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Energie & Management, Ausgabe 13, 2014

1. Juli 201426 KWK Mitte der 1990er Jahre gibt es in der deutschen Strom- wirtschaft mit ihren gesetzlich geschützten Gebietsmonopo- len noch eine klare Hierarchie zwischen den Versorgern und den Abnehmern. Eine zur Eigenversorgung eingesetzte KWK-Anlage ist für Sonder- vertragskunden aus Industrie und Gewerbe fast die einzige Option, dem Preisdiktat des Gebietsversorgers zu ent- gehen. Manchmal reicht es schon, ein Angebot für eine Gasturbine oder ein Motoren- BHKW auf dem Tisch liegen zu haben, um bei Vertragsver- handlungen einen Abschluss nahe am Niveau der Stromge- stehungskosten der potenziel- len KWK-Anlage zu erreichen. Die erfolgreiche Strategie der Stromwirtschaft, mögliche KWK-Anlagen der Industrie „herauszukaufen“ und damit die Auslastung eigener, über- wiegend mit Kohle betriebe- ner Kraftwerke zu sichern, lobt der VDEW offen in einem seiner Jahresberichte – ohne Rücksicht auf den damit ein- hergehenden höheren Pri- märenergieverbrauch der ungekoppelten Strom- und Wärmeerzeugung.  Doch auch der Effizienz- vorteil der KWK wird seitens der großen Stromversorger relativiert: Im Juni 1994 ver- öffentlichte das Eduard Pestel Institut für Systemforschung (ISP) in Hannover eine von der PreussenElektra (die dann im Jahr 2000 mit der Bayern- werk AG zur Eon Energie fu- sionierte) eine Studie, in der die gekoppelte Versorgung mit BHKW mit der ungekoppelten Kombination aus Brennwert- kesseln und GuD-Kraftwerken verglichen wurde. Das Ergeb- nis: Die KWK verbrauche le- diglich zehn Prozent weniger Erdgas, sei aber deutlich teurer als die Individualheizung und der Strombezug aus Groß- kraftwerken. Klaus Traube und Wolfgang Schulz vom Bremer Energie-Institut halten mit einem Gutachten dagegen: Die Pestel- Autoren um Klaus-Peter Möller hätten Wirkungsgrade alter BHKW mit denen theoretischer Spitzen- werte modernster Brennwertkessel und GuD-Kraftwerke verglichen. Außerdem hätten sie die BHKW- Kosten systematisch überbewer- tet und die der ungekoppelten Alternative zu niedrig angesetzt. Der Studienstreit ist auch eine Wegmarke der E&M-Entwicklung: „KWK: Traube contra Pestel“ ist die Überschrift des Titelbeitrags der Energie & Management vom 15. April 1995, die erstmals als Zeitung für den Energiemarkt im DIN-A3-Format erscheint. Die aufkommende Klimaschutz- debatte liefert weitere Argumen- te pro KWK. Im September 1997 schlägt die Interministerielle Arbeitsgruppe CO2-Reduktion ein Maßnahmenbündel vor, mit dem die von der Bundesregierung bis 2005 angestrebte Minderung der CO2-Emissionen um jährlich 250 Mio. t gegenüber 1990 erreicht werden soll. Der Ausbau der KWK ist darin mit einem Vermeidungs- potenzial von 30 bis 60 Mio. t/a der wichtigste Einzelposten. Die Regierung Kohl, in der 1994 Klaus Töpfer als Bundesumweltminister von Angela Merkel abgelöst wurde, zieht daraus keine Konsequenzen. Priorität hat wohl die Liberalisierung des Strommarktes, die im April 1998 mit einer Novelle des Energiewirt- schaftsgesetzes eingeleitet wird. Die neue rot-grüne Bundesregie- rung bekräftigt im Oktober 1999 mit ihrem Koalitionsvertrag das CO2- Minderungsziel und verspricht, die Hemmnisse zu beseitigen, „die heute noch eine verstärkte Nutzung rege- nerativer Energien und den breiteren Einsatz der Kraft-Wärme-Kopplung behindern“. Inzwischen tobt im freien Stromhandelsmarkt ein Verdrän- gungswettbewerb, bei dem KWK-An- lagen der Stadtwerke und der Industrie gegen abgeschriebene Kern- und Koh- lekraftwerke der überregionalen EVU keine Chancen haben. Die Umwelt- ministerkonferenz der Länder befür- wortet im Oktober 1999 den Ausbau der KWK„mittels gesetzlicher Quoten- regelung“. Ein Monat später beschließt das Kabinett von Gerhard Schröder: „Bis Mitte 2000 wird die Bundesregie- rung mittels einer gesetzlichen Rege- lung den Anteil der Stromerzeugung aus KWK sichern und innerhalb des nächsten Jahrzehnts eineVerdopplung des KWK-Ansatzes durch eine jährlich verstetigte Progression anstreben, wenn sich die KWK gemäß dem deut- schen Klimaschutzziel der Energie als die geeignetste Technologie erweist. Daher soll die Einführung einer markt- und EU-konformen Quote oder glei- chermaßen wirksamer Instrumente festgeschrieben werden.“ E&M 15. Februar 2007, Seite 13 KWK D er Stromausfall in Westeuropa im November 2006 war für Kai Brinckmann eine Bewäh- rungsprobe. „Da hatte sich im Osten eine Insel mit zu viel Strom gebildet“, berichtet der Geschäftsführer der 2. EVC Energieversorgungscenter Dresden-Wilschdorf GmbH & Co. KG, die ein Halbleiterwerk des US-ameri- kanischen Konzerns AMD Advanced Micro Devices hochpräzise mit Strom, Wärme und Kälte versorgt. Im Nor- malfall erfolgt die Stromversorgung durch das vom Generalunternehmer M+W Zander FE GmbH errichtete Blockheizkraftwerk im Netzparallel- Betrieb mit dem 110-kV-Landesnetz – sie ist aber bei Bedarf auch im Inselbe- trieb möglich. „Damals ist uns die Frequenz nach oben weggelaufen. Deshalb sind wir eine halbe Stunde im Inselbetrieb gefahren – das erste Mal überhaupt“, berichtet Brinckmann. Die Verbindung zum Netz wird ge- kappt, sobald sich die normale Strom- frequenz von 50 Hz um ein Prozent zu ändern droht – dem mit AMD ver- traglich vereinbarten Grenzwert. Et- was mehr Spielraum hat das EVC bei der Spannung von 20 kV, mit der es den Strom an AMD liefert: Hier liegt die tolerierte Abweichung bei acht Prozent. Diese Stromqualität ist nötig, da der Produktionsprozess bei AMD vollständig automatisiert abläuft und extrem anfällig bei Spannungs- und Frequenzschwankungen ist. Für die Stromqualität sorgt im EVC-2 ein Stromspeicher der Piller Power Systems GmbH, genannt Po- wer Conditioning Device (PCD). In seinen vier Modulen ist jeweils ein Schwungrad mit einer synchronen Motor-Generator-Kombination ge- koppelt. „Der Speicher atmet ständig Energie ein und aus“, umschreibt Brinckmann die Funktion. „So hilft er mit, Spannung und Frequenz kon- stant zu halten.“ PCD fängt Laststöße von bis zu 6,5 MW über fünf Sekun- den ab, wenn im Halbleiterwerk Ma- schinen zu- oder abgeschaltet werden. Denn ein Lastmanagement gibt es bei AMD nicht: „Dort kommt Strom aus der Steckdose“, weiß der EVC-Ge- schäftsführer. „Da braucht sich keiner Gedanken darüber zu machen, ob er eine Maschine jetzt anfahren kann oder nicht.“ Andererseits fängt das PCD auch Störungen auf, die aus dem Kraftwerk selbst kommen. Das EVC-Konsortium aus Drewag Stadtwerke Dresden GmbH und Air Liquide GmbH hat bereits langjährige Erfahrung mit der Energieversorgung von AMD: Seit 1998 versorgt das von ihnen errichtete Kraftwerk EVC-1 die so genannte Fab 30 des amerikani- schen Herstellers von Computer-Pro- zessoren. Das EVC-2 ist seit April 2005 in Betrieb und beliefert die Fab 36 (siehe E&M vom 1. November 2004, Seite 15 „Schwung holen für Präzisi- ons-Energie“). Bei dem zweiten Blockheizkraftwerk konnten die Be- treiber das Stromversorgungskonzept des EVC-1 einfach übertragen: Es hat- te sich rundum bewährt. Verändert wurde dagegen das Kon- zept für die Versorgung mit Wärme und Kälte, für die ebenfalls enge Tole- ranzwerte gelten. Auch ihre Einhal- tung wirkt sich auf die Ausbeute der AMD-Produktion aus. So liefert EVC kaltes Wasser mit einer Temperatur von 5 °C. Mit ihm wird bei AMD die Außenluft getrocknet, die in den Reinraum strömt. Hier die maximal zulässige Temperaturabweichung von 0,5 K einzuhalten, bezeichnet Brinck- mann als größte Herausforderung. „Da reicht es für eine Grenzwertver- letzung, wenn eine Kältemaschine et- was außerhalb der vorgegebenen To- leranzen anfährt.“ Im EVC-2 wurde dieses Problem mit einem größeren Kaltwasserspeicher und ausgefeilter Regelungstechnik gelöst. Mit 11 °C kaltem Wasser (Toleranz 1 K) klimati- siert AMD den Reinraum und tempe- riert ein betriebsinternes Kühlwasser- system. Wärme liefert EVC-2 in zwei ge- schlossenen Kreisläufen: warmes Wasser heizt zu nen im Winter die AMD me, zum anderen erzeug Chipproduzent damit indirekt h Reinstwasser, das bei Spülproz in chemischen Verfahren direk den Siliziumscheiben in Ko kommt. Die Toleranz reicht dabe +3 K bis –1 K. Im EVC-2 sorg Heißwasserspeicher dafür, das Grenzwertvorgaben noch sic eingehalten werden können a EVC-1. 32 °C warmes Wasser mit +4 –2 K Toleranz dient dazu, die in Reinraum einströmende Auße anzuwärmen. Im Winter ist das damit sich die dann trockene Au luft im notwendigen Maß befeu lässt. Im Sommer muss sie nac Trocknung ebenfalls auf die wünschte Raumtemperatur wärmt werden. Die Energie für d Warmwasser wird im Kraftwerk Wärmetauscher aus 34 °C war Kühlwasser gewonnen, bevor Restwärme über Kühltürme außen entweicht. „Im EVC-1 h wir anfangs erhebliche Schwier ten mit den Kühltürmen“, ber Brinckmann. Deren Stufenscha für die Ventilatoren war nicht fe nug für die enge Wärmetoleranz haben dann alle Kühltürme mit kontinuierlichen Regelung a rüstet. Damit bekamen wir die peratur in den Griff.“ Erfahrungen, die sich beim E ausgezahlt haben: Im Vergleich Einlaufkurve des EVC-1 hatte EVC-2 laut Brinckmann einen derbuchstart“: Seit August 2005 Beginn der vertraglichen Lieferu an AMD, verursachte das neue K werk lediglich vier Grenzwertv zungen. Unter ihnen war aller auch ein Totalausfall der Strom sorgung, als im Mai 2006 die H spannungskabel bei der Inbetrie me neuer Motoren falsch unter nung gesetzt wurden. Glückli weise floss nach vier Sekunden w Strom und es entstand nur ein k Sachschaden. Aus den Erfahrungen beim E haben die Partner auch gelernt das Blockheizkraftwerk im gle Tempo wie das von ihm vers Halbleiterwerk wachsen kann. D der Aufbau der Produktionsma nen über Jahre hinzieht, steigt der Energiebedarf nur schrittw Neun BHKW-Module in zwei Etappen eingebaut Air Liquide und Drewag be- treiben inzwischen schon zwei Energiezentren, die die Dresdner Werke des Prozes- sor-Produzenten präzise mit Strom, Wärme und Kälte be- liefern. Die Betriebserfahrun- gen der ersten Anlage zahlten sich bei dem zweiten Block- heizkraftwerk (BHKW) mit einem „Bilderbuchstart“ aus. Präzisions-Power B H K W D E S M O N A T S Grundlage für sichere und präzise Ener- gieversorgung bei AMD in Dresden: neun BHKW-Module mit Deutz-Gasmotoren Standort: Fab 36 der AMD Advan- ced Micro Devices, Dresden Betreiber: 2. EVC Energiever- sorgungscenter Dresden-Wilschdorf GmbH & Co. KG Generalunternehmer: M+W Zan- der FE GmbH Besonderheit: Sichere Strom-, Wärme- und Kältelieferung unter Einhaltung enger Grenzwerte Anlage: Neun BHKW-Module mit Magergemisch-Otto-Motoren der Baureihe TCG 2032 V16 mit je 3,9 MWel von Deutz Power Sys- tems GmbH & Co. KG, neun Abhit- ze-Dampferzeuger mit je 1,74 MW und neun Heißwasser-Erzeuger mit je 2,56 MW von Aprovis Energy Systems GmbH, zwei Dampfkessel mit je 11,7 MW von Loos Deutsch- land GmbH, 14 Kühltürme mit je 6,5 MW von BAC Baltimore Aircoil International N.V., vier Schwungrad- Stromspeicher mit insgesamt 6,5 MW von Piller Power Sys- tems GmbH, drei zweistufige Absorptionskältemaschinen mit je 4,8/5,8 MW, zwei einstufige Absorpti- onskältemaschinen mit je 3,2 MW, fünf Turbokompressionskältema- schinen mit je 4,9/5,8 MW von John- son Controls Systems & Service GmbH, je eine Hauptschaltanlage 20 kV und 0,4 kV der Areva Energie- technik GmbH Umweltschutz: Spezifischer CO2- Ausstoß von rund 240 g/kWh BHKW-Strom (GuD-Benchmark 365 g/kWhel) Auskunft: Kai Brinckmann, Tel. 03 51 / 83 99 330, kai.brinckmann@airliquide.com Die Anlage auf einen Blick Bild:M+WZander Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Ohne Zustimmung des Verlages und der ren sind Übersetzungen, Nachdruck – auch von Abbildungen –, Vervielfältigungen auf mechanischem oder ähnlichem Wege oder im Magnettonverfahren, Vortrag, Funk- und Fernsehsendungen sowie Speicherung in Datenverarbeitungsanlagen – auc zugsweise – verboten. © Energie & Management Verlagsgesellschaft mbH, Herrsching 2007 Standort: Fab 36 der AMD Advanced Micro Devices, Dresden Betreiber: 2. EVC Energieversorgungscenter Dresden-Wilschdorf GmbH & Co. KG Generalunternehmer: M+W Zander FE GmbH Besonderheit: Sichere Strom-, Wärme- und Kältelieferung unter Einhaltung enger Grenzwerte Anlage: neun BHKW-Module mit Mager- gemisch-Otto-Motoren der Baureihe TCG 2032 V16 mit je 3,9 MWel von Deutz Power Systems GmbH & Co. KG, neun Abhitze- Dampferzeuger mit je 1,74 MW und neun Heißwasser-Erzeuger mit je 2,56 MW von Aprovis Energy Systems GmbH, zwei Dampfkessel mit je 11,7 MW von Loos Deutschland GmbH, 14 Kühltürme mit je 6,5 MW von BAC Baltimore Aircoil Inter- national N.V., vier Schwungrad- Strom- speicher mit insgesamt 6,5 MW von Piller Power Systems GmbH, drei zweistufige Ab- sorptionskältemaschinen mit je 4,8/5,8 MW, zwei einstufige Absorptionskältemaschinen mit je 3,2 MW, fünf Turbokompressionskäl- temaschinen mit je 4,9/5,8 MW von Johnson Controls Systems & Service GmbH, je eine Hauptschaltanlage 20 kV und 0,4 kV der Areva Energietechnik GmbH Umweltschutz: Spezifischer CO2-Ausstoß von rund 240 g/kWh BHKW-Strom (GuD- Benchmark 365 g/kWhel) 17E&M 15. Juni 2006 KWK kompakt D ie Biogasanlage steht im land- wirtschaftlichen Betrieb mit Hähnchenmast und Ackerbau von Johannes Hinkamp am Rande von Bersenbrück in Niedersachsen. Betrieben wird sie von der Energiege- winnung Nawaros GmbH & Co. KG, deren Gesellschafter und Geschäfts- führer der Landwirt ist. Die ursprüngliche Anlage wurde im Jahr 2000 in Betrieb genommen. Das darin erzeugte Biogas wird zum Antrieb eines auf dem Bauernhof in- stallierten Motoren-BHKW mit 550 kW elektrischer Leistung einge- setzt, die BHKW-Wärmeleistung von 700 kW kann zur Beheizung der Hühnerställe und Wohngebäude ge- nutzt werden. 2005 wurde die Biogasanlage, de- ren Behälter die Lipp GmbH aus Tannhausen geliefert hat, auf drei Fermenter erweitert. Mit einem Vo- lumen von 1 700 m3 sowie zweimal 840 m3 erzeugen diese derzeit täglich über 10 000 m3 Biogas mit einem Methangehalt von mehr als 55 Pro- zent. In der Anlage werden allerdings nicht nachwachsende Rohstoffe, wie es der Firmenname Nawaros nahe le- gen würde, vergärt, sondern täglich rund 40 t Pflanzenfette und Abfälle aus der Lebensmittelindustrie. Die Gärreste werden als hochwertiger Dünger im Ackerbau eingesetzt. Auch beim Ausbau der Biogasanla- ge wollte deren Betreiber nicht auf die hohe Effizienz der Kraft-Wärme- Kopplung (KWK) verzichten, zumal das 2004 novellierte Erneuerbare- Energien-Gesetz (EEG) bei der Ver- gütung des eingespeisten Stroms ei- nen KWK-Zuschlag von 2 Ct/kWh vorsieht. Zwar gab es auf Hinkamps Hof oder in der unmittelbaren Umge- bung keine weiteren Wärmeabneh- mer, doch diese konnten mit einem Schwimmbad sowie einer Haupt- und einer Realschule in dem 1,5 km entfernten Zentrum von Bersen- brück gefunden werden. Statt das BHKW am Hof zu erwei- tern und für die Versorgung der neu- en Wärmekunden ein Fernwärme- netz zu errichten, entschied man sich, das Biogas zu transportieren. Dazu wird nur ein unisoliertes Rohr gebraucht; die Fernwärmeleitung wäre mit Vor- und Rücklauf in der Anschaffung und bei der Verlegung deutlich teurer gewesen. Das über ei- nen Gaswäscher und -trockner auf- bereitete Biogas wird durch einen Verdichter mit 120 mbar über die Strecke von 1,5 km gedrückt; dem stünden im Fernwärmenetz ein deutlich höherer Energieaufwand für die Umwälzpumpen sowie Wärme- verluste auf der Transportstrecke entgegen. Damit konnte das neue BHKW di- rekt im Ortskern installiert werden; es besteht aus zwei mit MAN-Gasmo- toren ausgerüsteten Modulen der in Rösrath ansässigen Lindenberg-An- lagen GmbH mit einer Leistung von je 347 kW elektrisch und 409 kW thermisch sowie einem Gesamtwir- kungsgrad von 82 %. Dies erforderte allerdings einen deutlich erhöhten Aufwand für den Schallschutz, da ein Geräuschpegel von maximal 45 dB(A) in 20 m Entfernung von der Heizzentrale eingehalten werden musste. Dazu wurde das Gebäude nach Vorgaben des BHKW-Lieferan- ten aufwendig schallisoliert. Zusätz- lich musste ein tiefes Brummen eli- miniert werden, das die bei einem 50 Hz-Betrieb der Motoren entste- henden Schallfrequenzen von 75 Hz und dem Vielfachen davon verursa- chen. Dazu wurden so genannte Quarter-Lambda-Pipes im Abgas- strom der Motoren installiert; deren spezielle Rohranordnung reflektiert die Schallwellen so, dass sich die störenden Frequenzen eigenständig eliminieren. Die von der TA Luft vor- gegebenen Emissionsgrenzwerte von 500 mg/m3 für NOx und von 650 mg/m3 für CO halten die BHKW- Module durch den Magerbetrieb der Gasmotoren ohne zusätzliche Maß- nahmen ein. Für die Erweiterung, einschließ- lich einer kompletten Erneuerung der Anlagensteuerung durch die ortsansässige IFS Ulrich Schmidt sind insgesamt rund 800 000 Euro investiert worden. Eine Investition, die angesichts der steigenden Mine- ralöl- und Erdgaspreise der Energie- gewinnung Nawaros GmbH eine gute Rendite verspricht. Die aus dem Biogas-BHKW gelieferte CO2-neutra- le Wärme lockt auch neue Kunden in Bersenbrück; der Anschluss weiterer Gebäude ist bereits geplant. Jan Mühlstein Bio-Ferngas B H K W D E S M O N A T S Betreiber: Energiegewinnung Na- waros GmbH & Co. KG, Bersenbrück Besonderheit: Das in einem land- wirtschaftlichen Betrieb erzeugte Biogas wird verdichtet und über eine 1,5 km lange Pipeline zu einem BHKW im Ortskern von Bersenbrück transportiert; Einsatz von Quarter- Lambda-Pipes im Abgasstrom der Motoren zur Eliminierung störender Schallfrequenzen Biogas-Anlage: Ein Fermenter mit 1 700 m3 und zwei mit je 800 m3 von Lipp GmbH, Tannhausen, erzeugen aus täglich rund 40 t Pflanzenfett und Abfällen der Lebensmittelindu- strie über 10 000 m3 Biogas mit ei- nem Methananteil von mindestens 55 % BHKW-Anlage: Zusätzliche Erwei- terung zum BHKW-Modul mit 550 kWel und 700 kWth (Inbetrieb- nahme 2000, direkt auf dem Bauern- hof installiert) um zwei BHKW-Mo- dule CHP 400 der Lindenberg-Anla- gen GmbH, Rösrath, mit MAN-Gas- motor E 2842 LE 312, Leistung je 347 kWel und 409 kWth, Gesamtwir- kungsgrad 82 % (Inbetriebnahme 2005, Standort Ortszentrum Bersen- brück); erneuerte Anlagensteuerung der IFS Ulrich Schmidt, Bersenbrück Investition: rund 800 000 Euro für die Erweiterung Umweltschutz: CO2-neutrale Strom- und Wärmeerzeugung Kontakt: Alexander Szabo, Tel. 0 22 05/80 09 124, alexander.sz- abo@lindenberg-anlagen.de Ulrich Schmidt, Tel. 0 54 39/20 90, info@steuerungen.com Die Anlage auf einen Blick Bild:Lindenberg-Anlagen Ein aus zwei Modulen beste- hendes Blockheizkraftwerk (BHKW) mit rund 700 kW elektrischer und 800 kW thermischer Leistung im Zentrum von Bersenbrück wird über eine 1,5 km lange Pipeline mit Biogas versorgt. Hoher Aufwand für Schallschutz Biogas-Blockheizkraftwerk im Ortskern: Brummton durch Quarter-Lambda-Pipes herausgefiltert Dieser Beitrag ist urheberrechtlich ge- schützt. Ohne Zustimmung des Verlages und der Autoren sind Übersetzungen, Nachdruck – auch von Abbildungen –, Ver- vielfältigungen auf photomechanischem oder ähnlichem Wege oder im Magnetton- verfahren, Vortrag, Funk- und Fernsehsendungen sowie Spei- cherung in Datenverarbeitungsanlagen – auch auszugsweise – verboten. © Energie & Management Verlagsgesell- schaft mbH, Herrsching E&M_12_06_15.Juni.qxd12.06.200617:32UhrSeite17 2006 Betreiber: Energiegewinnung Nawaros GmbH & Co. KG, Bersenbrück Besonderheit: Das in einem landwirtschaft- lichen Betrieb erzeugte Biogas wird verdich- tet und über eine 1,5 km lange Pipeline zu einem BHKW im Ortskern von Bersenbrück transportiert; Einsatz von Quarter-Lamb- da-Pipes im Abgasstrom der Motoren zur Eliminierung störender Schallfrequenzen Biogas-Anlage: Ein Fermenter mit 1 700 m3 und zwei mit je 800 m3 von Lipp GmbH, Tannhausen, erzeugen aus täglich rund 40 t Pflanzenfett und Abfällen der Lebensmittel- industrie über 10 000 m3 Biogas mit einem Methananteil von mindestens 55 Prozent BHKW-Anlage: Erweiterung eines BHKW-Moduls mit 550 kWel und 700 kWth (Inbetriebnahme 2000, direkt auf dem Bau- ernhof installiert) um zwei BHKW-Module CHP 400 der Lindenberg-Anlagen GmbH, Rösrath, mit MAN-Gasmotor E 2842 LE 312, Leistung je 347 kWel und 409 kWth, Gesamtwirkungsgrad 82 Prozent (In- betriebnahme 2005, Standort Ortszentrum Bersenbrück); erneuerte Anlagensteuerung der IFS Ulrich Schmidt, Bersenbrück Investition: rund 800 000 Euro für die Erweiterung Umweltschutz: CO2-neutrale Strom- und Wärmeerzeugung Infos,Daten,Analysen powernews_105x51.indd 1 19.12.12 12:17 ... mehr als Leckageüberwachung Member of FITR – DIN – FFI –AGFW – VfW –unichal BRANDES GMBH Ohmstraße 1 · D-23701 Eutin Tel. +49 (0) 45 21 807-0 Fax +49 (0) 45 21 807-77 brandes@brandes.de www.brandes.de Unabhängiges Denken hat unsere Unternehmen weitergebracht. 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