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Energie & Management, Ausgabe 13, 2014

1. Juli 2014 27KWK Intelligente Lösungen zur Stromerzeugung Mitsubishi Hitachi Power Systems Europe liefert moderne und wirtschaftliche Produkte. Wir bauen und erneuern Kraftwerke. Wir kümmern uns um vorausschauenden Service. Unsere grünen Technologien, etwa zur Energie- speicherung oder im Bereich Biomasse, sind weitere Beispiele für Innovation und Zuverlässigkeit. Intelligente Lösungen zur Stromerzeugung benötigen neben Know-how auch Erfahrung. Natürlich beides bei uns verfügbar. Seit über hundert Jahren. Mitsubishi Hitachi Power Systems Europe GmbH ist die Nachfolgegesellschaft der Hitachi Power Europe GmbH Know-how braucht Erfahrung www.eu.mhps.com F ür die Versorgung der drei Wohngebäude der Siedlungsbau Neckar Fils in der Sudetenstra- ße in Göppingen hat die RES, eine Tochter der Energieversorgung Filstal und der Alb-Elektrizitätswerk Geislin- gen, ein besonderes Leistungspaket geschnürt, das für den Vermieter und die Mieter wirtschaftliche Vorteile mit einem Klimaschutzbeitrag verbindet. Die technische Basis des Konzeptes ist ein mit Erdgas betriebenes Block- heizkraftwerk der dänischen EC Pow- er mit 13 kW elektrischer und 29 kW thermischer Leistung. Gewählt wurde das Fabrikat, das seine Leistung zwi- schen 30 und 100 % modulieren kann, wegen seines sehr leisen Betriebes, der langen Wartungsintervalle und sei- ner hohen Zuverlässigkeit. Durch den Einbau eines zusätzlichen Abgaswär- metauschers zur Brennwertnutzung wurde die Wärmeleistung um 2,5 kW gesteigert und damit der Brennstoff- nutzungsgrad auf rund 96 % erhöht. Der Brennwertwärmetauscher ist di- rekt in den Rücklauf des BHKW ein- gebunden. Damit passt sich der durch den Wärmetauscher geführte Wasser- strom der aktuellen BHKW-Leistung automatisch an, eine zusätzliche Re- gelung ist nicht nötig. Für eine zur Brennwertnutzung ausreichend niedrige Rücklauftem- peratur sorgen die von der dänischen Redan gelieferten kompakten Über- gabestationen in den drei versorgten Gebäuden. Über sie wird auch die be- darfsgerechte Lieferung von Warm- wasser nach dem Durchflussprinzip realisiert. Dabei wird Trinkwasser erst unmittelbar vor Entnahme auf die er- forderliche Temperatur erwärmt, wo- mit lokale Warmwasserspeicher und problematische Zirkulationsleitungen vermieden werden. Dies senkt nicht nur Bereitstellungsverluste, sondern ist gleichzeitig der derzeit beste Schutz vor einer Legionellenbildung. Zusätz- lich wurde in die Stationen auch die Trinkwasserbereitstellung integriert. Diese Schaltung hat sich die RES als Gebrauchsmuster schützen lassen, ein Patentantrag ist inzwischen ein- gereicht. Die Einbeziehung der Trinkwasser- versorgung spart Installationskosten, doch sie bringt für die Kunden vor allem fiskalische Vorteile: Die Wasser- lieferung unterliegt lediglich dem für Lebensmittel gültigen Mehrwertsteu- ersatz von 7 %. Dieser kann nun – statt der sonst üblichen 19 % – auch auf die Warmwasserrechnung aufgeschlagen werden, bei der die Kaltwasser- und die Erwärmungskosten addiert werden. Die Abrechnung des Abwassers mit den Mietern, die die RES dem Haus- eigentümer ebenfalls abnimmt, kann sogar ohne Mehrwertsteuer erfolgen, da der Contractor dafür die Funktion eines Hausverwalters ausübt. Die Wärmelieferung ist vertraglich so gestaltet, dass eine Kostenumla- ge auf die Mieter entsprechend der Heizkostenverordnung erfolgen kann, wobei der Vermieter separat die Kos- ten für die Bereitstellung der Heizung trägt. Vertragspartner der RES für die Lieferung von Wasser und Heizwärme ist die Wohnungsgesellschaft, wobei der Contractor die Wärmemessung und Abrechnung für die einzelnen Wohnungen mit übernimmt. Komplizierter sind die Vertragsver- hältnisse für den im BHKW erzeugten Strom: Der erste Kunde ist die Woh- nungsgesellschaft, die so den Bedarf an Gemeinschaftsstrom deckt. Dank günstiger Strompreise, die durch das Konzept der Komplettversorgung kalkuliert werden können, konnte die RES auch die Mehrheit der Mieter als Stromkunden gewinnen und ist über- zeugt, auch die restlichen noch zu überzeugen. Damit kann die weniger lukrative Überschusseinspeisung in das Netz der allgemeinen Versorgung minimiert wer- den. Für die Verteilung des BHKW-Stro- meswerdendieelektrischenLeitungen innerhalb der Gebäude genutzt, die rechtlich als Kundenanlagen gelten. Zwischen den von der RES versorg- ten Kunden und den Wohneinheiten, die ihren Strom noch „von außen“ beziehen, wurde im Hausverteiler die so genannte galvanische Trennung realisiert, so dass bei einem Versorger- wechsel nur der entsprechende Zähler umgeklemmt werden muss. Gegen diese Versorgungsvariante hatte sich zuerst die Energie Baden-Württem- berg (EnBW) als der lokale Netzbetrei- ber gewehrt, sie letztlich aber hinge- nommen. Die für die Versorgung der Gebäude nötigen Verteilnetze wurden während einer Sanierung der Wohnhäuser im Sommer 2007 installiert, das BHKW – zusammen mit einem Wärmespeicher sowie einem 60-kW-Brennwertgaskes- sel von Viessmann zur Reserve- und Spitzenlastdeckung–ineinerfrüheren Waschküche untergebracht. Seit Mitte September 2007 läuft das BHKW, das von der RES-Zentrale fernüberwacht wird, ohne nennenswerte Störungen. Für den Contractor amortisiert sich die Investition für die Energiezentra- le von insgesamt 70 000 Euro nach acht Jahren, wobei für das BHKW ein Grundlastbetrieb mit 4 000 Volllast- stunden im Jahr kalkuliert wurde. Die versorgten Mieter profitieren von günstigen Preisen für die Wärme- und Stromlieferung, die Wohnungsgesell- schaft hat dank Contracting nicht nur Kosten gespart, sondern auch Investi- tions- und Betriebsrisiko vermieden. Hinzu kommt ein gegenüber getrenn- ter Strom- und Wärmebereitstellung um 30 % geringerer CO2-Ausstoß. Zum Klimaschutz beigetragen hat auch die vorangegangene energetische Sanierung der Wohngebäude. Dabei hatte der Gebäudeeigentümer wegen des niedrigen Primärenergiefaktors der BHKW-Wärmeversorgung von nur 0,5 – durch den hohen Anteil der Kraft-Wärme-Kopplung an der Wär- mebereitstellung bedingt – die Vor- aussetzungen für umfassende KfW- Förderung (KfW60) mit der üblichen Wärmeisolierung erreicht. Zusätzli- che technische Maßnahmen wie etwa der Einbau von Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung waren nicht nötig. Nun kann die Siedlungsbau Neckar Fils für die Gebäude in der Sudetenstraße im Energiepass einen doppelten Vorteil ausweisen: niedrige Verbrauchswerte und effiziente Ener- giebereitstellung. E&M 19KWK kompaktENERGIE & MANAGEMENT · 15. JANuAR 2008 Die Rationelle Energie Süd GmbH (RES) versorgt Mieter in 25 Wohnungen in Göppingen mit Strom und Wärme aus einem Block- heizkraftwerk (BHKW), wozu ein technisch und kommerziell optimiertes Konzept realisiert wurde. JAN MÜHLSTEIN Fiskalische Vorteile durch integrierte Wasserlieferung Standort: Vier Wohngebäude der Siedlungsbau Neckar Fils in der Su- detenstraße in Göppingen Betreiber: Rationelle Energie Süd GmbH (RES), Geislingen Besonderheit: Technisch und kom- merziell optimiertes Contracting-Kon- zept mit BHKW-Energieerzeugung Anlage: Erdgas-BHKW Typ XR- GI 13G-TO der EC Power (13 kWel, 29 kWth) mit einem zusätzlichen Brennwertwärmetauschermit2,5 kW Wärmeleistung Wirtschaftlichkeit: Investitions- kosten rund 70 000 Euro, Amortisa- tionszeit 8 Jahre Umweltschutz: Spezifischer CO2- Ausstoß knapp 200 g/kWh KWK- Strom (GuD-Benchmark 365 g/kWhel) Auskunft: Bernhard Grunwald, Tel. 0 73 31 / 95 29 10 info@res-online.de Die Anlage auf einen Blick Komplett-Versorgung B H K W d e s M o n at s Energieeffizienz und Klimaschutz: Ein 13-kW-BHKW von EC Power versorgt mit Strom und Wärme zwei Wohngebäu- de in Göppingen Bild:RES Bild:RES Zustimmung des Verlages und on Abbildungen –, Vervielfälti- e oder im Magnettonverfahren, rung in Datenverarbeitungsan- erboten. aft mbH, Herrsching 2008 Standort: vier Wohngebäude der Sied- lungsbau Neckar Fils in der Sudetenstraße in Göppingen Betreiber: Rationelle Energie Süd GmbH (RES), Geislingen Besonderheit: technisch und kommerziell optimiertes Contracting-Konzept mit BHKW-Energieerzeugung Anlage: Erdgas-BHKW Typ XRGI 13G-TO der EC Power (13 kWel, 29 kWth) mit einem zusätzlichen Brennwert-Wärmetauscher mit 2,5 kW Wärmeleistung Wirtschaftlichkeit: Investitionskosten rund 70 000 Euro, Amortisationszeit 8 Jahre Umweltschutz: spezifischer CO2-Ausstoß knapp 200 g/kWh KWK-Strom (GuD- Benchmark 365 g/kWhel) Jan Mühlstein M it der ruhigen Lage auf einer Anhöhe am Rand eines Kur- und Wintersportortes mitten im Nationalpark Harz wirbt das Mari- tim Berghotel Braunlage um Gäste. Der Gebirgsstandort 700 m über Mee- reshöhe ist allerdings auch eine „kalte Ecke“, was die ohnehin nicht niedrige Energierechnung der Nobelherberge mit ihren 309 Betten, einem Außen- und Hallenschwimmbad sowie einem Spa-Bereich mit Sauna- und Solarium zusätzlich belastet. Für das Blockheizkraftwerk, das die Essener favis GmbH als Contrac- tor in dem Berghotel Ende Juli in Be- trieb genommen hat, sind die langen Harz-Winter aber ein Vorteil, weil sie eine gute Auslastung der Anlage er- möglichen. Das mit einem MAN-Gas- motorausgerüsteteBHKW-Modulder Sokratherm GmbH & Co. KG Ener- gie- und Wärmetechnik aus Hidden- hausen, das nach einer begrenzten Ausschreibung Anfang 2009 ausge- wählt wurde, hat in Braunlage − eine wegen der extremen geodätischen Höhe − eine von 140 auf 130 kW re- duzierte elektrische Leistung. Die Wärmeleistung beziffert der Herstel- ler mit 201 kW, den elektrischen Wir- kungsgrad mit 35 Prozent und den gesamten Brennstoffnutzungsgrad mit 91 Prozent. Mit diesen Leistungsdaten haben die Ingenieure des Energiedienst- leisters anhand der aus der Gas- versorgung bekannten stündlichen Lastkurven einen jährlichen BHKW- Einsatz von mindestens 6 000 Voll- lastbetriebsstundenberechnet.Damit wird das BHKW rund 40 Prozent des Wärmebedarfes des Objektes decken. Den Rest liefert weiter der vorhande- ne Gaskessel, den die favis vom Hotel gemietet hat. Der Energiedienstleis- ter war bereits vor der Installation des BHKW der Nutzwärmelieferant; einen diesbezüglichen Rahmenver- trag hat die favis schon 2005 mit der Maritim-Gruppe geschlossen. Deren 44 Hotels in Deutschland beraten die Essener außerdem bei der Strombeschaf- fung und bei Fragen der Optimierung der Energietechnik. Der in dem Braun- lager BHKW mitpro- duzierte Strom wird weitgehend im Haus verbraucht und kann daher mit den vermiedenen Bezugskosten bewertet werden. Nur geringe Über- schüsse werden für die vom KWK- Index der Leipziger Strombörse EEX abhängige Einspeisevergütung ans Netz abgegeben. Ob die KWK-Anlage gegenüberdergetrenntenVersorgung nicht nur höhere Energieeffizienz er- reicht, sondern auch wirtschaftlich ist, hängt stark von der unsicheren Entwicklung der Strom- und Gas- preise ab. Dieses Risiko abzufedern, hilft das no- vellierte KWK-Gesetz, mit dem seit 1. Januar auch für den eigengenutzten KWK- Strom dem BHKW-Betrei- ber ein Bonus zugestanden wird. Die Förderung, die der Netzbetreiber sechs Jahre lang, maximal aber für 30 000 Volllastbenut- zungsstundenzahlt,beträgt 5,11 Ct/kWh für die ersten 50 kW und 2,1 Ct/kWh für die restlichen 80 kW elektri- scher Leistung des BHKW. So kann der Contractor davon ausgehen, dass sich die Netto-Investition von 140 000 Euro in etwa fünf Jahren amortisieren wird. Gleichzeitig kann das Berghotel im Rah- men des auf 15 Jahre geschlossenen Con- tractingvertrages sei- ne Energiekosten um rund zehn Prozent reduzieren. Erstdieveränderten Rahmenbedingun- gen, zu denen neben dem neuen KWK- Gesetz auch der von der favis bei der Gasbeschaffung kon- sequent genutzte begonnene Wett- bewerb der Anbieter gehört, haben das KWK-Projekt ermöglicht. Noch 2006, als ein im Berghotel eingesetz- tes BHKW nach fast 80 000 Betriebs- stunden das Ende seiner Lebensdauer erreicht hatte, erschien eine General- überholung oder ein Austausch des alten Moduls nicht wirtschaftlich. Der Aufstellplatz der stillgelegten Vor- gängeranlage mit den notwendigen Wärme-, Strom-, Gas- und Abgasan- schlüssen, der für das neue Aggregat genutzt werden konnte, erleichterte aber den BHKW-Einbau erheblich. Die räumlichen Gegebenheiten kön- nen nämlich in Hotels eine für die BHKW-Nachrüstung entscheidende Hürde sein, zumal die Versorgungs- einrichtungen für die Gäste unsicht- bar und geräuschlos sein müssen. Die baulichen Restriktionen wer- den wohl auch mit darüber entschei- den, in welchen weiteren Maritim- Häusern die favis in der nächsten Zeit BHKW installieren wird. Die Leitung der Hotelgruppe räumt der Optimie- rung der Energieversorgung jeden- falls einen hohen Stellenwert ein: Mo- nika Gommolla, Gesellschafterin der Maritim Hotelgesellschaft mbH, trägt schließlich als Präsidiumsmitglied des Deutschen Hotel- und Gaststät- tenverbandes (Dehoga Bundesver- band) eine vom Umweltbundesamt geförderte „Energiekampagne Gast- gewerbe“ mit. Zu dieser gehört ein Internetauftritt, bei dem mit „Ener- gie-Sparblättern“ auch gezielt für den Einsatz von Blockheizkraftwerken geworben wird. E&M KWK kompaktENERGIE & MANAGEMENt · 15. SEPtEMBER 2009 Späte Erneuerung Erst die Anfang 2009 verbesserten Rahmenbedingungen ermöglichten, ein 2006 stillgelegtes BHKW im Berghotel Braunlage durch ein neues zu ersetzen. Standort: Maritim Berghotel Braunlage Investor und Betreiber: favis GmbH, Essen Besonderheit: BHKW-Pilotprojekt für die favis in der Maritim-Hotel- gruppe Anlage: BHKW-Modul der Sokrat- herm GmbH & Co. KG Energie- und Wärmetechnik, Hiddenhausen, mit einer wegen der Aufstellhöhe von 700 m über Meereshöhe reduzierten Leistung von 130 kWel und 201 kWth Umweltschutz: Spezifischer CO2- Ausstoß der KWK-Stromerzeugung ca. 230 g/kWh (Gud-Benchmark 365 g/kWhel) Wirtschaftlichkeit: Netto-Inves- tition von 140 000 Euro amortisiert sich in rund fünf Jahren Auskunft: Andreas Johann, tel. 02 01 / 87 78 69 319, andreas.johann@favis-gmbh.de; Jan-Paul Speer, tel. 0 52 21 / 96 21 0, j.speer@sokratherm.de Die Anlage auf einen Blick Bilder:favis Wirtschaftlichkeit durch KWK-Förderung abgesichert Erreicht 6 000 Voll- lastbetriebsstunden im Jahr: BHKW-Mo- dul von Sokratherm im Maritim Berghotel Braunlage B H K WB H K WB H K W d e sd e sd e s M o n a t sM o n a t sM o n a t s Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Ohne Zustimmung des Verlages und der Autoren sind Übersetzungen, Nachdruck – auch von Abbildungen –, Vervielfältigungen auf photomechanischem oder ähnlichem Wege oder im Magnettonverfahren, Vortrag, Funk- und Fernsehsendungen sowie Speicherung in Datenverarbeitungsanlagen – auch auszugsweise – verboten. © Energie & Management Verlagsgesellschaft mbH, Herrsching 2009 Standort: Maritim Berghotel Braunlage Investor und Betreiber: favis GmbH, Essen Besonderheit: BHKW-Pilotprojekt für die favis in der Maritim-Hotelgruppe Anlage: BHKW-Modul der Sokratherm GmbH & Co. KG Energie- und Wärmetech- nik, Hiddenhausen, mit einer wegen der Aufstellhöhe von 700 m über Meereshöhe reduzierten Leistung von 130 kWel und 201 kWth Umweltschutz: spezifischer CO2-Ausstoß der KWK-Stromerzeugung ca. 230 g/kWh (Gud-Benchmark 365 g/kWhel) Wirtschaftlichkeit: Netto-Investition von 140 000 Euro amortisiert sich in rund fünf Jahren D em ökologischen Wandel hat sich die 1997 gegründete und seit 1998 börsennotierte Solon SE als Hersteller von Solarmodulen und Anbieter von sola- ren Kraftwerken verschrieben. Diese Grundhaltung bestimmt nicht nur das Produktangebot, sondern prägte auch die Errichtung der Firmenzentrale im Wissenschafts- und Technologiepark in Berlin-Adlershof, in die die Verwal- tung Ende 2008 und die Produktion im März 2009 eingezogen sind. Dasrund47Mio.Euroteure,vondem Berliner Büro SFA Schulte-Frohlinde Architekten in Zusammenarbeit mit der Stuttgarter EGS-plan entworfene Gebäude besticht durch seine baukul- turelle Qualität sowie seine energieef- fiziente Bauweise. Dabei wurden ener- giesparende Maßnahmen, zu denen die bauphysikalisch exzellente Gebäu- dehülle, die Dreifachisolierverglasung, der Sonnenschutz mit Tageslichtlenk- funktion sowie die thermische Beton- kernaktivierung gehören, konsequent umgesetzt und auch bei den flexiblen Nutzungskonzepten berücksichtigt. Damit konnte der Energiebedarf auf rund ein Viertel des Verbrauchs in ei- nem konventionellen Bürogebäude reduziert werden. Doch auch der verbleibende Wär- me-, Kälte- und Strombedarf wird in dem Verwaltungs- und Produktions- gebäude möglichst effizient und re- generativ gedeckt. Dafür sorgen eine 210-kW-Photovoltaikanlage auf dem Dach, eine Kälteanlage und ein Bio- erdgas-Blockheizkraftwerk. ErrichtetwurdedasBHKWinKoope- ration mit dem lokalen Energieversor- ger, der BTB Blockheizkraftwerks-Trä- ger- und Betreibergesellschaft mbH, die die Anlage auch betreibt. Geliefert wurde es von der Berliner SES Ener- giesysteme GmbH, der Planer war die Gneise 66 Planungs- und Beratungs- gesellschaft mbH aus Berlin. Effiziente und regenerative Energieversorgung Die Vorgabe, das BHKW mit regene- rativen Brennstoffen zu betreiben, wird durch den „virtuellen“ Einsatz von Biogas erfüllt. Dabei wird für den Betrieb des BHKW „gewöhnliches“ Erdgas eingesetzt, für das an belie- bigen Stellen des Erdgasnetzes auf Erdgasqualität aufbereitetes Biogas eingespeist wird, und zwar so, dass die Jahresbilanz stimmt. Dann kann der in dem BHKW erzeugte Strom nach den im EEG für Biogas festge- legten Sätzen vergütet werden. Für diesen Ausgleich sorgt der Bioerd- gaslieferant, die Münchner bmp gre- engas GmbH. Abgewickelt wird über einen eigenen Bioerdgasbilanzkreis; zur Abrechnung hat der Gasnetz- betreiber, die NBB Netzgesellschaft Berlin-Brandenburg mbH & Co. KG, am BHKW einen separaten Gaszähler installiert. Die Wahl von Bioerdgas als Brenn- stoff macht es möglich, ein Standard- BHKW einzusetzen, das bei Erdgas- betrieb hohe Effizienz und eine lange Lebensdauer des Motors garantiert. Zur Einhaltung der Emissionsgrenz- werte reicht außerdem ein Dreiwe- gekatalysator. Bei Einsatz von Biodie- sel oder Rapsöl wäre der technische Aufwand für das BHKW bedeutend höher. Für das Solon-BHKW setzte die SES − wie für ihre Standardmodu- le HPC 400 N − einen 12-Zylinder- Gasmotor der MAN inV-Bauweise und einen Generator von Leroy Somer ein. Der Aufbau und die Unterbringung des BHKW sind aber − bis in die Be- musterung der Materialien, Oberflä- chen, Werkstoffe und Farben − durch die nicht alltäglichen Bauherrenvorga- ben derTransparenz und Offenheit be- stimmt. Solon ließ die Anlage nämlich nicht im Technikraum verschwinden, sondern installierte sie unweit der Fir- menzentrale sichtbar im öffentlichen Straßenraum. Dafür hat das Büro Freitag Hart- mann Sinz Architekten ein eigenes Gebäude entworfen, dessen große Glasfronten an der Ost- und Südsei- te den Blick auf Motor und Genera- tor freigeben. Deshalb musste auf Schutzhauben verzichtet werden; für die Schalldämmung sorgt allein die Betonhülle. Entsprechend den ge- stalterischen Vorgaben bestand keine Möglichkeit, Lüftungs- und Abgaslei- tungen oder Schalldämpfer auf dem Dach zu installieren. Deshalb mussten Medienleitungen in einem Kriechkel- ler und der Schalldämpfer der Zuluft in einem unterirdischen Gebäude- schacht untergebracht werden. Aus Platzgründen kann außerdem die Gemischkühlung nicht über einen Tischkühler erfolgen; das Kühlwasser wird daher zu einer 50 m entfernten Energiezentrale der BTB geführt, wo die über Plattentauscher abgegebene Wärme genutzt wird. BHKW-Wärme zum Heizen und Kühlen Das Ende 2009 in Betrieb genomme- ne BHKW mit 386 kW elektrischer und 510 kW thermischer Leistung erreicht einen Stromwirkungsgrad von 38,6 Prozent und einen Gesamt- nutzungsgrad von 89,7 Prozent. Die erzeugte Wärme wird in das Fern- wärmenetz eingespeist, das die BTB am Wissenschafts- und Technolo- giestandort Adlershof betreibt. Die- sem Netz entnimmt Solon für ihre Firmenzentrale die Wärme, die im Winter zum Heizen und im Sommer in einer einstufigen Absorptions- kälteanlage zur Erzeugung von Kli- makälte verwendet wird. Zusätzlich zu der Absorptionskälteanlage von York International, die mit Lithium- bromidlösung arbeitet, ist eine elek- trische Kompressionskältemaschine installiert, die bei Bedarfsspitzen zur Verfügung steht. Die so realisierte Kraft-Wärme- Kälte-Kopplung ermöglicht einen BHKW-Einsatz mit einer hohen Aus- lastung von jährlich rund 8 000 Voll- lastbetriebsstunden. Die dabei er- zeugte Wärme deckt etwa 70 Prozent des Wärme- und Kältebedarfs der Solon-Zentrale. Gleichzeitig liefert das BHKW rechnerisch gut 90 Prozent des von Solon verbrauchten Stromes. Al- lerdings wird der BHKW-Strom direkt in das Stromnetz eingespeist und vom Netzbetreiber, der BTB Netz GmbH, nach den im EEG festgelegten Sätzen vergütet. E&M 15. Juni 2010 KWK KoMpaKt Energieeffizenz inklusive: Firmenzentrale der Solon SE in Berlin-Adlershof Bild:SES Bild:Solon Die Anlage auf einen Blick Standort: Wissenschafts- und Technologiepark Berlin-Adlershof Investor: Solon SE, Berlin Betreiber: BTB Blockheizkraftwerks-Träger- und Betreibergesellschaft mbH, Berlin Planer: Gneise 66 Planungs- und Beratungsgesellschaft mbH, Berlin Besonderheit: in „gläsernes“ Bioerdgas-BHKW, das mit Kraft-Wärme-Kälte- Kopplung in ein energieoptimiertes Versorgungskonzept der Berliner Firmen- zentrale der Solon eingebunden ist Anlage: BHKW-Modul HPC 400 N der SES Energiesysteme GmbH mit einem 12-Zylinder-Gasmotor der MAN in V-Bauweise und einem Generator von Leroy Somer; 386 kW elektrische und 510 kW thermische Leistung; Stromwir- kungsgrad 38,6 %, Gesamtnutzungsgrad 89,7 % Umweltschutz: CO2-neutrale Energieerzeugung durch die dem Erdgasverbrauch entsprechende Einspeisung von Biogas ins Erdgasnetz Auskunft: Ralf Schäfer, Tel. 0 30 / 31 90 07 14, ralf.schaefer@ses-energiesysteme.com Joachim Schneider, Tel. 0 30 / 34 99 07 44, joachim.schneider@btb-berlin.de Für die Wärme- und Kälteversorgung seiner spektakulären Berliner Firmenzentrale hat das Solarunternehmen Solon ein Bioerdgas-BHKW installiert − in einem Glaskasten. VON JAN MüHLSTEIN Auf dem Präsentierteller Im Glaskasten: BHKW-Modul der SES mit MAN- Gasmotor BHKW dEs Monats Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Ohne Zustimmung desVerlages und der Autoren sind übersetzungen, Nachdruck – auch von Abbildungen –,Vervielfältigungen auf photomechanischem oder ähnlichemWege oder im Magnettonver- fahren,Vortrag, Funk- und Fernsehsendungen sowie Speicherung in Datenverarbeitungsanlagen – auch auszugsweise – verboten. © Energie & ManagementVerlagsgesellschaft mbH,Herrsching 2010 Standort: Wissenschafts- und Techno- logiepark Berlin-Adlershof Investor: Solon SE, Berlin Betreiber: BTB Blockheizkraftwerks- Träger- und Betreibergesellschaft mbH, Berlin Planer: Gneise 66 Planungs- und Be- ratungsgesellschaft mbH, Berlin Besonderheit: ein „gläsernes“ Bioerd- gas-BHKW, das mit Kraft-Wärme-Käl- te-Kopplung in ein energieoptimiertes Versorgungskonzept der Berliner Firmen- zentrale der Solon eingebunden ist Anlage: BHKW-Modul HPC 400 N der SES Energiesysteme GmbH mit einem 12-Zylinder-Gasmotor der MAN in V-Bauweise und einem Generator von Leroy Somer; 386 kWel und 510 kW kWth Leistung; Stromwirkungsgrad von 38,6 Prozent, Gesamtnutzungsgrad von 89,7 Prozent Umweltschutz: CO2-neutrale Energie- erzeugung durch die dem Erdgasverbrauch entsprechende Einspeisung von Biogas ins Erdgasnetz 3315. Juli 2011 D as Problem der Produktions- stätte Dreieich der zur Rewe Group gehörenden Wilhelm Brandenburg GmbH & Co. oHG lässt sich treffend mit dem Titel des vom Club of Rome 1972 herausge- gebenen Bestsellers beschreiben, der „Grenzen des Wachstums“ hieß. Nach mehrfacher Erweiterung des ener- gieintensiven Betriebs − in der fleisch- verarbeitenden Industrie werden bis zu 15 Prozent der Produktionskosten für die Energieversorgung verwendet − waren die Kapazitäten des lokalen Stromnetzes weitgehend ausgeschöpft. Dass die Verantwortlichen bei der Lö- sung des Dreieicher Problems der Leit- idee folgten, wirtschaftliches Handeln mit ökologischem Denken zu verbin- den, kann man durchaus als Spätfolge der berühmten Studie sehen. Statt eine kostspielige Netzverstär- kung anzustreben, wurde nämlich als eine ressourcenschonende Alternative der Aufbau einer lokalen Stromer- zeugung identifiziert. Damit bot sich der Metzgerei eine Möglichkeit, im Sinne der Nachhaltigkeitsstrategie des Mutterkonzerns Kostensteigerungen entgegenzuwirken und gleichzeitig Kli- maschutz zu praktizieren. In die Prü- fung verschiedener Projektvarianten wurde im Sommer 2009 die Hambur- ger EHA Energie-Handels-Gesellschaft mbH & Co. KG eingeschaltet, die zur Hälfte der Rewe Group gehört und die neben anderen Filialisten, Industrie und öffentlichen Einrichtungen auch die Unternehmensgruppe mit Strom und Erdgas versorgt. Der Fleischver- arbeiter nutzte dabei die besondere Leistung von EHA, für ihre Kunden Konzepte zur Steigerung der Energie- effizienz zu erstellen und umzusetzen. Der ursprüngliche Vorschlag der Stadtwerke Dreieich, zur Netzentlas- tung vor Ort ein Heizkraftwerk für die gemeinsame Versorgung von Wilhelm Brandenburg und eines benachbarten, ebenfalls energieintensiven Betriebs zu errichten, musste wegen der zu unterschiedlichen Energiebedarfsan- forderungen der beiden Unternehmen fallengelassen werden. Stattdessen bot EHA an, ein von ihren Fachleuten an die Bedürfnisse des Fleischereibetriebs angepasstes, modular erweiterbares BHKW zu bauen und zu betreiben. Hierzu wurde im Juni 2010 ein Wärme- lieferungsvertrag mit einer Laufzeit von vorerst zehn Jahren abgeschlossen. Bei dem von EHA im Jahr 2010 mit einem Investitionsvolumen von rund 500 000 Euro umgesetzten Konzept wird das in zwei erdgasbetriebenen BHKW- Modulen von je 140 kW elektrischer und 207 kW thermischer Leistung erzeugte Heißwasser mit einer Temperatur von 90 °C in einen 20 000-l-Pufferspeicher eingespeist. Entsprechend dem Be- darf wird dem Speicher Wärmeenergie entnommen, die den Rücklauf der Heizungs- und Lüftungsanlagen sowie der Brauchwarmwasserbereitstellung auf über 80 °C vorheizt. Damit wird der Dampfkondensator entlastet, der durch die zwei vorhandenen 3 900-kW- Kessel mit Dampf beaufschlagt wird. Wenn in zwei bis drei Jahren die bei der Projektumsetzung identifizierten Verbesserungen der Wärmenutzung re- alisiert werden und ein neuer Heizwas- serverteiler installiert wird, kann noch mehr Wärme vom BHKW statt von den Dampfkesseln bereitgestellt werden. Dann soll das BHKW um ein drittes Modul erweitert werden. Untergebracht ist das BHKW in einem ehemaligen Werkstattbereich in der Nähe der bisherigen Energiezentrale. Lieferant der Gasmotoren-Module ist der zurWolf-Gruppe gehörende BHKW- Hersteller Kuntschar + Schlüter GmbH aus Wolfhagen-Ippinghofen bei Kassel, der − auch dank der räumlichen Nähe − einen günstigen Vollwartungsvertrag anbieten konnte. Dieser umfasst die alle 1 000 Betriebsstunden fällige Regelwar- tung sowie die Generalüberholung nach rund 25 000 Betriebsstunden. Die BHKW-Module, von denen eines auch als Ersatzstromaggregat einge- setzt werden kann und das somit die ältere, nicht mehr ausreichende Bat- terieanlage unterstützt, sind seit Mitte März 2011 in Betrieb. Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass das BHKW die projektierten 4 500 Volllastbe- triebsstunden im Jahr voraussichtlich erreichen und wahrscheinlich sogar übertreffen wird. Bestätigt wurde ebenfalls die hohe Brennstoffeffizienz des mit Lambda-1-Motoren von MAN ausgerüsteten BHKW von über 90 %, die auch bei einer 50-%-Teillast immer noch über 85 % liegt. BHKW-Module mit Mehrfa nu en Der in der KWK-Anlage erzeugte Strom, der aktuell mit rund 8 % zur Deckung des elektrischen Bedarfs des Werks beiträgt, wird vollständig vor Ort verbraucht. Dafür sorgen vor allem die vorhandenen Kompressionskälteanla- gen und Produktionsmaschinen, die eine Stromgrundlast von rund 500 kW verursachen. EHA kann damit dem BHKW-Betrieb den vollen Bezugspreis gutschreiben, der für die Stromliefe- rung mit Wilhelm Brandenburg ver- einbart wurde. Dies ermöglicht für die Wärmelieferung, die 15 bis 20 % des Wärmebedarfs der Produktion deckt, einen gegenüber derWärmeerzeugung aus dem bestehenden Dampfkessel um über 40 % niedrigerenWärmepreis. Die Qualitätsmetzgerei hat außer- dem den Baukostenzuschuss gespart, der bei einer Netzerweiterung fällig wäre. Zusätzlich liefert EHA dem Be- trieb aus dem fernüberwachten BHKW detaillierte Energie- und Energie- kostendaten, mit denen die Verbräu- che besser analysiert und Potenziale für weitere Energieeinsparungen ent- deckt werden können. So können auch die von dem Energiedienstleister bei seiner Analyse der Wärmeversorgung identifizierten Abwärmepotenziale ge- nutzt sowie die Wärmerückgewinnung und -verteilung optimiert werden. Das BHKW lohnt sich aber auch für EHA, die dank der Förderung durch das KWK-Gesetz damit rechnen kann, dass sich ihr Anteil an den Investitionen in etwa fünf Jahren amortisiert. Freuen kann sich ebenfalls der Netzbetreiber über die erreichte Netzentlastung. Nicht zuletzt zählt die Umwelt zu den Gewinnern, denn das BHKW leistet mit einer CO2-Einsparung von rund 266 t/a einen Beitrag zum Klimaschutz. Mit einem BHKW hat die EHA Energie-Handels-Gesell- schaft bei der QualitätsmetzgereiWilhelm Brandenburg in Dreieich einen drohenden Netzengpass abgewendet und gleichzeitig die Energiekosten sowie den CO2-Aus- stoß gesenkt. VON JAN MÜHLSTEIN Die Anlage auf einen Bli Standort: Qualitätsme gerei Wilhelm Brandenburg in Dreiei Betreiber und Konzept: EHA Energie-Handels-Gesells a , Hamburg Fa planung: Gita Consult, Nidda Besonderheit: Stromeigenerzeugung im BHKW vermeidet Ne ausbau Anlage: zwei BHKW-Module GTK 140 mit Lambda-1-Gasmotoren von MAN mit je 140 kWel und 207 kW von Kunts ar + S lüter GmbH, Wolfhagen-Ippinghofen Wirts a li keit: Gesamtinvestitionen 500 000 Euro, Wärmepreis über 40 % güns- tiger als Wärme aus dem Dampfkessel, Investitionsaufwand des Energiedienstleisters amortisiert si in rund fünf Jahren Umwelts u : CO2-Einsparung von 266 t/a, spezifis er CO2-Ausstoß des BHKW- Stroms ca. 230 g/kWh (GuD-Ben mark 365 g/kWhel) Auskun : Herbert Dier s-Saueregger, Tel. 0 40/80 60 06 383, h.dier s-saueregger@eha.net Brau t viel Strom und Wärme: Qualitätsme - gerei Wilhelm Branden- burg in Dreiei Bild:EHA Über einen Pufferspei er eingebunden: zwei BHKW- Module von Kunts ar + S lüter D em ökologischen Wandel hat sich die 1997 gegründete und seit 1998 börsennotierte Solon SE als Hersteller von Solarmodulen und Anbieter von sola- ren Kraftwerken verschrieben. Diese Grundhaltung bestimmt nicht nur das Produktangebot, sondern prägte auch die Errichtung der Firmenzentrale im Wissenschafts- und Technologiepark in Berlin-Adlershof, in die die Verwal- tung Ende 2008 und die Produktion im März 2009 eingezogen sind. Dasrund47Mio.Euroteure,vondem Berliner Büro SFA Schulte-Frohlinde Architekten in Zusammenarbeit mit der Stuttgarter EGS-plan entworfene Gebäude besticht durch seine baukul- turelle Qualität sowie seine energieef- fiziente Bauweise. Dabei wurden ener- giesparende Maßnahmen, zu denen die bauphysikalisch exzellente Gebäu- dehülle, die Dreifachisolierverglasung, der Sonnenschutz mit Tageslichtlenk- funktion sowie die thermische Beton- kernaktivierung gehören, konsequent umgesetzt und auch bei den flexiblen Nutzungskonzepten berücksichtigt. Damit konnte der Energiebedarf auf rund ein Viertel des Verbrauchs in ei- nem konventionellen Bürogebäude reduziert werden. Doch auch der verbleibende Wär- me-, Kälte- und Strombedarf wird in dem Verwaltungs- und Produktions- gebäude möglichst effizient und re- generativ gedeckt. Dafür sorgen eine 210-kW-Photovoltaikanlage auf dem Dach, eine Kälteanlage und ein Bio- erdgas-Blockheizkraftwerk. ErrichtetwurdedasBHKWinKoope- ration mit dem lokalen Energieversor- ger, der BTB Blockheizkraftwerks-Trä- ger- und Betreibergesellschaft mbH, die die Anlage auch betreibt. Geliefert wurde es von der Berliner SES Ener- giesysteme GmbH, der Planer war die Gneise 66 Planungs- und Beratungs- gesellschaft mbH aus Berlin. Effiziente und regenerative Energieversorgung Die Vorgabe, das BHKW mit regene- rativen Brennstoffen zu betreiben, wird durch den „virtuellen“ Einsatz von Biogas erfüllt. Dabei wird für den Betrieb des BHKW „gewöhnliches“ Erdgas eingesetzt, für das an belie- bigen Stellen des Erdgasnetzes auf Erdgasqualität aufbereitetes Biogas eingespeist wird, und zwar so, dass die Jahresbilanz stimmt. Dann kann der in dem BHKW erzeugte Strom nach den im EEG für Biogas festge- legten Sätzen vergütet werden. Für diesen Ausgleich sorgt der Bioerd- gaslieferant, die Münchner bmp gre- engas GmbH. Abgewickelt wird über einen eigenen Bioerdgasbilanzkreis; zur Abrechnung hat der Gasnetz- betreiber, die NBB Netzgesellschaft Berlin-Brandenburg mbH & Co. KG, am BHKW einen separaten Gaszähler installiert. Die Wahl von Bioerdgas als Brenn- stoff macht es möglich, ein Standard- BHKW einzusetzen, das bei Erdgas- betrieb hohe Effizienz und eine lange Lebensdauer des Motors garantiert. Zur Einhaltung der Emissionsgrenz- werte reicht außerdem ein Dreiwe- gekatalysator. Bei Einsatz von Biodie- sel oder Rapsöl wäre der technische Aufwand für das BHKW bedeutend höher. Für das Solon-BHKW setzte die SES − wie für ihre Standardmodu- le HPC 400 N − einen 12-Zylinder- Gasmotor der MAN inV-Bauweise und einen Generator von Leroy Somer ein. Der Aufbau und die Unterbringung des BHKW sind aber − bis in die Be- musterung der Materialien, Oberflä- chen, Werkstoffe und Farben − durch die nicht alltäglichen Bauherrenvorga- ben derTransparenz und Offenheit be- stimmt. Solon ließ die Anlage nämlich nicht im Technikraum verschwinden, sondern installierte sie unweit der Fir- menzentrale sichtbar im öffentlichen Straßenraum. Dafür hat das Büro Freitag Hart- mann Sinz Architekten ein eigenes Gebäude entworfen, dessen große Glasfronten an der Ost- und Südsei- te den Blick auf Motor und Genera- tor freigeben. Deshalb musste auf Schutzhauben verzichtet werden; für die Schalldämmung sorgt allein die Betonhülle. Entsprechend den ge- stalterischen Vorgaben bestand keine Möglichkeit, Lüftungs- und Abgaslei- tungen oder Schalldämpfer auf dem Dach zu installieren. Deshalb mussten Medienleitungen in einem Kriechkel- ler und der Schalldämpfer der Zuluft in einem unterirdischen Gebäude- schacht untergebracht werden. Aus Platzgründen kann außerdem die Gemischkühlung nicht über einen Tischkühler erfolgen; das Kühlwasser wird daher zu einer 50 m entfernten Energiezentrale der BTB geführt, wo die über Plattentauscher abgegebene Wärme genutzt wird. BHKW-Wärme zum Heizen und Kühlen Das Ende 2009 in Betrieb genomme- ne BHKW mit 386 kW elektrischer und 510 kW thermischer Leistung erreicht einen Stromwirkungsgrad von 38,6 Prozent und einen Gesamt- nutzungsgrad von 89,7 Prozent. Die erzeugte Wärme wird in das Fern- wärmenetz eingespeist, das die BTB am Wissenschafts- und Technolo- giestandort Adlershof betreibt. Die- sem Netz entnimmt Solon für ihre Firmenzentrale die Wärme, die im Winter zum Heizen und im Sommer in einer einstufigen Absorptions- kälteanlage zur Erzeugung von Kli- makälte verwendet wird. Zusätzlich zu der Absorptionskälteanlage von York International, die mit Lithium- bromidlösung arbeitet, ist eine elek- trische Kompressionskältemaschine installiert, die bei Bedarfsspitzen zur Verfügung steht. Die so realisierte Kraft-Wärme- Kälte-Kopplung ermöglicht einen BHKW-Einsatz mit einer hohen Aus- lastung von jährlich rund 8 000 Voll- lastbetriebsstunden. Die dabei er- zeugte Wärme deckt etwa 70 Prozent des Wärme- und Kältebedarfs der Solon-Zentrale. Gleichzeitig liefert das BHKW rechnerisch gut 90 Prozent des von Solon verbrauchten Stromes. Al- lerdings wird der BHKW-Strom direkt in das Stromnetz eingespeist und vom Netzbetreiber, der BTB Netz GmbH, nach den im EEG festgelegten Sätzen vergütet. E&M 15. Juni 2010 KWK KOMPAKT Energieeffizenz inklusive: Firmenzentrale der Solon SE in Berlin-Adlershof Bild:SES Bild:Solon Winkelanzeige BHKW 65 x 65 Anzeige Kawasaki Gas Turbinen 105 mm x 10 mm Anzeige Eigenanzeige Special 270 mm x 49,5 mm Die Anlage auf einen Bli� Standort: Wissens�a�s- und Te�nologiepark Berlin-Adlershof Investor: Solon SE, Berlin Betreiber: BTB Blo�heizkra�werks-Träger- und Betreibergesells�a� mbH, Berlin Planer: Gneise 66 Planungs- und Beratungsgesells�a� mbH, Berlin Besonderheit: in „gläsernes“ Bioerdgas-BHKW, das mit Kra�-Wärme-Kälte- Kopplung in ein energieoptimiertes Versorgungskonzept der Berliner Firmen- zentrale der Solon eingebunden ist Anlage: BHKW-Modul HPC 400 N der SES Energiesysteme GmbH mit einem 12-Zylinder-Gasmotor der MAN in V-Bauweise und einem Generator von Leroy Somer; 386 kW elektris�e und 510 kW �ermis�e Leistung; Stromwir- kungsgrad 38,6 %, Gesamtnu�ungsgrad 89,7 % Umwelts�u�: CO2-neutrale Energieerzeugung dur� die dem Erdgasverbrau� entspre�ende Einspeisung von Biogas ins Erdgasne� Auskun�: Ralf S�äfer, Tel. 0 30 / 31 90 07 14, ralf.s�aefer@ses-energiesysteme.com Joa�im S�neider, Tel. 0 30 / 34 99 07 44, joa�im.s�neider@btb-berlin.de Für die Wärme- und Kälteversorgung seiner spektakulären Berliner Firmenzentrale hat das Solarunternehmen Solon ein Bioerdgas-BHKW installiert − in einem Glaskasten. VON JAN MÜHLSTEIN Auf dem Präsentierteller Im Glaskasten: BHKW-Modul der SES mit MAN- Gasmotor BHKW DES MONATS E&M Neu 12 2010 indd 25 08 06 2010 12:40:49 Uhr Erscheinungstermin: 15. Juli 2010 Anzeigenschluss: 24. Juni 2010 Kontakt EnergyRelations GmbH Theresia Schmid Telefon +49(0)8192/997 3330 Mail: info@energyrelations.de Sichern Sie sich Ihre Präsenz im Sonderteil „IT & Netze“ZEITUNG FÜR DEN ENERGIEMARKT Im Sonderteil IT & Netze informieren wir über Aktuelles aus der IT-Landschaft für Energieunternehmen, zeigen Modelle für Smart Grids, stellen beispielhafte Projekte und innovative Software-Lösungen bei EVU und Stadtwerken dar und geben Einblicke in Trends und Entwicklungen. Modelle für Smart Grids KW K kom m t.Abernichtvon selbst.W erden Sie M itglied. www.bkwk.de Tel. 030/270 192 810 10-0853 Montage Anzeigen.indd 25 09.06.2010 10:28:29 Uhr BHKW DES MONATS Die Grenzen des Wa stums überlistet Bild:EHA E&M_13_14_2011_32_36.indd 33 07.07.11 14:55 2011 Standort: Qualitätsmetzgerei Wilhelm Brandenburg in Dreieich Betreiber und Konzept: EHA Energie- Handels-Gesellschaft, Hamburg Fachplanung: Gita Consult, Nidda Besonderheit: Stromeigenerzeugung im BHKW vermeidet Netzausbau Anlage: zwei BHKW-Module GTK 140 mit Lambda-1-Gasmotoren von MAN mit je 140 kWel und 207 kWth von Kuntschar + Schlüter GmbH, Wolfhagen-Ippinghofen Wirtschaftlichkeit: Gesamtinvesti- tionen 500 000 Euro, Wärmepreis über 40 Prozent günstiger als Wärme aus dem Dampfkessel, Investitions- aufwand des Energiedienstleisters amortisiert sich in rund fünf Jahren Umweltschutz: CO2-Einsparung von 266 t/a, spezifischer CO2-Ausstoß des BHKW-Stroms ca. 230 g/kWh (GuD-Benchmark 365 g/kWhel) Als Zwischenschritt wird ein ers- tes KWK-Gesetz zum Schutz von KWK-Strom in der öffentlichen Ver- sorgung verabschiedet, das im April 2000 in Kraft tritt. Industrielle KWK bleibt aber unter Druck, Aufträge zum Bau neuer KWK-Anlagen bre- chen ein. Immer mehrVerbände tre- ten für eine gesetzliche Absicherung des KWK-Ausbaus ein − das von Werner Müller geführte Bundeswirt- schaftsministerium zögert und prüft weiter. Die Arbeitsgruppe Energie der Koalitionsfraktionen einigt sich auf ein KWK-Quotenmodell mit handelbaren Zertifikaten. Es kommt anders: Zunächst op- ponieren Wolfgang Clement, Mi- nisterpräsident des Kohlelandes Nordrhein-Westfalen, und Hu- bertus Schmoldt, Vorsitzender der Bergbaugewerkschaft, gegen den Quotenbeschluss. Dem schließen sich die Verbundunternehmen Eon, EnBW, HEW, RWE und VEAG sowie die Ruhrgas an, die schließ- lich ein Alternativentwurf präsen- tieren. Dieser wird zur Grundlage des „Gesetzes für die Erhaltung, die Modernisierung und den Ausbau der Kraft-Wärme-Kopplung“, das am 1. April 2002 in Kraft tritt. Schon nach der Verabschiedung des KWK- Gesetzes kommentierte am 15. Fe- bruar 2002 E&M: „Die schier endlos scheinende Debatte hat ihr Ende ge- funden, womit auch dieVerunsiche- rung der Investoren beendet werden könnte. Somit dürfte sich manches auf Eis gelegte KWK-Projekt nun doch als wirtschaftlich erweisen. Doch die Berliner Koalition hat es mit dem KWK-Gesetz wieder einmal geschafft, die Ampel gleichzeitig auf Rot und auf Grün zu schalten.“ Die Förderung in Form eines Zuschlages auf den ins Netz der allgemeinen Versorgung eingespeisten KWK- Stroms erhalten nur bestehende oder bis Ende 2005 modernisierte KWK-Anlagen sowie neu errichtete „kleine“ Anlagen bis 2 MW elek- trischer Leistung. Das Fazit des da- maligen E&M-Kommentars: „Dass das KWK-Gesetz nur halbe Wirkung für den Klimaschutz bringt, wird sich voraussichtlich schon bei der auf Ende 2004 terminierten Über- prüfung zeigen. Schon jetzt wäre es sinnvoll, über Ersatzinstrumente zu diskutieren.“ Eine Einschätzung, die von der weiteren Entwicklung bestätigt wurde. Der Ausschluss des eigen- genutzten KWK-Stroms von der Förderung erwies sich als zu große Bremse für den KWK-Ausbau in der Industrie, der von den Ver- bundunternehmen versprochene „marktgetriebene“ Zubau größerer KWK-Anlagen blieb weitgehend aus. Das KWK-Gesetz musste mehrfach nachgebessert werden, zuletzt im Juli 2012. E&M hat die energiewirt- schaftliche Diskussion zur KWK durch unzählige Beiträge intensiv begleitet und mitgestaltet, die in- teressierte Leser im elektronischen Archiv unseres Online-Dienstes E&M powernews seit Mai 2000 vor- finden. Darunter sind auch die meinungsmachenden Schloss- gespräche, zu denen E&M in den Jahren 2004, 2007 und 2010 KWK- Fachleute aus Wirtschaft, Wissen- schaft und Politik versammelt hat. Nicht fehlen soll in diesem Rück- blick das Kurzgutachten, das der Autor dieses Beitrages im Auftrag des B.KWK und einiger Unternehmen zum Thema „Vermiedene Netz- nutzungsentgelte der dezentralen Einspeisung“ im März 2003 erstellt und das die politische Diskussion zu diesem speziellen Thema beein- flusst hat. KWK-Markt und -Praxis im Fokus Die gleiche Aufmerksamkeit wie den Veränderungen der energie- politischen Rahmenbedingungen widmete E&M dem KWK-Markt und der KWK-Praxis.

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