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Energie & Management, Ausgabe 13, 2014

1. Juli 2014 53 Braunkohle als preiswerte heimische Energie wird für RWE weiterhin ei- ne wichtige Basis für einen Großteil der Grundlaststromversorgung bleiben; ebenso für die neuen Eigner der Veag und der Lau- bag, um die einige Unternehmen buhlen. Es sah zum Redaktionsschluss dieser Aus- gabe so aus, dass HEW/Vattenfall – wahr- scheinlich mit der einverleibten Bewag – das Rennen machen werden; Southern Energy wird bestenfalls ein Anhängsel sein. EnBW kommt nicht zum Zuge, e.on muss raus; und die beiden werden ebenso wie RWE und HEW entsprechend dem Aus- stiegsbeschluss der Regierung sukzessive auf die Kernkraft verzichten müssen. Außer importierter Steinkohle oder importiertem Strom bleibt den Südstaatlern dann nichts mehr für die Basisversorgung – sie sind auf die tausend- und vielleicht millionenfache dezentrale Energieerzeugung angewiesen. Auf die setzt – Braunkohle hin, Braunkohle her – auch der Branchenführer RWE. Vor- standsmitglied Manfred Remmel schrieb im September im „Handelsblatt“: „Die de- zentrale, kundennahe Energieversorgung auf Gasbasis ist ein zentrales Element des von RWE verfolgten Multi-Utility- und Multi-Energy-Ansatzes. Die Brennstoffzel- lentechnologie verfügt über ein enormes Entwicklungs- und Marktpotenzial.“ Alle großen Strom- und Gasversorger sind an der Brennstoffzellenentwicklung durch Testanlagen beteiligt in dem Wissen: Energieversorgung der Zukunft wird vor allem dezentrale Strukturen haben – die Artikel dieses Jahresmagazins von Energie & Management sollen ein Gefühl dafür ver- mitteln. ABB, ein Synonym für den Bau von Großkraftwerken, stellt sich darauf ein, mit vielen Mini-Kraftwerken – Brennstoff- zellen, Motor-BHKW, Windkraftwerken, Photovoltaikanlagen – eine virtuelle Kraft- werkswelt zu managen. Wäre es nur die Grüne Michaele Hustedt, die im November zu einem Seminar „Micro-Power“ eingela- den hat, schnell wäre es als Spinnerei ab- getan. Aber es sind die Mächtigen, die auf kleine Einheiten setzen, allein deshalb, weil im liberalisierten Markt Milliarden-Investi- tionen unsicher geworden sind. Lieber hier und da mal eine Million mit überschauba- rer Kapitalrückflusszeit; nahe am Kunden, das ist die Devise. Und dabei wettern die Verbundunternehmen gegen eine geplante KWK-Quote, obwohl doch BHKW in dieses Konzept passen müssten. Die großen EVU haben nichts gegen die Kraft-Wärme-Kopp- lung, siehe Brennstoffzellen-Engagement, sie wollen nur verhindern, dass vorzeitig etwas reguliert wird, bei dem sie die Spiel- regeln bestimmen wollen. Zur virtuellen Kraftwerkswelt gehören das Internet, die kommende Powerline- Technik – e-commerce auf allen Kanälen. Business-to-Business, Business-to-Custo- mer, Customer-relationship, und wie sie alle heißen, die Schlagworte der New Eco- nomy, sie haben mit dem Energie-Geschäft zu tun – und eben dezentral. Die großen Versorger – und hoffentlich möglichst viele kommunale Unternehmen – werden sich Internet-Plattformen auf- bauen zur ständigen Kommunikation mit ihren Kunden, die künftig über Contrac- ting-Modelle auch ihre Energie-Lieferanten sein werden. Dazu passt die Biomasse eben- so wie Photovoltaik- und Windenergieanla- gen, kleine Wasserkraftwerke werden eine Renaissance erleben. Dezentrale Anlagen, gespeist aus regenerativen Energien, wer- den dazu dienen, eine Wasserstoffwelt auf- zubauen. Bei all dem kann nicht darauf verzichtet werden, dass Energieversorgung „geregelt“ wird: Jeder jedermanns Versorger, dazu ge- hört viel Intelligenz an dann doch zentralen Stellen. Bundeswirtschaftsminister Werner Müller hat solche Entwicklungen in seinem „Energiedialog 2000“ zu wenig berücksich- tigt. E&M 3 SzeneE&M-Jahresmagazin 2001 Energie wird dezentral SZENE E&M-Chefredakteur Helmut Sendner Energie, wo sie am attraktivsten ist Diese Karikatur von Charlotte Wagner wurde mit einem Sonderpreis bedacht im Karikaturenwettbewerb „Mensch und Energie“ des Goethe-Instituts, gefördert vom EXPO-Dialog der deutschen Stromver- sorger, vertreten durch die Informations- zentrale der Elektrizitätswirtschaft, IZE ; mehr dazu in E&M am 15. Dezember 2000 ENERGIEMARKT 2000 ENERGIEMARKT WAS WÄCHST IM SPREEWALD VERSORGT 60.000 MENSCHEN MIT FRISCHER ENERGIE? Die Thüga Erneuerbare Energien GmbH & Co. KG ist ein Joint Venture von derzeit 46 Unternehmen der Thüga-Gruppe. Der Windpark Spreewald. Seine reiche Windernte macht selbst Gurken grün vor Neid: Mitten im Spreewald produziert er klimaneutralen Strom für 60.000 Menschen. Und er ist nur einer von mehreren Windparks der Erneuerbaren Energien Gesell- schaft der Thüga-Gruppe, einem Joint Venture von derzeit 46 Unternehmen der Thüga-Gruppe. Die Thüga Erneuerbare Energien GmbH & Co. KG ist eine von vielen Lösungen, mit denen die über 100 in der Thüga- Gruppe organisierten Stadtwerke die Energiewende vorantreiben. Gemeinsames Ziel ist der Ausbau der erneuerbaren Energien. Für ein entscheidendes Plus für Mensch, Natur und Umwelt. Für das große Plus für alle. Erfahren Sie mehr über www.energie-und-wende.de 050-4-004_AZ_TH_Gurke_EnergieManagement_270x128#.indd 1 07.03.14 09:38 immer sehr stark für energiesparende Tarife interessiert. Ich habe mit der Analyse der Rolle der deutschen Ener- giewirtschaft in Nazi-Deutschland die konzeptionellen Ideen für eine Neu- ordnung eingebracht. : Was aus Ihrem Buch, haben sie gehofft, wird umgesetzt? Hennicke:Wir waren schon optimis- tisch, weil es auf vielen Ebenen krisel- te. Nicht nur bei der Atomenergie. Es gab auch eine hohe Unzufriedenheit mit der starken Monopolisierung und Marktbeherrschung durch die Strom- konzerne. Was wir aber nicht für mög- lich gehalten haben, war, wie schnell und wie radikal das letztlich doch ge- gangen ist. Die Behauptung ‚Die Ener- giewende ist möglich‘ war doch eher eine historisch abgeleitete Konstruk- tion, die die Notwendigkeit beschrieb. Sie war damals die Vision einer Min- derheit, die sich bewusst war, dass es, wenn überhaupt, sehr lange dauern würde, bis man damit eine Mehrheits- position erringen kann. : Ihr Buch trug damals den Untertitel: ‚Nur bei mehr Autonomie „Wir brauchen einen Paradigmenwechsel in der Energieein- sparpolitik“ der Kommunen ist eine ökologische Energiepolitik möglich‘. Hennicke: Wir hatten zunächst ‚Eine Plädoyer für die Rekommuna- lisierung der Energiewirtschaft‘ als Text vorgeschlagen. Da hat aber der Fischer-Verlag gesagt: Kein Mensch weiß, was Rekommunalisierung ist. Nicht vorausgesehen hatten wir, dass Dezentralität noch weit über den kommunalen Handlungsspielraum hi- nausgehen würde – durch die Kosten- entwicklung bei der Photovoltaik und durch den Trend zur Eigenversorgung. Es ging also nicht allein um die klassi- sche Dezentralität der Kraft-Wärme- Kopplung, sondern über modernste Technik kommt ein erheblicher Teil der Verfügungsmacht über Energie in die Gesellschaft zurück. : Wie wichtig war die Liberali- sierung des Energiemarktes für den Wandel? Hennicke: Wir haben viele Kommu- nen beraten, damit sie in den ersten Jahren der Liberalisierung nicht aus Angst vor dem Tod Selbstmord bege- hen und ihre Stadtwerke verkaufen. Wir haben den Kommunen gesagt, die Technik wird sich schrittweise dezen- tralisieren und perspektivisch habt ihr große Chancen, wenn ihr euch nicht zu früh an die Großen angliedert. Was die Energiewende letztlich gerettet hat, war das Erneuerbare-Energien-Ge- setz, das durch einen kühnen Eingriff in den Markt trotz der Preisunter- bietungsmacht der großen Konzerne eine Marktöffnung erzwungen hat. Die Konzerne konnten ja – gestützt auf Braunkohle und Atomenergie – mit Grenzkosten-Preisbildung alles Innovative aus dem Markt drücken, was mit Vollkosten antreten musste. Das Einspeisegesetz hat den Pionieren der erneuerbaren Stromerzeugung die Garantie gegeben, ihre Vollkosten zu decken und kostensenkende Lernef- fekte zu realisieren. Die Liberalisierung hat in Verbindung mit dem EEG als Instrument einer erzwungenen Markt- öffnung letztendlich der Energiewen- de auf der Stromangebotsseite zum Durchbruch verholfen. : Und was passiert in den nächs- ten 30 Jahren? Hennicke: Das Hauptproblem ist, dass weder bei der Politik noch bei der D ie EEX in Frankfurt bekam den offiziel- len Auftrag zum Aufbau einer Strombörse. Und die in Leipzig machten es einfach auch: Als 2000 die heutige E-World noch E-Tra- de hieß und im Düsseldorfer Congress Center stattfand, präsentierte Carlhans Uhle abends das Konzept der Leipziger LPX, zu einer Zeit, als die RWE Traders-Party schon langsam Fahrt auf- nahm. Ein Auftritt mit Symbolkraft. Nur wenige Interessierte waren im Raum, nur wenige ahn- ten damals, dass sich Uhle und sein Team, getragen von der Überzeugung, dass der Markt mehr ist als die vier Großen, tatsächlich durch alle Widerstände kämpfen würden. Sie heimsten zum Teil Häme, zum Teil Mitleid aber auch Bewunderung ein und starteten ihren Spo󿿨andel noch vor den Frankfurtern. Das war wirklich der Hammer.  RÜCKBLICK Der Hammer: Trotzig zum Erfolg Wissenschaft wirklich angekommen ist, dass wir einen Paradigmenwechsel in der Energieeinsparpolitik brauchen. Auf der Ebene von Szenarien wird bei der IEA in Paris und in Deutschland die Beruhigungungspille verabreicht, dass bei einer Energieeinsparung von 50 Prozent der Atomausstieg und der Klimaschutz technisch relativ einfach machbar sind. Aber wir müssen sehr viel ernsthafter daran arbeiten, dass diese Einsparung auch wirklich um- gesetzt wird. Wir brauchen Prozess- verantwortung für das Erreichen der volkswirtschaftlichen Energieeinspar- ziele und auch zur Begrenzung von kontraproduktiven Komfort-, Wachs- tums- und Rebound-Effekten. Die Ver- antwortung dafür können weder die Haushalte noch die Wirtschaft alleine tragen. Der Markt der Energieeinspa- rung und der Energiedienstleistungen ist in vielen Bereichen von einem ganz klaren Marktversagen geprägt. Das macht es notwendig, diesen Markt zu organisieren und durch Regulierung überhaupt erst funktionsfähig zu ma- chen. In diesem Punkt befinde ich mich wieder ein bisschen in meiner Rolle aus den 80er Jahren – mit der Botschaft an Wissenschaft und Politik: Wenn ihre eure Szenarien und Ener- giesparziele erreichen wollt, müsst ihr euch mehr um die Nachfrageseite ord- nungspolitisch, strukturell und institu- tionell kümmern. Dazu haben wir für Minister Gabriel amWuppertal Institut einenVorschlag erarbeitet. : Wird es diesmal schneller gehen? Hennicke: Ich mache mir genau so wenig Hoffnung wie 1985, dass das sehr schnell kommen wird. Aber ich bin überzeugt davon, dass wir hier in Deutschland und anderswo in eini- gen Jahren eine Art Bundeseffizienz- agentur haben werden, sehr schlank, sehr fit, vielleicht 300 Experten, die diesen Markt für Energieeinsparung im Wärme- sowie im Strombereich und letztlich auch für denVerkehr mit der entsprechenden Prozessverant- wortung und mit Möglichkeiten zur Anschubfinanzierung (Energiespar- fonds; d. Red.) organisieren werden. Für einen wirklich funktionsfähigen Markt für Energiedienstleistungen zu sorgen, ist die große Aufgabe für den Erfolg der Energiewende.  -Redakteur Fritz Wilhelm

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