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Energie & Management, Ausgabe 13, 2014

1. Juli 2014 41SPECULANTIUS Anleihenemissionen preisgünstig fremdzufinanzieren – in der Erwar- tung, dass die Unternehmensneu- erwerbungen durchgängig höhere Renditen abwerfen würden als nur die (Fremd-)Kapitalkosten. Als besonders zukunftsträchtig galt der Erdgasmarkt, auf dem Eon nicht nur kleckern wollte. Für die Übernah- me der Ruhrgas nahmen die Düssel- dorfer eine ordentliche Stange Geld in die Hand, klopften in Berlin an, um eine Ministererlaubnis für den Deal zu bekommen, und waren sich ziemlich sicher, die Gunst der Stunde genutzt zu haben. Immer noch sehr hohe Schuldenstände Neben dem Investitionsschwerpunkt im angelsächsischen Raum und dem Erwerb von Beteiligungspositionen in Osteuropa waren RWE und Eon auch bemüht, weitere neue „Claims“ in Westeuropa abzustecken. Während Eon mit einem Einstieg bei der spani- schen Endesa in Südeuropa auftrumpf- te, setzte RWE auf eine Arrondierung ihres traditionellen Stammversor- gungsgebietes Richtung Westen und kaufte sich bei der niederländischen Essent ein. Während Eon in Spanien letztlich den Rückzug antreten musste, konnte RWE mit ihrem Holland-Engagement zwar an Masse, allerdings wohl kaum nachhaltig an Klasse zulegen. Denn derzeit dürften den Essenern nicht alle Kraftwerke, die beim westlichen Nachbarn in Betrieb sind, Freude be- reiten (2013 waren einige davon sogar maßgeblich für die hohen Wertberich- tigungen mitverantwortlich!), und das neue niederländische Steinkohlekraft- werk in Eemshaven, das nunmehr erst mitVerzögerung in Betrieb gehen wird, schlägt bislang wohl auch nur auf der Kostenseite zu Buche. Der Wunsch der großen deutschen Versorger, in vielen Ländern und mög- lichst auch mehreren Erdteilen präsent zu sein, hat sich bis in die Gegenwart erhalten. So ist Eon dabei, in wachs- tumsstarken Schwellenländern wie Brasilien und der Türkei einen Fuß in die Tür zu bekommen. Allerdings er- scheinen die Finanzierungsspielräu- me inzwischen wesentlich begrenzter als noch ein Jahrzehnt zuvor. Zuneh- mend fällt es den Konzernen schwer, ihre Verschuldungskennziffern im Zielkorridor zu halten. Denn die Cash- flows sprudeln nicht mehr so wie noch vor wenigen Jahren. Und trotz einiger Beteiligungsverkäufe – jüngst die Ab- gabe der Öl- und Gasaktivitäten durch RWE (RWE Dea) – erscheinen die Net- toschuldenstände immer noch recht hoch. Die künftigen Aktionsspielräume für die ganz großen deutschen Versorger erscheinen inzwischen deutlich be- grenzter als vor 20 Jahren, als sie noch über reichlich Assets verfügten, die nicht wirklich zu ihrem Kerngeschäft gehörten. Die Unternehmen haben zwar nach wie vor respektable Markt- positionen inne, jedoch wohl nicht mehr so riesige stille Reserven wie in derVergangenheit. Und Unternehmen, die über nur noch wenig Speck verfü- gen müssen nun verstärkt ihre Mus- keln einsetzen, um ihre Gläubiger und Aktionäre satt zu bekommen. In den nächsten Jahren bedarf es einer Reihe kluger Managemententscheidungen, damit sich die Aktien der deutschen Top-Versorger auch an der Börse wie- der zur Spitzenklasse der heimischen Anlagewerte zählen dürfen. Wahrscheinlich werden die Ver- sorgungskonzerne auch in einigen Jahren ihre Stromerzeugung immer noch überwiegend auf Basis konven- tioneller Energieträger bereitstellen. Ob sie im Bereich der Erneuerbaren auf lange Sicht ein ebenbürtiges Stand- bein aufbauen können, muss sich in den nächsten Jahren erst noch zeigen. Über entscheidende Wettbewerbs- vorteile dürften sie in der Ökostrom- gewinnung bei der Realisierung von echten Großprojekten, insbesondere bei der Umsetzung von riesigen Off- shore-Windparks, verfügen. Ob es den Versorgern allerdings gelingen wird, in Zukunft irgendwann noch einmal einen so kontinuierlichen Aufwärts- trend in ihrer Ertragsentwicklung zu etablieren wie wir ihn – wenn auch unter Schwankungen (siehe Grafiken) – über rund eineinhalb Jahrzehnte hinweg bis etwa 2006 gesehen haben, erscheint angesichts des heutigen Branchenumfelds zumindest sehr frag- lich. Im laufenden Jahr werden die Unter- nehmen jedenfalls bei anhaltendem Erlösdruck nochmalige Gewinnrück- gänge hinnehmen müssen. Dabei wird RWE wohl 2014 beim nachhaltigen Nettoergebnis deutlich kleinere Bröt- chen backen als im Vorjahr. Fast zum Stillstand kommen dürfte der Druck aufs Betriebsergebnis vielleicht bei EnBW, die sich allerdings 2013 schon als extrem margenschwach erwiesen hatte. Eine allgemeine Wende zum Bes- seren könnte dann vielleicht ab 2015 gelingen. Immerhin: Die Kostensen- kungsprogramme laufen weiter, und der Druck auf die Durchschnittserlö- se dürfte allmählich nachlassen. Ob damit allerdings schon der Einstieg in eine nachhaltige Wende für die Er- tragskurve der führenden Branchen- vertreter geschafft sein wird, lässt sich bislang kaum verlässlich abschätzen. Viele Anteilseigner wären wahrschein- lich schon fürs Erste zufrieden, wenn sich die Ertragslage mittelfristig auf einem Niveau stabilisierte, das die für 2013 teilweise sehr deutlich gekürzten Dividendenniveaus für die nächsten Jahre abzusichern vermag.  -5 -4 -3 -2 -1 0 1 2 3 4 5 6 7 8 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 (31.05.) Gewinn je Aktie in Euro (Werte für 2014 sind geschätzt) Grafik:E&M 0 20 40 60 80 100 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 (31.05.) RWE (Kurse der Stammaktien) Eon (bis 1999 Kurse der Vorgängergesellschaft Veba) EnBW (bis 1996 Kurse der börsennotierten Vorgängergesellschaft Badenwerk) Aktienkurse jeweils zum Jahresultimo in Euro RWE (bis zum Jahr 2000 Jahresabschlüsse jeweils zum 30.06.) Eon (bis 1999 Daten der Vorgängergesellschaft Veba) EnBW (bis 1996 Daten der börsennotierten Vorgängergesellschaft Badenwerk) enovos.euWir sind ein starker Partner für Stadtwerke- und Industriekunden. Die Versorgung von Stadtwerken mit Strom und Erdgas ist längst mehr als der klas- sische Vertrieb. Wir sehen uns als Dienstleister, der bei der Energie-Beschaffungsstrategie berät oder eine Beteiligung an regenerativen Projekten er- möglicht, die ein Stadtwerk allein nicht realisieren könnte. Energie für heute. Mit Verantwortung für morgen. „Stadtwerke profitieren von einem starken Partner wie Enovos.“ _ Dietmar Canis, Geschäftsführer der Stadtwerke GmbH Bad Kreuznach enov-0102 Image Canis 210x148,5.indd 1 31.03.14 17:35

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