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Energie & Management, Ausgabe 13, 2014

1. Juli 2014 - Reparatur-, Wartungs- und Umbaumaßnahmen - Laufende Instandhaltung - Montage und Demontage - 24-Stunden Bereitschaft - Koordination von Fremdgewerken - Lieferung von Ersatzteilen und Austauschkomponenten - Technische Beratung - Projekt Engineering BORSIG Service GmbH Egellsstraße 21, 13507 Berlin Tel.: 030 / 4301-01, Fax: 030 / 4301-2771, E-mail: info@bs.borsig.de www.borsig.de/bs W e will let you have a steam engine at no charge. […] We gua- rantee you that the coal for the machine will cost less than you must currently spend on fodder for the horses.[…] And all we ask of you is that you give us one third of the money you are saving.“ [Zugeschrieben: James Watt (1736 bis 1819)]. Mit diesem bisher nirgendwo be- legten Zitat feiert die Branche – wohl schon lange voneinander abschreibend − JamesWatt nicht nur als den genialen Erfinder der Dampfmaschine und der Leistungseinheit der Pferdestärke (was nahe lag, da Pferde durch die Dampf- maschine ersetzt wurden), sondern auch des Contractings. Innovation und Effizienz wurden über ein Geschäfts- modell mit garantierter Kostenein- sparung in den Markt gebracht – das klingt genial einfach und überzeugend, war es aber in der Realität leider nie! Immerhin wäre dann dieses Geschäfts- modell sogar über 200 Jahre alt. Fakt ist, dass die Maschinenfabrik Boulton and Watt an der Zahlungsmoral ihrer Kunden bei diesem garantierten Ein- sparungsmodell (ein Drittel der jährli- chen Einsparung von 25 000 Pfund pro Jahr) beinahe Pleite gegangen wäre und deshalb zurVorauszahlung in bar überging. Erst jetzt ging es wirtschaftlich auf- wärts! In Deutschland star- tete das Geschäftsmo- dell in den 80er Jahren. Hier wurden Ideen des amerikanischen Perfor- mance Contractings über- nommen. In erster Linie handelte es sich um die Optimierung der Wärme- versorgung von Gebäu- den. Das erste öffentliche Contracting führte das Land Baden-Württemberg Mitte der 1980er mit der Firma LTG 3E durch. Ende der 1990er Jahre wur- den dann auch komplexere Vorhaben im industriellen Umfeld entwickelt, die zu den ersten echten Outsourcings der Energieversorgung kompletter Indus- trieliegenschaften unter Einbeziehung aller wesentlichen Nutzenergien und Medien (Dampf, Wärme, Kälte, Druck- luft, Reinstwasser et cetera) führten. Heute ist der Markt mit einem von der Prognos geschätzten Volumen von 4 Mrd. Euro längst kein Nischenmarkt mehr. Seine erste institutionelle Festi- gung und damit aus damaliger Sicht einen großen Fortschritt erfuhr das Contracting – bis dahin ein eher schillernder Begriff – in Deutschland vor gut zehn Jahren. Im November 2003 wurde mit der DIN 8930 („Käl- teanlagen und Wärmepumpen Teil 5 Contracting“) erstmalig eine Defini- tion der Begrifflichkeiten vorgelegt. Interessanterweise wurde diese Norm vom Arbeitsausschuss AA 2 „Termino- logie“ des Normenausschusses Kälte- technik (FNKä) erarbeitet. Der Begriff der Energieeffizienz als Kernpunkt des Geschäftsmodells taucht hier an keiner Stelle auf. Auch darüber hinaus ist die Norm in vielerlei Hinsicht über- holungsbedürftig. Contracting gehört sicherlich nicht nur in den Bereich der Kältetechnik und Wärmepumpen. Die Grenzbereiche zu anderen Geschäfts- feldern sind weitgehend unklar ge- blieben. So trifft die Beschreibung des technischen Anlagenmanagements eher den Tatbestand des technischen Facility Managements; das so genannte Finanzierungscontracting hat mit dem Geschäftsmodell eigentlich nichts zu tun und bildet den Kern eines dauer- haften Missverständnisses im Markt. Ein Boom durch die Energie- wende ist nicht erkennbar Contractoren sind Energie(effizienz) dienstleister und keine Finanzdienst- leister. Konsequenterweise sind daher auch elementare Fragen der Risiko- verteilung zwischen den Vertragspart- nern oder der Bilanzierung der vorgenommenen Effizienz- investitionen in keiner Weise betrachtet. Die Verschärfung der internationalen Bilanzie- rungsregeln IAS (International Accounting System) und US- GAAP (United States Gene- rally Accepted Accounting Principles) in den folgenden Jahren machten endgültig alle Vorstellungen zunichte, der Contractingnehmer habe nichts mit der erforderlichen Investi- tion zu tun (Off-balance). Übriggeblieben ist der Kern des Geschäfts: Ein Contrac- tor trägt in vertraglich unter- schiedlicher Gestaltung und Tiefe die Risiken einer von ihm garantierten Effizienzsteigerung, des rechtssiche- ren Betriebes und der erforderlichen Zuverlässigkeit (Reliability) der von ihm übernommenen, optimierten und betriebenen Anlagen und Prozesse. Er trägt keine Preis- oder Ausfallrisiken. Finanzierung ist eine zusätzliche und andersartige Dienstleistung, die in der Regel durch einen Finanzdienstleister, gegebenenfalls vermittelt über den Contractor, vor dem Bonitätshinter- grund seiner Kunden erbracht wird. Off-balance-Finanzierungen sind in- zwischen die absolute Ausnahme. Die Hoffnungen der Branche auf einen Boom des Geschäftsfeldes durch die deutsche Energiewende mit der wichtigen Säule Energieeffi- zienz haben sich bisher nicht erfüllt. Zu groß sind die inneren politischen Widersprüche (unter anderen EEG und KWK, Mietrecht) und fehlende politische Initiativen sowie die Vorbe- halte im öffentlichen Raum, die sogar zu einem weitgehenden Erliegen des öffentlichen Contractings geführt haben. Es gibt also weiterhin viel zu tun. Außerdem ist es gut, dass eine Zeit- schrift wie E&M diese Prozesse seit 20 Jahren immer kritisch und positiv begleitet hat. Unabhängiger Journa- lismus der feinen Sorte ist im Markt keine Selbstverständlichkeit. Herz- lichen Glückwunsch.   * Dr. Jobst Klien war dreizehn Jahre Geschäfts- führer der Spie Energy Solutions (vormals Hochtief Energy Management, Vattenfall Europe Contracting und HEWContract) und ist heute bei der Spie GmbH zuständig für Innovation, Politik und Verbände. Er ist außerdem Sprecher des Industriecontracting-Verbandes ESCO Forum im ZVEI Energieeffizienz und Contracting - 20 Jahre und mehr Trotz vieler Erfolge ist Contracting noch immer kein gängiges Geschäfts- modell. Jobst Klien* beleuchtet die Gründe dafür. Jobst Klien: „Es fehlen politische Initiativen“ Große Schwämme Im Jahr 1988 organisierte der Schreiber dieser Zeilen den vermutlich ersten großen Contracting-Kongress in Deutschland. Die Energiewirtschaft konnte mit diesem Begriff wenig anfangen − es ging darum, Grundlagen zu vermi󿿷eln und erste Geschäftsmodelle vorzustellen. Die Referenten bekamen als Geschenk Naturschwämme: Je klarer der Vortrag war, desto kleiner der Schwamm und umgekehrt. Es wurden viele große Schwämme verteilt. 30 CONTRACTING Contractingvorträge 1988: kleine Schwämme, klare Gedanken Bild:Shutterstock.com,Thirteen Bild:E&M

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