. Die DEHSt hatte bereits vorher schon zahlreiche frei- willige Sicherheitsfunktionen in ihr Handelsregister implementiert und den Anlagenbetreibern beispiels- weise die Möglichkeit gegeben, sich per Mail informieren zu lassen, wenn sich jemand in ihrem Konto einlogg- te. „Leider ist dies von sehr wenigen Kontoinhabern genutzt worden, die Mehrheit hat diese zusätzlichen freiwilligen Sicherheitsinstrumente nicht verwendet“, bedauert Nantke. Eine mittelständische Papierfabrik aus Niedersachsen traf es besonders hart. Wie E&M damals berichtete, wurden rund 115 000 EUA vom Konto des Anlagenbetreibers abgebucht. Der Schaden betrug beim damaligen CO2-Preis von 13 Euro/t allein hier rund 1,5 Mio. Euro. Nach Meinung des Unternehmens hätte sich die DEHSt vor solchen Schäden schützen müssen und verklagte die Emissions- handelsstelle. „Das Gericht hat aber entschieden, dass die von uns ge- troffenen Maßnahmen ausreichend waren“, fasst Nantke zusammen.„Mit der Einführung des Unionsregisters EUTL hat die EU-Kommission unsere Vorschläge für weitere Sicherheits- maßnahmen aufgenommen und das damals von uns freiwillig ein- geführte SMS-TAN-Verfahren jetzt verpflichtend eingeführt“, erklärt er. Heute können sich Kontoinhaber nur noch einloggen und Transaktionen vornehmen, wenn sie eine Trans- aktionsnummer per SMS auf ein zuvor registriertes Handy erhalten und diese eingegeben haben. „Die Sicherheit ist heute nicht mehr das Problem. Meines Wissens hat es seit- her keine erfolgreichen Phishing-At- tacken mehr gegeben. Natürlich sind auch die Anlagenbetreiber und Kon- toinhaber ein Stück weit sensibilisiert worden und gehen heute sorgfältiger mit der Thematik um“, sagt Nantke. Die Marktteilnehmer müssen indes abwarten, ob auch die Politik in Sa- chen Emissionshandel sensibilisiert werden kann und die nötigen Re- formschritte für das EU-Emissions- handelssystem ergreifen wird.  Hans-Jürgen Nantke: „Die Marktstabilitätsreserve erscheint uns relativ vernünftig“ 15. Februar 2010 Mail-Betrüger fis�en Emissionsre�te ab Mit fingierten E-Mails haben Betrüger Ende Januar die Zugangsdaten zu den Emissionshandelsregistern abgefangen und Zertifikate gestohlen. VON KAI ECKERT D ie Mails, die am 28. Januar kursierten, sahen täuschend echt aus. Kriminelle hat- ten sich darin als Deutsche Emissionshandelsstelle ausgegeben und die Empfänger aufgefordert, sich zum Schutz vor Hacker-Angriffen neu zu registrieren. Auf den ersten Blick habe die Mail mit dem Titel „Neue Sicherheits-Maßnahme“ einen seri- ösen Eindruck gemacht, berichteten Kontoinhaber; selbst die Deutsche Emissionshandelsstelle im Umwelt- bundesamt (DEHSt) bescheinigte den Hintermännern, hochprofessionell vorgegangen zu sein. Bereits zu Jahresbeginn hatte es ei- nen Hackerangriff auf das europäische Emissionshandelssystem (EU-EHS) gegeben, so dass die Mail mit neuen Sicherheitshinweisen bei einigen An- lagenbetreibern auf fruchtbaren Bo- den fiel. „In Zusammenarbeit mit der europäischen Kommission nehmen wir ab sofort die Dienste eines hoch- rangigen Sicherheitsunternehmen www.tradingprotection.com in An- spruch und unter ihrer Anleitung in- tegrieren wir nun neue Sicherheits- standards, denen Sie folgen müssen, um weiterhin den Service in Anspruch zu nehmen“, hieß es in der Mail. Wer den Anweisungen folgte und sich neu registrierte, lieferte den Betrügern sei- ne Zugangsdaten frei Haus. Die Daten nutzen die Kriminellen, um die CO2 - Registerkonten leerzuräumen und die Emissionsberechtigungen ins Ausland zu transferieren. Von den rund 2 000 Nutzern des deut- schen Handelsregisters folgten nach Angaben der DEHSt sieben Kontoinha- ber der Aufforderung aus der Mail. Von sechs dieser sieben Anlagenbetreiber wurden rund 250 000 Emissionsrechte abgebucht. Bei einem Marktpreis von 13 Euro/t entspricht dies einem Scha- den von etwa 3,25 Mio. Euro. Allein einem mittelständischen Unterneh- Anzeige Börse Mün�en Greenmarket 297 mm x 140 mm Dur� den Datenklau entstand ein S�aden in Millionenhöhe Bild An tje De later men sei dadurch ein Schaden von rund 1,5 Mio. Euro entstanden, berichtete die Financial Times Deutschland. Die- se Zahlen wollte eine Sprecherin der DEHSt gegenüber E&M nicht bestätigen. Es handle sich bei den Betroffenen aber um mittelständische Firmen, die in Deutschland emissionshandelspflichti- ge Anlagen betreiben, erklärte sie und verwies darauf, dass Unternehmen aus der Energiewirtschaft nicht be- troffen gewesen seien. Nach ersten Erkenntnissen seien die Emissions- rechte zunächst nach Großbritan- nien und Dänemark transferiert und dann über andere Staaten weiterverkauft worden. 3,25 Mio. Euro S�aden in Deuts�land Zwar verfüge jedes in der EU handel- bare Emissionszertifikat über eine in- dividuelle 64-stellige Identifikations- nummer, da die Transaktionen aber über verschiedene nationale Handels- register erfolgten, sei eine direkte Zu- ordnung der Zertifikate für die DEHSt nicht mehr möglich, sagte die Spreche- rin. Bei Transaktionen in andere EU- Staaten werden die Zertifikate zunächst über das Community Transaction Log (CITL) der EU-Kommission an das je- weilige nationale Register des Käufers weitergeleitet, bevor es dort auf seinem Konto gutgeschrieben wird. Bei außer- europäischen Transaktionen wird noch das internationale Handelsregister des UN-Klimasekretariats (UNFCCC) zwi- schengeschaltet. Ebenso wie die betroffenen Unter- nehmen hat auch das deutsche Han- delsregister inzwischen Strafanzeige erstattet. Das Bundeskriminalamt hat die Ermittlungen aufgenommen und wird nun versuchen, sowohl über den Mail-Versand als auch über die Buchungen der Emissionsrechte ei- ne Spur zu den Hintermännern zu bekommen. Ne- ben dem deutschen Emissionshandelsregister waren die Register in Tsche- chien und Belgien von Abbuchun- gen betroffen. Wegen der Mail-Attacke wurden nach Angaben des UNFCCC insgesamt 17 nationale Handelsregister abgeschaltet. Auch die DEHSt schalte- te ihr Register ab und verschickte am 4. Februar neue Zugangsdaten an die Kontoinhaber. Erst danach sollte das deutsche CO2 -Register seinen Betrieb wieder aufnehmen, erklärte die Spre- cherin. Da die europäische Registerver- ordnung keine Sicherheitsvorschriften vorsieht, appellierte die DEHSt an die Kontoinhaber, die bestehenden zu- sätzlichen Sicherheitsmaßnahmen, wie das Vier-Augen-Prinzip bei Buchungs- vorgängen oder die automatische Be- nachrichtigung bei der Anmeldung im Register zu nutzen. Weitere Sicherheit könne erzielt werden, „wenn die Kontoinhaber in den öffentlichen Kon- taktdaten Teilinformationen ausblen- den“, riet die Sprecherin im Gespräch mit E&M. Vorhandene Si�erheitsmaß- nahmen nu�en Unklar ist derzeit noch, wer für den Schaden aufkommen muss, wenn die Täter nicht ermittelt werden können. Anlagenbetreiber müssen am Ende ei- nes Jahres für fehlende Emissionsrech- te eine Strafe von 100 Euro je Tonne Kohlendioxid bezahlen und in gleicher Höhe je ein Zertifikat abgeben. „Nach dem Treibhausgas-Emissionshandels- gesetz gilt der Inhalt des Registers als richtig, soweit für jemanden eine Emis- sionsberechtigung eingetragen ist“, erklärt der auf den Emissionshandel spezialisierte Anwalt Markus Ehrmann und verweist darauf, dass eine einmal vorgenommene Übertragung nach der Eintragung im Register grundsätzlich unwiderruflich sei. Damit könnten be- troffene Kontoinhaber höchstens auf zivilrechtlichem Wege ihre Ansprüche geltend machen. Da die Zugangsda- ten erschlichen wurden, hält Ehrmann auch Regressansprüche gegenüber der DEHSt für unwahrscheinlich, wenn auch nicht ausgeschlossen. Auch Ju- risten betreten mit diesemVorfall Neu- land und werden mögliche Ansprüche wohl nur auf Basis konkreter Einzelfäl- le durchsetzen können. E&M E&M Neu 4 2010 indd 11 05 02 2010 18:52:22 Uhr KLIMASCHUTZ FUNKTIONIERT NICHT... Energie Management.indd 1 04.02.2010 12:01:57 Uhr 10-0202 Montage Anzeigen.indd 11 08.02.2010 12:45:29 Uhr ENERGIEMARKT 2010 Bild:DEHSt

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