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Energie & Management, Ausgabe 13, 2014

I m Frühjahr 2004 wurde am Berli- ner Standort des Umweltbundes- amtes kräftig gewerkelt, denn der Zeitplan war eng. Die Deutsche Emissionshandelsstelle (DEHSt) war als neue nationale Behörde für die Umsetzung des EU-Emissionshandels gegründet und dem Umweltbundes- amt angegliedert worden. Innerhalb eines halben Jahres sollte sie arbeits- fähig sein. Die Anträge der Anlagenbe- treiber für die kostenlose Zuteilung von Emissionsberechtigungen für die erste Handelsperiode mussten dann an- genommen werden können. „Das war schon eine gewisse Herausforderung, die wir aber doch gemeistert haben“, erinnert sich DEHSt-Leiter Hans-Jür- gen Nantke. Relativ schnell war ihm und seinem Team klar, dass es beim Emissionshandel um große Daten- mengen gehen wird. Um den Aufwand für deren Erhebung und Übermittlung für alle Beteiligten möglichst gering zu halten, entschied man sich für eine elektronische Datenerfassung. „Mit unserer Lösung können wir die Daten der Anlagenbetreiber direkt in unsere Datenbank zur Weiterverarbeitung übernehmen und Fehler aufgrund der Übertragung ausschließen“, sagt Nant- ke. Eine klassische Datenerhebung mit gedruckten Formularen, manuellen Eintragungen und anschließender Dateneingabe in das IT-System hätte angesichts der Mengen zu einer hohen Fehlerquote führen können. Deshalb entschied sich die DEHSt für ein neues IT-System. „So etwas gab es damals im Umweltbundesamt nicht. Die vorhan- dene IT war nicht auf die Datenmen- gen vorbereitet, und für die Transfers brauchten wir hier eine völlig neue Verkabelung“, blickt Nantke zurück. Durch den Emissionshandel wurden sehr viel mehr Datenmengen durch das Umweltbundesamt geschleust, als dies vorher üblich war. Elektronisches Verfahren stieß auf Kritik Auch die gesamte Kommunikation mit den Anlagenbetreibern sollte elektronisch erfolgen. Zugleich muss- ten die Anforderungen erfüllt werden, die der Antragstellung in Schriftform entsprachen. Mit Signaturkarten statt einer Unterschrift wurden die Anträge authentifiziert. Die Wirtschaft zeigte sich angesichts der neuen Kommu- nikationswege skeptisch, ob damit die termingebundenen und mit Aus- schlussfristen versehenen Anträge zur Zuteilung und auch die Abgabe der Emissionsberichte digital über- mittelt werden können. „Das hat uns eigentlich am meisten erstaunt, dass es so eine starke Kritik an dem von uns vorgeschriebenen elektronischen Ver- fahren gab“, sagt Nantke heute. Am Ende hat es aber dann doch geklappt. Bereits zum ersten An- tragsverfahren wurden von den An- tragsstellern die Zuteilungsanträge elektronisch eingereicht, die Daten- übermittlung verlief nach Angaben der DEHSt fehlerfrei. „Einige haben es sich allerdings nicht nehmen lassen, neben der elektronischen Übermitt- lung ihre Anträge trotzdem nochmals auszudrucken oder die Daten auf CD zu brennen und uns dann per Post zu schicken“, berichtet Nantke schmun- zelnd. Heute haben sich alle Betei- ligten an den Umgang miteinander gewöhnt und kommunizieren munter über die eigens eingerichtete virtu- elle Poststelle, die ein Jahr nach Ein- führung des Emissionshandels noch durch das Formular-Management- System ergänzt wurde. Von Beginn an ging es um das Budget „Wir haben schnell gelernt, dass immer sehr viel mehr Emissionsberechtigun- gen im Rahmen der Antragsstellung nachgefragt wurden, als das Budget hergegeben hat“, erzählt Nantke rück- blickend. In den ersten beiden Han- delsperioden zwischen 2005 und 2007 und von 2008 bis Ende 2012 wurde für die Zuteilungsanträge dann eine anteilige Kürzung berechnet, um die Obergrenze der Emissionsrechte ein- zuhalten. Mit Beginn der dritten Han- delsperiode Anfang 2013 wurde das Zuteilungsverfahren grundlegend ge- ändert. Kraftwerksbetreiber erhalten seither keine kostenlosen Emissions- rechte für die Stromproduktion mehr, auch die Betreiber von Industriean- lagen bekommen nur noch einen Teil der benötigten Emissionsberechtigun- gen gratis.„Aus der anteiligen Kürzung ist jetzt in der dritten Handelsperiode der sektorübergreifende Korrektur- faktor geworden. Dieser musste ein- geführt werden, weil mehr kostenlose Emissionsberechtigungen nachgefragt wurden, als vorhanden waren“, er- klärt der Leiter der DEHSt. Die Zu- teilungen waren oft ein Problem des Emissionshandels. In der Anfangszeit wurden mehr Emissionsrechte aus- gegeben, als tatsächlich Treibhausgas emittiert wurde, so dass am Ende der ersten Handelsperiode die Preise für EU-Emissionsrechte (EUA) bei weni- gen Cent angekommen waren. In der zweiten und dritten Handelsperiode wurde zwar das Cap, also die Obergren- ze der vorhandenen EUA, abgesenkt, zugleich drückten die Wirtschaftskrise Baustelle Emissionshandel Anteilige Kürzung, virtuelle Poststelle, Fomular-Management-System: Die Einführung des EU-Emissionshandels hat 2005 nicht nur ein neuesVokabular geschaffen, sondern Anlagenbetreiber und Behörden auch vor immer neue Herausforderungen gestellt. VON KAI ECKERT Für die Kommu- nikation mit der DEHSt waren neue Kabel erforderlich Bild:JürgenLandgrebe 1. Juli 201454 EMISSIONSHANDEL 20 Jahre Energie & Management 20 Jahre eine erfolgreiche Zusammenarbeit Wir gratulieren unserem langjährigen Medienpartner Energie & Management ganz herzlich zum 20jährigen Jubiläum und freuen uns auf eine weitere erfolgreiche Zusammenarbeit in der Zukunft! EUROFORUM Deutschland SE Ausführliche Informationen zu den aktuellen Energie-Konferenzen und Seminaren von EUROFORUM finden Sie unter: www.euroforum.de/energie Info-Line: +49(0)211/9686–3448 Unser Medienpartner em_jubilaeumsanzeige_DD.indd 1 23.06.2014 09:29:49

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