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Energie & Management, Ausgabe 13, 2014

1. Juli 2014 35ENERGIEHANDEL Beratung, Prozess-Services und IT-Operations – wir bieten individuelle IT-Lösungen ganz nach Bedarf. Mit Sicherheit zuverlässig! Sprechen Sie uns an, wir beraten Sie gerne. items GmbH / Hafenweg 7 / 48155 Münster www.itemsnet.de ZUVERLÄSSIGER IT-SERVICE NACH MASS? WIR LIEFERN LÖSUNGEN! trieb an Endkunden interessiert als am Großhandel im Allgemeinen oder gar am Börsenhandel im Besonderen. So tauchten zwischen der Eon Trading GmbH und der DB Energie GmbH Namen auf wie DSA Deutsche Strom AG, KaWatt, Best Energy oder Deutsche Energy One. Alle vier sind Geschichte, genauso wie die Deutsche Verbund- gesellschaft, die 2001 nach 53-jähriger Existenz im Verband der Netzbetreiber aufging. BaKred wird auf die Branche aufmerksam In den Anfangstagen der Liberalisierung hatten sowohl Vertriebsgesellschaften als auch diejenigen, die „richtigen“ Großhandel betreiben wollten, ein gra- vierendes Problem: Was ist der Preis? „Es gab zunächst keine Preissignale beispielsweise in Form eines Referenz- preises. Diesen erhoffte man sich später von einer Börse“, erinnert sich Tobias Federico, Geschäftsführer von Energy Brainpool, der im Frühjahr 1998 kurz nach Beendigung seines Studiums als Berater bei PriceWaterhouseCoopers in die Energiewirtschaft eingestiegen war. Doch von einer Strombörse mit transparenter Preisbildung existierte zu diesem Zeitpunkt nur eine vage Vorah- nung, nicht zuletzt, weil man sich noch vor dem Hintergrund vonVerbändever- einbarungen über einen börsentaug- lichen Netzzugang den Kopf zerbrach. Preissignale setzen, Absicherungsge- schäfte über Terminkontrakte ermög- lichen, das Kredit- beziehungsweise das Gegenparteirisiko über Clearing-Ban- ken eliminieren – die Erwartungen an einen institutionalisierten Handelsplatz waren vielfältig. In dieser Zeit machte Preussen Elek- tra Nägel mit Köpfen. Am 18. Dezember 1998 eröffnete der Verbundkonzern seinen Trading Floor, nachdem zuvor schon Heinz-Dieter Waffel, der sich beim größten öffentlichen US-Strom- versorger Tennessee Valley Authority seine Sporen im Energiehandel ver- dient hatte, in den Konzernvorstand nach Niedersachsen berufen worden war. „Der Handels-Hammer aus Han- nover“ titelte Energie & Management am 15. Januar 1999, als schließlich die Ankündigung erfolgte, im Frühjahr 1999 den Central European Electricity Index regelmäßig mit dem Dow Jones zusammen zu veröffentlichen. Weitere Werte folgten, wie beispielsweise der Electricity Index South des Bayernwer- kes. Doch es waren nur erste Versuche. Für den Großhandel taugten sie als Leitplanken nur bedingt. Nicht zuletzt die Dominanz von Preussen Elektra und Bayernwerk in ihren jeweiligen Netzgebieten hielten das Vertrauen der Marktteilnehmer in die Verlässlich- keit der Indizes auf sehr überschau- barem Niveau. Selbst der Vorreiter, der Swiss Electricity Price Index für kurzfristig gehandelten Strom auf der Höchstspannungsebene am Schweizer Lieferort Laufenburg, war nur von be- grenzter Aussagekraft, weil regional auf den Alpenraum bezogen. Immer lau- ter wurden daher die Rufe nach einer Börse.Vorbilder gab es genug. Die New York Mercantile Exchange hatte 1996 den Handel mit Strom-Futures und -Optionen begonnen und im gleichen Jahr war die Nordpool in Oslo als Börse für Skandinavien gestartet. An der APX in Amsterdam wurden immerhin am 25. Mai 1999 die ersten Spot-Kontrakte gehandelt. In Deutschland war zu die- sem Zeitpunkt eine Börse noch in wei- ter Ferne, auch wenn am 10. Juni 1999 ein Projektbeirat ausVertretern derVer- einigung deutscher Elektrizitätswerke und des Verbandes der industriellen Energie- und Kraftwirtschaft der deut- schen Energiewirtschaft vorgeschla- gen hatte, die Deutsche Börse AG mit ihrem Konzept der European Ener- gy Exchange (EEX) mit dem Aufbau eines Handelsplatzes zu beauftragen. Während die Rheinisch-Westfälische Börse in Düsseldorf und die Warenter- minbörse in Hannover enttäuscht die Segel strichen, verfolgte die Initiative der Sachsen LB in Leipzig mit Carlhans Uhle an der Spitze jedoch trotzig wei- ter ihr Spotmarktkonzept. Die Leipzig Power Exchange startete tatsächlich am 14. Juni 2000 mit dem Handel, der allerdings gleich wegen einer Software- panne wieder unterbrochen werden musste. Es war übrigens auch der Tag, an dem die Bundesregierung und RWE, Veba, Viag sowie EnBW ihren Atom- konsens unterzeichneten. Knapp zwei Monate später stellte dann die EEX in Frankfurt ihre Spothandelsplattform den Marktteilnehmern zurVerfügung. „Kurz nach der Liberalisie- rung war Trading einfach sexy“ Zuvor hatten sich die Börsenbetreiber eifrig in der Frage gestritten, ob der Spotmarkt die Henne und der Termin- markt das Ei ist, oder umgekehrt. Dabei wurde das Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen (BaKred), die heutige Bun- desanstalt für Finanzdienstleistungs- aufsicht (BaFin) heißt, erstmals auf die Branche aufmerksam, die sich so eifrig anschickte, die Gepflogenheiten der Finanzwirtschaft zu übernehmen. „Eine Pressemitteilung der damaligen Frankfurter EEX war der eigentliche Auslöser“, berichtet Ines Zenke, Rechts- anwältin und Partnerin der Kanzlei Be- cker Büttner Held in Berlin. Daraufhin habe das BaKred ein Rundschreiben verfasst und den Marktteilnehmern zu verstehen gegeben, dass die bisheri- gen Überlegungen schnurstracks zur Aufsichtspflicht führten. Eine denk- würdige Informationsveranstaltung habe sich angeschlossen, bei der eine Vertreterin des BaKred regelrecht aus- gebuht wurde, nachdem sie erklärt hatte, jeder, der aufsichtspflichtige Ge- schäfte tätige, ohne eine Finanzdienst- leisterlizenz vorweisen zu können, mache sich strafbar. Insbesondere über einen Arbeitskreis, den Ines Zenke mit initiierte und der heute noch als Energy Commodities Traders Group existiert, gelang schließlich eine Annäherung an die nun als BaFin firmierende Behör- de. Ein ebenso denkwürdiger Auftritt deren Präsidenten Jochen Sanio auf der E-World 2004, brachte schließlich in wesentlichen Punkten Klarheit, so dass im Zuge der damals neuen Richt- linie 2004/39/EG des Europäischen Parlamentes und des Rates über Märkte für Finanzinstrumente (MiFiD) für die Energiewirtschaft einige Ausnahmen von der Aufsicht festgelegt wurden, beispielsweise für Termingeschäfte mit physischer Erfüllung. Energiebörsen weltweit (Stand ) Amsterdam Power Exchange (APX) Argentina Wholesale Electricity Market (CAMMESA) California Automated Power Exchange (APX) California Power Exchange (CALPX) Chicago Board of Trade (CBoT) New Sou󿿨 Wales State Electricity Market (NSW SEM) New York Mercantile Exchange (NYMEX) New Zealand Electricity Market (EMCO) Nordic Power Exchange (Nordpool) Quelle:eigeneRecherche E&M: Herr Forster, mit der Wacker-Chemie in Burghausen haben Sie einen großen Kunden im Wettbewerb verloren – weil Ihr Strom zu teuer war? Forster: Wir verlieren dort unausweichlich Ab- satz, weil in jedem Fall eine weitere Eigen- erzeugung auf Gasturbinenbasis geplant war. Die Frage war nur, wer die Anlage baut, und da ist nun IVO zum Zuge gekommen; nicht unbedingt weil sie kostengünstiger waren. Wir sehen, daß bei Kunden durch- aus Anreiz besteht, es einmal mit einem neuen Mitspieler am Markt zu probieren. E&M: Das Bayernwerk hatte schon vor- her Strom von Vasa Energy zu Wacker durchgeleitet, lag das auch nicht am Preis? Forster: Es hat sich um revisionsbe- dingten Zusatzstrom gehandelt, und da hat Vasa ein besseres Angebot abgegeben. So- weit ich weiß, war das der erste Durchlei- tungsfall in Deutschland in dieser Größen- ordnung, wobei wir mittlerweile rund 100 Durchleitungsangebote an verschiedenste Interessengruppen abgegeben haben. Wir gehen da sehr konstruktiv vor und tun al- les, damit die Durchleitung diskriminie- rungsfrei behandelt wird. E&M: Dazu würde auch gehören, daß Sie Ihre Durchleitungsgebühren veröffent- lichen.. Forster: Ihre Kritik kommt ein paar Ta- ge zu früh (das Interview fand Ende Novem- ber statt; Anmerkung der Redaktion), denn wir werden noch im Dezember für alle un- sere Konzernunternehmen die Durchlei- tungsentgelte bis hin zur Niederspannung im Internet veröffentlichen. E&M: Ein paar wenige Unternehmen haben schon veröffentlicht und trotzdem gibt es noch Kritik zum einen an der geltenden Verbände- vereinbarung und zum anderen an der fehlenden Transparenz der ver- öffentlichten Durchleitungsentgelte. Se- hen Sie nicht auch Schwachpunkte an der Vereinbarung und wäre eine Netzzu- gangsverordnung nicht doch der bessere Weg? Forster: Solange wir bezahlt bekom- men, was unser Netz kostet, solange habe ich auch kein Problem mit einer Regulie- rung. Wenn ich von Netzkosten spreche, so ist für uns ganz klar, daß wir uns dabei einer europäischen Benchmark stellen müssen. Grundsätzlich aber bin ich der Meinung, daß freiwillige Lösungen immer besser sind als die Regulierung. Die Verbändeverein- barung ist nicht ganz einfach, das gebe ich gerne zu, und deshalb wird sie auch noch ver- bessert werden. E&M: Ein wesentli- cher Kritikpunkt ist die Entfernungsabhängig- keit, auf der gerade die Verbundunterneh- men beharren. Forster: Die Entfernungsabhängigkeit wird zu unrecht in den Vordergrund ge- stellt. Erstens ist sie relativ moderat, und zum zweiten ist sie auch sinnvoll, weil es ei- nen Zusammenhang gibt zwischen dem Transport über große Entfernungen und dem Entgelt für die Inan- spruchnahme der Netze. Wir ha- ben in Deutschland immer dar- auf geachtet, daß wir relativ ver- brauchsnah erzeugen. Das ist doch ein Indiz dafür, daß die Entfernungs- abhängigkeit ein Thema ist. E&M: Es kann auch ein Indiz dafür sein, daß Sie ausländische Anbieter vom Markt fernhalten wollen.... Forster: Das ist keine Abwehr gegen- über dem Ausland, und ich stelle auch fest, daß ausländische Anbieter durchaus in der Lage sind, in Netzkoppelpunkten anzulie- fern, die nahe am Kunden liegen. E&M: Ihr Unternehmen ist an einer Konzeptstudie für die Einrichtung einer Strombörse beteiligt. Börse und Entfer- nungsabhängigkeit passen nicht zusam- men, da sind sich die Experten doch einig.... Forster: Vielleicht wird ein Börsenpreis übersichtlicher, wenn es keine Entfer- nungsabhängigkeit gibt; ob das auch richti- ger ist, das lasse ich mal dahingestellt. Vom Grundsatz glaube ich, daß die Ent- fernung am Ende kein Problem macht, denn auch bei einer Börse lassen sich meh- rere Standorte handeln. Ich kann etwas lo- co Hamburg oder loco Frankfurt oder loco Schweizer Grenze anbieten, und es gilt auch hier, daß nicht immer im Leben das Einfachste auch das Beste ist. E&M: Während BDI, VIK und auch die Politik den Weg zur Börse pushen, hat man bei Ihrer Dachorganisation VDEW den Ein- druck, daß eher zögerlich an die Sache herangegangen wird. Forster: Die Umsetzung ist ja auch Sa- che der unmittelbaren Marktteilnehmer. Es 22 Wettbewerb E&M-Jahresmagazin 1999 ”Vorsprünge gegenüber Wettbewer- bern ver- schaffen“ „Bei den Netzkosten müssen wir uns einer europäischen Benchmark stellen“ „Aggressivität ist kein Gütesiegel“ INTERVIEW Interview mit Klaus Forster, Mitglied des Vorstandes der Bayernwerk AG, zuständig für Vertrieb. Klaus Forster: „Wir sind an einem florie- renden Stromhandel sehr interessiert“ ENERGIEMARKT 1999 Der Börsenhandel hatte noch nicht richtig begonnen, da erlebte der Markt allerdings schon sein erstes einschnei- dendes Ereignis: die Enron-Pleite. Kahnt war damals der Ansicht: „Wenn der Markt das überlebt, dann hat er seine Feuertaufe bestanden, da es kaum ein Geschäft gab, an dem Enron damals nicht beteiligt war.“ Der Markt hat überlebt, und auch die meisten der Enron-Mitarbeiter in Europa, die sich aufgrund der Machen- schaften der Konzernverantwortlichen in Houston nach neuen Jobs umsehen mussten, sind in der Energiewirtschaft geblieben und haben den Energiemarkt über die Jahre mitgestaltet. Fortsetzung auf Seite 38

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