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Energie & Management, Ausgabe 13, 2014

431. Juli 2014 ENERGIEMARKT 1999 KERNENERGIE Gewinnabführungs- und Beherr- schungsverträgen oder harten Patro- natserklärungen verpflichtete. Diese Solidarvereinbarung gilt bis zum 27. April 2022. Die vier großen Konzerne haben unterschiedliche Probleme, aber bei allen ist es ernst Wie muss man den Vorstoß der Kon- zerne demnach bewerten, ist er ein unverfrorenes Ansinnen oder wo- möglich ein Hilferuf? Um das zu be- urteilen, ist ein Blick auf die Lage der Konzerne nötig – und die ist zum Teil miserabel. Am schlimmsten steht RWE da. Der Konzern wurde durch den „akquisitionsfreudigen“ Dietmar Kuhnt tief in die Verschuldung ge- führt, konnte aber von Harry Roels kurzfristig saniert werden. Unter dem „durchsetzungsstarken“ Jürgen Groß- mann ging es dann wieder abwärts. Heute ächzt RWE unter 30 Mrd. Euro Schulden. Vor allem traute sich Großmann zu, im Alleingang den Atomausstieg aufzuhalten und der Energiewende zu trotzen – eine gro- teske Fehlentscheidung. Grund von allem: eine verfehlte Führungskräfte- strategie des Aufsichtsrates. Vattenfall befindet sich auf dem Absprung. Vattenfall Europe, ein Kunstprodukt des damaligen Wirt- schaftsministers Werner Müller, verband zwei große Stadtwerke – Hamburg und Berlin – mit Atom- kraftwerken und der ostdeutschen Braunkohleverstromung. Nach der absehbaren Aufgabe der Hamburger Stromkonzession werden Käufer für die Assets gesucht. Zwar nimmt Vat- tenfall vielleicht eine wohl gefüllte „Sparkasse“ mit sich, aber die Zukunft der 17 000 Beschäftigen vonVattenfall Europe steht in den Sternen. Der Staat hat schon den Atomeinstieg finanziert − jetzt muss er auch beim Ausstieg helfen Für EnBW, auch mit vier AKWs „ge- schlagen“, versucht der ehemalige Eon-Manager Frank Mastiaux den Umstieg auf erneuerbare Energien (Anteil schon 19,1 Prozent). Dabei wird er von der Landesregierung tatkräftig unterstützt – was ein großer Vorteil ist. Von EnBW wird daher auch ange- nommen, dass der Umstieg gelingen könnte. Allein Eon hat den Atomausstieg von Anfang an ernst genommen und – ins- besondere im Ausland – kräftig inves- tiert. Knapp zwei Drittel des Umsatzes, der sich seit 2001 verdreifacht hat, wer- den nun im Ausland gemacht. Auch die Engagements in Brasilien und in der Türkei sind nicht so notleidend, wie sie immer dargestellt werden. In derTürkei hatderVersorgerinzwischenmehrKun- den als in Deutschland. In Brasilien ist entscheidend, dass die Tochter Eneva langfristige PPAs – Power Purchase Agreements – abgeschlossen hat; das heißt, die Energie ist bereits verkauft, bevor das Kraftwerk überhaupt fertig ist. Das Unternehmen ist außerdem energisch in die erneuerbaren Energien einstiegen, wie die Offshore-Beteili- gungen zeigen (Anteil derzeit 11,4 Pro- zent). Aber auch Eon muss Kraftwerke abschalten, was insbesondere beim hochmodernen Gaskraftwerk Irsching besonders wehtut. Dazu drücken die 31 Mrd. Euro verbliebenen Schulden (nach 19 Mrd. Euro Asset-Verkäufen). Also: Die Konzerne stehen mit dem Rücken zur Wand. Ihr Angebot an den Staat ist – richtig eingeschätzt – ein Hil- feruf. Der Staat, der schon den Einstieg in die Atomverstromung mit Riesen- summen finanziert hat – man schätzt ungefähr 165 Mrd. Euro – muss jetzt auch beim Ausstieg helfen. Beim Be- trieb der AKWs sollte er die Konzerne allerdings in der Mitverantwortung halten. Da sich die schlecht regelba- ren Kraftwerke unter dem häufiger werdenden Ansturm großer volatiler Strommengen immer weniger rechnen, ist eine beschleunigte Abschaltung sinnvoll. Das zeigt auch das Eon-Kraft- werk Grafenrheinfeld, das der Konzern vorzeitig stilllegen will. Damit würde der Atomausstieg – wie schon der Einstieg – staatlich geführt. Der Staat könnte außerdem die Chance nutzen, die Netze in eine Bundes-Netz-AG zu übernehmen. Ohne Netze keine Energiewende. Die kommunalen Netze gehören ihm – mittelbar – ohnehin. Weitreichender Wandel: Die Konzerne werden durch Millionen Solar- und Windkraftwerksbetreiber verdrängt. Die Netze werden immer mehr Be- standteil der staatlichen Infrastruktur- verantwortung. Ein gestaltungswilliger Staat bekommt seine Chance.  * Peter Becker, Rechtsanwalt, Lohfelden Bli󿿩 ins Abklingbe󿿩en im Kernkraftwerk Emsland: Wie finanziert man am besten den Rü󿿩bau und die Entsorgung der Anlagen? WENN DANNGRATULIEREN WIR UND SAGEN: DIE E&M JUBILÄUM FEIERT Eine Muss-Lektüre für jeden Energieprofi! Für eine kritische Auseinandersetzung mit unserer Branche braucht man unabhängige Impulsgeber – wir freuen uns auf weitere 20 Jahre mit Euch. www.bet-aachen.de WEITER SO! Bild:RWE

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