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Energie & Management, Ausgabe 13, 2014

D er Rückblick dient dem Ler- nen aus den Versäumnissen. Obwohl die Zukunft nicht voraussehbar ist, helfen Analogien zu früheren Entwicklungen, zumindest bereits gemachte Fehler künftig zu vermeiden. Die Chancen, bei der nun notwendigen Zeitenwende neue Fehler zu machen, werden da- durch kaum geschmälert. Die Liberalisierung des Energie- marktes war eine Möglichkeit, den Energienutzern die Verantwortung zurückzugeben, welche ihnen zuvor durch eine allgemein akzeptierte Ent- mündigung genommen wurde. Die Marktkommunikation wurde wegen der Liberalisierung notwendig. Dies bot die Chance, ein Energieinfor- mationsnetz aufzubauen. Die Informa- tions- und Kommunikationstechnik (IKT) hätte auch in der Energiebran- che umgehend Einzug halten müssen. Die Edna-Initiative sah die Notwen- digkeit, die Marktkommunikation zu automatisieren. Eine umfassende Unterstützung durch die Energiever- sorgungsunternehmen blieb aber aus. Heftiges Bemühen, die Verbände zu einem gemeinschaftlichen Vorgehen zu bewegen, scheiterten. Schließlich arbeitete eine Behörde Vorschriften aus. GPKE entstanden und wurden ein- geführt, jedoch ohne marktweite Tests auf Interoperabilität. Die Subventionierung der Photovol- taik und der damit ausgelöste enorme Anstieg dezentraler Energiebereitstel- lung war eine günstige Gelegenheit der Umorientierung darauf, dass künftig die Energie „von unten“ kommt. Die EVU konnten sich jedoch den rasanten Anstieg der Einspeisungen aus PV-An- lagen nicht vorstellen. Der Atomaus- stieg, so unvorbereitet er kam, war eine Chance, von Grund auf neu zu denken. Aber weder die dezentrale Energiebe- vorratung noch die Transportfähigkeit des Netzes für die künftig auftretenden Energieflüsse wurden angegangen. Die physikalischen Gesetze werden ignoriert Die Konsequenzen eines nur auf die Be- zahlung von Energiemengen verengten Marktes wurden aber nicht gesehen und selbst nach dem Auftreten des ersten negativen Strompreises an der Energie- börse lange Zeit ignoriert, so wie auch die physikalischen Gesetze. Weder eine „Netzampel“ noch „Kapazitätsmärkte“ gewährleisten die (n-1)-Sicherheit und erübrigen die Beachtung der Physik. Der einsetzende Abbau konventionel- ler Energieerzeugung zusammen mit dem Außerbetriebnehmen der Kern- kraftwerke führt zu einer Schwächung des heute immer noch hoch verfügba- ren Energieversorgungssystems. Gerade diese hohe Verfügbarkeit ist der größte Hemmschuh, den Umstieg ernsthaft und konsequent anzugehen. Obwohl inzwischen Stimmen vor einem Black- out warnen, ging es immer noch gut. Das aber ist kein Naturgesetz. Die Durchdringung industrieller Prozesse, aber auch der Beziehungen innerhalb der Gesellschaft mit IKT er- öffnet Möglichkeiten, bietet Nachah- mungsgelegenheiten und kann dazu dienen, bereits erkannte Risiken zu beachten oder gar festgestellte Fehlent- wicklungen zu vermeiden. Das Lernen von anderen ist der wichtigste Schritt in Richtung Energiewende. Der Auf- und Ausbau eines Energie- informationsnetzes, das sämtliche Netzebenen genauso wie die Vielzahl der Marktbeteiligten und ihre leittech- nischen Einrichtungen umfassen muss, wäre nötig. Die so genannte Home Automation bei den Energienutzern ist einzubeziehen. Die jetzt erfolgte Ausweitung der seit 2005 bestehenden Marktkommunika- tion sollte genutzt werden, ein profes- sionelles Lebenszyklusmanagement aufzubauen und umfassend einzuset- zen. Es wäre ein idealer Anlass, Test- verfahren und die Qualitätssicherung verpflichtend einzuführen. Neutrale Testwerkzeuge als Referenz für die ein- zuhaltende Interoperabilität, besonders als Qualitätssicherung während der Entwicklungsphasen und im Betrieb, würden erheblich Zeit und Aufwand einsparen. Da von einer einwandfrei funktio- nierenden Marktkommunikation viel abhängt, müssen künftig Ungereimt- heiten automatisch erkannt und ge- meldet werden. Das muss letztlich so gehandhabt werden, wie es heute bei Störungen in Stromnetzen durch die automatisch arbeitenden Schutzsyste- me erfolgt. Auch für das temporäre und selektive Herauslösen störender Kom- ponenten sowie das Wiederzuschalten reparierter beziehungsweise ausge- tauschter IKT-Komponenten kann das derzeitige Verhalten der Schutzsysteme in den Netzen als Beispiel genommen werden. Die Fahrpläne auf (n-1)- Sicherheit überprüfen Die Liberalisierung hat das diskri- minierungsfreie Bereitstellen der im Monopolbereich verbleibenden Netz- infrastruktur verlangt, und nicht das Trennen. Die Versorgungssicherheit er- fordert eine enge Kooperation zwischen Netzbetreibern und allen Netznutzern sowie eine eindeutige Festlegung der Verantwortungsbereiche und -über- gänge. Eine strikte Trennung in einen Smart Market und in einen Smart Grid oder eine nach kWh- und kW-Größen ist ein untauglicher Versuch, physika- lische Gesetze zu ignorieren, denn das Integral über die Leistungsflüsse ergibt die geflossenen Energiemengen. Hier muss dringend umgedacht werden. Im Straßenverkehr würde man auch nicht nach Geschwindigkeit und Wegstrecke unterscheiden, obwohl hier das Integral über die Geschwindigkeit die zurückge- legteWegstrecke ergibt. Bei der Planung der Zukunft müssen künftig die Energienutzer sowie deren Lieferanten Fahrpläne für Energie- lieferungen beziehungsweise -bezüge und auch für Energieaustausche zur Energiebevorratung erstellen. Diese Fahrpläne müssen bei den Netzbetrei- bern darauf hin überprüft werden, ob mit diesen Sollwerten die (n-1)-Sicher- heit eingehalten werden kann. Auch die sonstigen Rahmenbedingungen im Netzbetrieb (ausreichende Kurz- schlussleistung für das Anregen der Schutzeinrichtungen, Einhaltung des Spannungsbandes in jeder Netzebene sowie Vermeiden von Überlastungen der Betriebsmittel) sind wichtig. Das kann zu Planungsänderungen Anlass geben und deshalb dürfte ein iteratives Vorgehen im Rahmen der Planung des Energieumsatzes und der Sicherung des Netzbetriebes künftig Normalität sein. Unzulässig ist jede Art von Überlappungen der Verantwor- tungsbereiche. Da die Netzbetreiber die Verantwortung für die Versorgungs- sicherheit im Sekunden- und Minuten- bereich haben, können marktbedingte Änderungen nur in der Planungsphase und im Stundenbereich und darüber hinaus stattfinden. Ausreichende Zeit für die Über- prüfung der Gewährleistung der Versorgungssicherheit muss immer verbleiben. Und bei den unvermeidba- ren Abweichungen von der Planung (ob durch Ausfälle von Erzeugungen oder plötzliche Änderungen des Energiebe- zuges) müssen die Netzbetreiber noch netzdienlich und die Versorgungssi- cherheit bewahrend reagieren können. 1. Juli 201444 IT Franz Hein: Die Edna-Initiative forderte schon früh eine automatisierte Marktkommunikation Die Marktkommunikation neu denken Die Energiewende sei bisher vermurkst, die Liberalisierung des Energiemarktes und die damit verbundene Marktkommunikation hätten Frusterlebnisse erzeugt, aber aus Fehlern könne man noch lernen: Eine Betrachtung von Franz Hein*. Bild:privat Fit für systematisches Energiemanagement (z. B. nach ISO 50 001) Qualifizieren Sie sich berufsbegleitend zum EnergieManager (IHK) und profitieren Sie vom Netzwerk aus über 3.500 Absolventen in 28 Staaten. „ Erfahrene Trainer aus der Praxis „ IHK-Zertifikat nach internationalem Standard „ Begleitendes Energieeinsparprojekt im eigenen Unternehmen ermöglicht direkte Kostenreduktion durch mehr Energieeffizienz PROUD TO SAVE Trainingsorte, Termine und Informationen unter: www.energiemanager.ihk.de www.energymanager.eu Ohne moderne IT- Lösungen lässt sich der Strommarkt heute nicht mehr beherrschen Bild:Shutterstock.com,FerGregory

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