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Energie & Management, Ausgabe 13, 2014

1. Juli 2014 25KWK Krankenhaus Hotel Flughafen Automobilwerk Bürogebäude Universität Stadion Börse Olympiastadt Gewerbe-/Industriepark Einkaufszentrum Biogas-Bauernhof Fernwärme Fernkühlung Krankenhaus Hotel Flughafen Automobilwerk Bürogebäude Universität Stadion Börse Olympiastadt Gewerbe-/Industriepark Einkaufszentrum Biogas-Bauernhof Fernwärme Fernkühlung der Stadtwerke Paderborn, im Prin- zip einig. Sie streiten, oder neutraler gesagt, sie diskutieren über die Ge- staltung der energiewirtschaftlichen Rahmenbedingungen, die auch einen wirtschaftlichen Erfolg der KWK er- möglichen. Diese Fragestellung ist bis heute ein Teil der energiepolitischen Auseinandersetzungen geblieben, weil die Rahmenbedingungen immer noch nicht so gesetzt sind, dass sich die – auch nichtmonetären – volks- wirtschaftlichen Vorteile der KWK in der betriebswirtschaftlichen Rechnung wiederfinden. Betriebswirtschaftliche Rechnung negiert volkswirt- schaftliche Vorteile Der damalige Stein des Anstoßes, die Regelung einer Einspeisevergütung für private KWK-Anlagen in einer Verbän- devereinbarung des Bundesverbandes deutscher Industrie (BDI), des VDEW und des Verbandes industrieller Kraft- wirtschaft (VIK), ist hingegen längst Geschichte. Auch die Interessensvertre- tungen haben inzwischen gewechselt: Der VDEW hat mit dem Bundesver- band der deutschen Gas- und Wasser- wirtschaft (BGW), dem Hauptträger der Fördergemeinschaft Blockheiz- kraftwerke, zum Bundesverband der Energie- undWasserwirtschaft (BDEW) fusioniert, aus der Fördergemeinschaft ist der branchenübergreifende Bun- desverband Kraft-Wärme-Kopplung (B.KWK) entstanden. 1997hat sich der Gemeinde- rat der „Fünftälerstadt“ im Umland von Stuttgart entschie- den, die Wärmeversorgung des Neu- baugebiets Türkheim nicht nur wirt- schaftlich, sondern auch umwelt- freundlich zu gestalten. Mit der Um- setzung des Beschlusses wurde – no- men est omen – die Rationelle Ener- gie Süd GmbH (RES) beauftragt, die zu gleichen Teilen von der Energieversorgung Filstal GmbH & Co. KG, Göppin- gen, und der Alb-Elektri- zitätswerk eG, Geislingen, getragen wird. Der 1993 gegründete Geislin- ger Energiedienstleister, als Betrei- ber von lokalen Fernwärmenetzen und als Contractor tätig, hat für Türkheim eine Nahwärmeversor- gung mit Kraft-Wärme-Kopplung vorgeschlagen. Ein Konzept, dem die landeseigene Klimaschutz- und Energie-Agentur Baden-Württem- berg (KEA), Karls- ruhe, in einem Gutachten Wirt- schaftlichkeit und marktgerechte Fernwärmepreise bescheinigt hat. Darauf konnte die RES bei der Akquisition der Wärmekunden aufbauen. Einen An- schluss- und Benutzungszwang er- ließ aber der Gemeinderat für das Neubaugebiet nicht. Der Grund war ein – inzwischen vom Bundesverwal- tungsgericht aufgehobenes – Urteil, in dem Umweltschutzgründe als nicht ausreichend für einen solchen Eingriff in die Wahlfreiheit bei der Versorgung bezeichnet wurden. Der RES gelang es trotzdem, die potenzi- ellen Käufer zum Abschluss eines Wärmeliefervertrags zu bewegen, be- vor diese die bereits mit einer Wär- meanschlussleitung erschlossenen Grundstücke von der Gemeinde er- worben haben. Der Wärmeversorger beließ es al- lerdings nicht dabei, die Kunden nur zu gewinnen. Er half auch, durch in- tensive Beratung bei der Auslegung der Heizung im Haus den Bauherren Ko- sten zu sparen. So entschie- den sich fast alle Hausbesit- zer für die von RES angebo- tene Kompakt-Übergabesta- tion des dänischen Herstel- lers Redan. Diese sei nicht nur preisgünstig, sondern erlaube auch einen einfachen Betrieb, da sie ausschließlich durch die Thermos- tatventile der Hausheizung gesteuert werde, betont die RES. Außerdem wurde bei rund 90 Prozent der An- schlüsse auch die direkte Brauchwas- serbereitung ohne Warmwasserspei- cher mit in die Übergabestation inte- griert. Von den optimierten Hausheizun- gen profitierten nicht nur die Ver- braucher, sondern auch der Wärme- lieferant. So werden im Fernwärme- netz durchschnittliche Rücklauftem- peraturen zwischen 40 und 45 °C er- reicht, was in der Heizzentrale eine Brennwertnutzung ermöglicht. Das installierte erdgasbetriebene BHKW- Modul, das 50 kWel und 97 kWth lei- stet, ist mit einem zusätzlichen Wär- metauscher ausgerüstet, der durch Abgaskondensation die thermische Leistung noch um 15 bis 18 kW stei- gert. Der Brennstoffnutzungsgrad, auf den unteren Heizwert bezogen, erreicht damit 100 bis 102 Prozent. Doch obwohl die RES von der technischen Seite für günstige Ein- satzbedingungen sorgte, konnte die KWK-Anlage erst mit Verzögerung realisiert werden. Die ursprüngliche Planung ging davon aus, dass das BHKW installiert werden kann, so- bald etwa 60 Prozent der insgesamt 58 Wärmekunden an das Nahwärme- netz in Türkheim angeschlossen sind. Als aber dieser Erschließungs- grad Ende 2000 erreicht wurde, war aufgrund der dramatisch gesunke- nen Strompreise an einen wirtschaft- lichen BHKW-Betrieb nicht zu den- ken, zumal das Gesetz zum Schutz der Stromerzeugung aus Kraft-Wär- me-Kopplung vom 12. Mai 2000 keinerlei Förderung für neue KWK-Anlagen ge- währte. Erst im Vorfeld der Dis- kussionen um ein neues KWK-Gesetz fassten die RES-Verantwortlichen wie- der Mut. Im Oktober 2001 entschieden sie, das BHKW in Türkheim zu bauen. In einer Sam- melausschreibung, bei der für die Nahwärmeversorgung Türkheim so- wie für weitere Con- tracting-Projekte der RES insgesamt sieben 50-kW-Module ausge- schrieben wurden, setzte sich der Herfor- der BHKW-Hersteller Comuna Metall durch, mit dem auch ein Voll- wartungsvertrag für die Anlagen abgeschlossen wurde. Für die Nah- wärmeversorgung Türkheim lieferte Co- muna Metall nicht nur das BHKW-Modul, son- dern auch den zusätzli- chen Brennwert-Ab- gaswärmetauscher. Das BHKW-Modul wurde im März 2002 in die – in einer denkmal- geschützten Scheune untergebrach- te – Heizzentrale eingebaut, in der bereits ein Erdgas-Heizkessel von Buderus mit einer Leistung von 410 kW installiert war. Den Dauerbe- trieb nahm die KWK-Anlage im Mai auf; sie erfüllt damit die Vorausset- zungen des seit dem 1. April gültigen KWK-Modernisierungsgesetzes. So steht dem Betreiber für zehn Jahre ein Einspeisezuschlag von 5,11 Ct/kWh zu. Die RES-Mutter Alb-Elektrizitäts- werk, in dessen Niederspannungsnetz die gesamte BHKW-Stromproduktion eingespeist wird, vergütet den KWK- Strom mit insgesamt 8,5 Ct/kWh, KWK-Zuschlag, „üblicher“ Strompreis und vermiedene Netznutzungsentgel- te eingeschlossen. Auch dank der für effektive KWK-Anlagen gewährten Mi- neralölsteuerbefreiung lassen sich mit den Strom- und Wärmeerlösen die BHKW-Investitionen von rund 90 000 Euro in 7,5 Jahren amortisie- ren. Selbst wenn danach der gesetzli- che KWK-Zuschlag vollständig entfal- len sollte, kann das BHKW zu Grenz- kosten wirtschaftlich betrieben wer- den. Quasi umsonst kommt die Umwel- tentlastung hinzu: Bezogen auf das Baugebiet spart die KWK-Anlage jährlich 113,6 t an CO2 ein, wenn sie mit getrenntem Strombezug und mit Erdgas-Einzelheizungen vergli- chen wird. Gegenüber Heizöl-Hei- zungen vergrößert sich die CO2- Einsparung sogar auf 204,6 t/a. Wäre jedes der Häuser in dem Neubauge- biet mit Solarkollektoren ausgestat- tet, so würde sich die CO2-Minde- rung nur auf etwa 14 t/a summieren, errechnete die RES. Der Energiedienstleister setzt des- halb auch weiterhin auf KWK. Im nächsten Jahr ist eine weitere Sam- melausschreibung von fünf 50-kW- BHKW-Modulen für ein Nahwärme- projekt sowie für Contracting-Objek- te vorgesehen, zusätzlich ist der Ein- satz von zehn 30-kW-Modulen in der Planung. Jan Mühlstein 15. November 2002 Optimierte Rücklauf- temperatur ermöglicht Brennwert- nutzung Standort: Neubaugebiet Türkheim in Geislingen an der Steige Betreiber und Planer: Rationelle Energie Süd GmbH (RES), Geislin- gen an der Steige Nahwärmeversorgung: 960 m Haupttrasse, 500 m Hausanschluss- leitungen, Rücklauftemperatur 40 bis 45 °C, 52 angeschlossene Wärme- kunden (Stand Ende August 2002); Endausbau 58 Wärmekunden KWK-Anlage: erdgasbetriebenes BHKW-Modul Typ 2725-02 von Co- muna Metall, Herford, Leistung 50 kWel und 97 kWth, zusätzlicher Abgaswärmetauscher mit 15 bis 18 kW Brennwertnutzung, Gesamt- brennstoffnutzungsgrad (auf Hu be- zogen) 100 bis 102 Prozent 410-kW-Erdgas-Heizkessel Typ SE 625 von Buderus als Spitzen- und Reserveanlage Wirtschaftlichkeit: Einspeisever- gütung 8,5 Ct/kWh; BHKW-Investiti- on 90 000 Euro, Amortisationszeit 7,5 Jahre Umweltschutz: CO2-Einsparung von 113,6 t/a gegenüber Strombe- zug und Erdgas-Einzelheizungen, 204,6 t/a gegenüber Heizöl-Einzel- heizungen Auskunft: Cord Müller, Tel. 0 73 31/95 29 0, eMail cord.mueller@res-online.de Die Anlage auf einen Blick Eine auf niedrige Rücklauftemperaturen optimierte Nahwär- meversorgung der Rationellen Energie Süd GmbH im Stadt- teil Türkheim in Geislingen an der Steige macht den Einsatz eines Blockheizkraftwerks mit Brennwertnutzung möglich. Als Heizzentrale, in der ein BHKW-Modul von Comuna Metall und ein Buderus-Heizkessel installiert sind, dient eine denk- malgeschützte Scheune. KWK-Profiteure B H K W D E S M O N A T S 410-kW-Heizkessel von Buderus und 50-kW-BHKW-Modul von Comuna Metall in einer denkmalgeschützten Scheune Euro inkl. MwSt. CD Jahrbuch Energie-Contracting 2000 – Volltext-Datenbank 442 Unternehmensprofile von Energie-Contractoren geben einen umfassenden Überblick über das Leistungsangebot und die Tätigkeitsschwerpunkte 114,– Dampferzeugerpraxis Grundlagen und Betrieb von Heinz Lehmann 4. überarbeitete und ergänzte Ausgabe 2000 DINA5, 634 Seiten, gebunden, mit 550 Bildern u. 100 Tabellen 91,– Repetitorium Dampferzeuger Ein Übungsbuch mit 616 Aufgaben und Lösungen, 240 Seiten; 44,– PC-Lernsoftware zum Buch 50,50 Buch + PC-Lernsoftware: Paketpreis 84,30 Repetitorium Wärmetechnik Kraftwerke Übungsbuch mit Lernsoftware 63,40 Der Energie-Berater – Handbuch für die rationelle und umweltfreundliche Energienutzung unter Berücksichtigung der Nutzung erneuerbarer Energien Loseblatt-Sammlung in drei Bänden 101,30 Jahrbuch der europäischen Energie- und Rohstoffwirtschaft 2002 mit CD-ROM 188,– Vorzugspreis für E&M-Abonnenten 150,– IPP Fibel Technik – Verträge – cash flow von Gerhard Leser Buch und Diskette 91,– Veröffentlichungen des Forums für Zukunftsenergien Leitfaden für die Errichtung von Holzenergie-Anlagen Umsetzung – Wirtschaftlichkeit – Technologie (2000) 21,50 Tagungsband: Strom im Wettbewerb – Lohnen sich Investitionen in saubere Energien noch? (2000) 43,80 Tagungsband: Aktive Schadstoffminderung im „Off-road“-Bereich (2000) 20,– Tagungsband: 9. Internationales Energie-Forum Hamburg „Partner im Zukunftsmarkt erneuerbarer Energien“ (1999) 43,80 Tagungsband: 8. Internationales Energie-Forum Berlin „Marktkonforme Durchsetzung erneuerbarer Energien“ (1998) 27,– Studie: „Marktuntersuchung Bioenergie – Der Vernetzungs- bedarf von Unternehmen und Einrichtungen“ (1998) 11,– Studie: „Beschäftigungseffekte durch eine verstärkte Nutzung erneuerbarer Energien“ (1998) 38,– Tagungsband: 2. Nahverkehrsforum Paderborn „Umweltgerecht und bezahlbar – Antriebskonzepte des Nahverkehrs mit Zukunft“ (1998) 15,50 E&M BÜCHERE&M BÜCHER Alle Preise inkl. 7% MwSt. zuzüglich Porto und Verpackung ENERGIE & MANAGEMENT Verlagsgesellschaft mbH Schloß Mühlfeld 20 · 82211 Herrsching Postfach 13 29 · 82209 Herrsching Tel.: 08152/931120 · Fax: 08152/931122 · E-Mail: office@emvg.de 10/2002 2002 Standort: Neubaugebiet Türkheim in Geis- lingen an der Steige Betreiber und Planer: Rationelle Energie Süd GmbH (RES), Geislingen an der Steige Nahwärmeversorgung: 960 m Haupt- trasse, 500 m Hausanschlussleitungen, Rücklauftemperatur 40 bis 45 °C, 52 an- geschlossene Wärmekunden (Stand Ende August 2002); Endausbau 58 Wärme- kunden KWK-Anlage: erdgasbetriebenes BHKW- Modul Typ 2725-02 von Comuna-Metall, Herford, Leistung 50 kWel und 97 kWth, zusätzlicher Abgaswärmetauscher mit 15 bis 18 kW Brennwertnutzung, Gesamt- brennstoffnutzungsgrad (auf Hu bezogen) 100 bis 102 Prozent; 410-kW-Erdgas- Heizkessel Typ SE 625 von Buderus als Spitzen- und Reserveanlage Wirtschaftlichkeit: Einspeisevergü- tung 8,5 Ct/kWh; BHKW-Investition 90 000 Euro, Amortisationszeit 7,5 Jahre Umweltschutz: CO2-Einsparung von 113,6 t/a gegenüber Strombezug und Erdgas-Einzelheizungen, 204,6 t/a gegenüber Heizöl-Einzelheizungen 15. Juli 2003 Seite 23 D as Universitätsklinikum Frei- burg, dessen erste Kliniken 1926 bis 1931 gebaut wurden, ist mit über 60000 stationären und rund 375000 ambulanten Patienten pro Jahr sowie mit 1700 Planbetten ein gewaltiger Energieverbraucher. Versorgt wird es durch ein eigenes Heizkraftwerk, an dessen weit ver- zweigtes, bei 5 bar betriebenes Fern- dampfnetz nicht nur die Liegen- schaften des Klinikums und der Uni- versität, sondern auch zahlreiche öf- fentliche und private Gebäude in Freiburgs Innenstadt angeschlossen sind. Die Wärme-Grundversorgung stel- len zwei mit Steinkohle sowie zu- sätzlich mit leichtem Heizöl befeuer- te Hochdruckheißdampfkessel si- cher, deren Abgase in einer Rauch- gasreinigungsanlage entschwefelt und mit Schlauchfiltern entstaubt werden. Die rund 90 t/h Dampf, die beide Kessel mit einer Temperatur von 480 °C bei 60 bar liefern (thermi- sche Leistung je Kessel 37,6 MW), werden in zwei Gegendruck-Dampf- turbinen – die erste mit 8 MW, die zweite mit 12,8 MW Leistung – auf 5 bar entspannt. Dies reichte zusam- men mit einem heizölgefeuerten Spitzenlast-Sattdampfkessel (Dampfleistung 25 t/h bei 13 bar und 200 °C, entsprechend 16,4 MW) und einem ebenfalls heizölgefeuerten Hochdruck-Heißdampfkessel (Dampfleistung 75 t/h bei 60 bar und 480 °C, entsprechend 60 MW) sowie mit zwei 0,5 MW Diesel-Notstromag- gregaten lange aus, um rund drei Viertel des Strombedarfs des Klini- kums aus Eigenerzeugung zu decken und auch bei Netzausfall einen siche- ren Betrieb zu garantieren. 1997 zeichnete sich aber ab, dass – trotz einer Reihe erfolgreicher Ener- giesparprojekte – wegen des überpro- portional anwachsenden Stromver- brauchs in Sommermonaten Eng- pässe bei der Notstromversorgung drohten. Daher wurde ein Um- und Ausbau des Heizkraftwerks beschlos- sen, um die Stromkennziffer der Kraft-Wärme-Kopplung zu erhöhen und so bei gleich bleibender Wär- meerzeugung die Stromproduktion zu steigern. Als erster Schritt dazu wurde 1999 zusätzlich ein heizölbetriebenes Die- selmotor-Blockheizkraftwerk (mit SCR- und Oxidations-Katalysator zur Abgasreinigung) installiert, wobei die ausgekoppelte Wärme zur Konden- satvorwärmung und Dampferzeu- gung in die beiden Kohlekessel ein- gebunden und damit deren Brenn- stoffverbrauch reduziert wurde. Die elektrische Leistung des BHKW von 1 MW hätte den damaligen Schät- zungen zu Folge vier bis fünf Jahre reichen sollen, um den Strombe- darfszuwachs zu kompensieren. Bedingt durch den Bau neuer Ge- bäude und die zunehmende Ausrüs- tung der Universitäts- klinik mit medizini- schen Geräten stieg der Wärme- und Stromverbrauch kon- tinuierlich steil an, so dass ein weiterer Aus- bau des Heizkraft- werks bereits früher notwendig wurde. Diesmal entschieden sich die Verantwortli- chen für eine 5 MW- Gasturbine von Kawa- saki, die 2001 instal- liert und im Herbst 2002 in Betrieb ge- nommen wurde. Der wärmetechnischen Einbindung der neu- en KWK-Anlage kam zugute, dass die sechs auf drei Ebenen ange- brachten Heizölbren- ner des bisherigen Hochdruck-Heiß- dampfkessels bei dem 1999/2000 durchge- führten Umbau des Heizkraftwerks so saniert wurden, dass sie sowohl mit Frischluft als auch mit den sauerstoffhaltigen Gas- turbinenabgasen betrieben werden können. Damit wird die mit leichtem Heizöl gefeuerte Gasturbine, die ei- nen Solo-Stromwirkungsgrad von rund 29 % hat, zu einer hocheffekti- ven kombinierten Gas- und Dampf- turbinenanlage, denn der im Kessel mit den Turbinenabgasen produzier- te Hochdruckdampf wird in den vor- handenen Dampfturbinen zur Strom- erzeugung entspannt und danach für die Fernwärme genutzt. Durch die GuD-Schaltung wurde die Stromkennziffer je nach Be- triebszustand auf 0,4 bis 0,5 gegenü- ber der alten Dampfturbinenanlage verdoppelt. Die erhöhte Stromkapa- zität ist nicht nur für den Notstrom- betrieb ausreichend, sondern die GuD-Anlage speist auch im Normalbe- trieb Überschussstrom in einen eigenen externen Bilanzkreis ein, der als KWK-Strom vermarktet wird. Zusätzlich bezahlt der Netzbetreiber nach dem KWK-Gesetz einen Ein- speisezuschlag. Dazu wurden die Dampfturbinen als alte Bestandsan- lage und der GuD-Teil als moderni- sierte Bestandsanlage im Januar 2003 zertifiziert. Bezogen auf die gelieferte Wärme sind die spezifischen CO2-Emissio- nen des Heizkraftwerks von 407 kg/ MWh in 1997 auf 392 kg/MWh in 2000 und 323 kg/MWh in diesem Jahr um insgesamt 21 % gesunken, wenn für die Stromerzeugung das dem bundesdeutschen Kraftwerks- mix entsprechende CO2-Equivalent von 672 kg/MWh gutgeschrieben wird. Ab 2004 werden die Emissio- nen nochmals sinken, denn dann wird über eine neue Hochdrucklei- tung (20 bar) mit einer Transport- leistung von 150 MW Erdgas zur Ver- fügung stehen. Zuerst wird dann die auf Zweistoff-Betrieb ausgelegte Gas- turbine auf Erdgas umgestellt, wobei ein kostengünstiger, abschaltbarer Gasbezug vereinbart ist. Jan Mühlstein Im Heizkraftwerk des Uni- versitätsklinikums Freiburg wurde einem Heizöl-Kessel eine 5 MW-Gasturbine von Kawasaki vorgeschaltet, um auch bei Netzausfall den ge- stiegenen Strombedarf sicher decken zu können. Dadurch konnte der spezifische CO2- Ausstoß um 20% gesenkt werden. Wenn ab 2004 eine neue Hochdruckleitung die Umstellung auf Erdgas er- möglicht, wird die Umwelt nochmals entlastet. Therapie fürs Klima Die Kessel wurden für die Abgas- Nutzung umgebaut Die 5-MW-Turbine wird mit leichtem Heizöl befeuert Die neue Gasturbine schwebt ein Bosch bei Buderus am Ziel Die Stuttgarter Robert Bosch GmbH hält neuerdings etwa zwei Drittel der Aktien des Wetzlarer Heizungsbauers Buderus AG. Ein Sprecher des Stutt- garter Unternehmens bestätigte ei- nen entsprechenden Bericht des Handelsblatts, wonach im Zuge des Mitte Juni geendeten Übernahmean- gebots an die Aktionäre bereits ein großer Schwung Anteilscheine von Bosch übernommen worden seien. Vor dem seit Anfang Mai gültigen An- gebot war Bosch bei rund 47% der Buderus-Anteile, Mitte Juni waren es bereits etwa 66%. Ziel war die Mehr- heit, die schon mehr als erreicht ist. Bosch will mit Buderus ihre Pro- duktpalette erweitern. Auch die Ver- triebsnetze der beiden Unternehmen ergänzen sich. Die Hauptmarken Bu- derus und Junkers sollen erhalten bleiben. Alle drei Geschäftsbereiche der Buderus AG – neben Heiztechnik noch Guss und Edelstahl – sollen fortgeführt werden, bestätigte der Sprecher. Die Übernahme muss noch von den EU-Kartellbehörden geneh- migt werden. B H K W D E S M O N A T S Standort und Betreiber: Universitätsklinikum Freiburg Planung und Beratung: SGEU Gesellschaft für Energie und Umwelt mbH, Jörg Grotefendt, Frei- burg; Dipl.-Ing. Hendrik Glaser, Ge- schäftsbereich Technik des Universi- tätsklinikums Freiburg; Besonderheit: Umbau eines Dampf- heizkraftwerkszurkombinierten Gas- und Dampfturbinen-Anlage (GuD) Gasturbine: GPB 60 D von Kawasaki Heavy Industries Ltd. für Zweistoff- Betrieb (leichtes Heizöl und Erd- gas H), elektrische Leistung 5 MW; Packager, Lieferant und Service Ka- wasaki Gas Turbine Europe GmbH, Bad Homburg; Umweltschutz: Um ca. 20% verrin- gerte spezifische CO2-Emissionen; Auskunft: Hendrik Glaser, hendrik.glaser@uniklinik-freiburg.de; Jörg Grotefendt, Tel. 0761/80118, sgeu.jg@t-online.de; Lutz Fricke, Tel. 06172/73630, fricke@kge-gmbh.com Die Anlage auf einen Bli Dieser Beitrag ist urheberrechtlich ge- schützt. Ohne Zustimmung des Verlages und der Autoren sind Übersetzungen, Nachdruck – auch von Abbildungen –, Ver- vielfältigungen auf photomechanischem oder ähnlichem Wege oder im Magnetton- verfahren, Vortrag, Funk- und Fernsehsendungen sowie Spei- cherung in Datenverarbeitungsanlagen – auch auszugsweise – verboten. © Energie & Management Verlagsgesellschaft mbH, Herrsching 2003 Standort und Betreiber: Universitätsklini- kum Freiburg Planung und Beratung: SGEU Gesell- schaft für Energie und Umwelt mbH, Jörg Grotefendt, Freiburg; Dipl.-Ing. Hendrik Glaser, Geschäftsbereich Technik des Universitätsklinikums Freiburg Besonderheit: Umbau eines Dampfheiz- kraftwerks zur kombinierten Gas- und Dampfturbinen-Anlage (GuD) Anlage: Gasturbine GPB 60 D von Kawasaki Heavy Industries Ltd. für Zwei- stoffbetrieb (leichtes Heizöl und Erdgas H), elektrische Leistung 5 MW; Packager, Lieferant und Service Kawasaki Gas Turbine Europe GmbH, Bad Homburg; Umweltschutz: um ca. 20 Prozent ver- ringerte spezifische CO2-Emissionen B ei der deutschen Microsoft- Zentrale in Unterschleißheim ist alles auf Flexibilität und Mobilität ausgelegt. Schon der Standort für den im vergangenen Jahr bezogenen Bürokomplex mit 1 450 Arbeitsplätzen – nur 15 Minu- ten vom Münchner Flughafen und ein paar Gehminuten von einer S-Bahn-Station entfernt – ist danach gewählt. Die auf 37 000 m2 untergebrachten Mitarbeiter scheinen auch ständig in Bewegung zu sein, denn zwei Drittel von ihnen ziehen mindestens einmal im Jahr um, wenn für neue Produkte und neue Kunden die Teams umgebil- det werden. Entsprechend flexibel sind das Hochleistungsnetzwerk so- wie die Lüftungs- und Klimatechnik gestaltet, die von der ABB Gebäude- technik installiert wurden. Genauso wichtig ist den IT-Speziali- sten die Sicherheit. So wurden zwei komplette, parallel betriebene Re- chenzentren eingerichtet, die in un- terschiedlichen Gebäuden unterge- bracht, an getrennten Stromkreisen angeschlossen und durch unterbre- chungsfreie Stromversorgung (USV) abgesichert sind. Der dritte Grundsatz heißt Unab- hängigkeit. So hat Microsoft die futu- ristischen Gebäude nicht selber er- richtet, sondern von der „USH 2000“ gemietet, zu der sich für das rund 130 Mio. DM teure Investitionsobjekt in Unterschleißheim die Heidelberger FOM Future Office Management und die G. A. Müller Hausbau aus Waghäu- sel zusammengeschlossen haben. Flexibel, sicher und unabhängig musste auch die vom Ingenieurbüro Fischer & Fey aus Olching geplante Energieversorgung der Microsoft- Zentrale werden. Daher wurde früh- zeitig beschlossen, auf Kraft-Wärme- Kälte-Kopplung (KWKK) zu setzen und die Dienste eines Contractors in Anspruch zu nehmen. Die internatio- nale Ausschreibung im Januar 1999 gewann gegen namhafte Wettbewer- ber die ABB Energie Service, Essen, mit einem technischen Konzept der ebenfalls in Essen ansässigen ABB Energiesysteme. Der Contracting- Vertrag wurde für 15 Jahre im Juli 1999 geschlossen, der Bau der Anlage im Januar 2000 begonnen. Sieben Monate später konnte die mit ei- nem Investitionsaufwand von 5,2 Mio. DM errichtete Energiezentrale in Betrieb gehen; seit September liefert ABB Strom, Wärme und Kälte an das IT- Unternehmen. Bei der Auslegung der KWKK-Anla- ge war entscheidend, dass sich der Wärme- und Kältebedarf (2 850 bezie- hungsweise 4 180 kWh/a) jahreszeit- lich gut ergänzen, so dass die von den drei installierten BHKW-Modulen ge- lieferte Wärme sowohl zum Heizen, als auch in der 800-kW-Absorptions- kältemaschine 16JB047 von Carrier zur umweltgerechten Kühlung ohne chemische Kältemittel genutzt wer- den kann. Zwar müs- sen die Rechnerräu- me das ganze Jahr gekühlt werden, wofür eine Kälteleis- tung von 400 kW benötigt wird, aber bei Außentemperatu- ren unterhalb von 5 °C – gerade wenn der Heizbedarf höher wird – reicht dafür die freie Kühlung aus. Wenn hingegen im Sommer nicht geheizt werden muss, wird zu- sätzlich Kälte zur Klimatisierung der Büroräume gebraucht, so dass in der Spitze eine Kälteleistung von bis 1 300 kW zur Verfügung stehen muss. Diese deckt dann neben der Absorpti- onskältemaschine eine ebenfalls von Carrier gelieferte elektrisch betriebe- ne 500-kW-Kompressionskälteanlage 30HXC130. In den Kältekreislauf ein- gebunden sind vier auf dem Dach des Hauptgebäudes aufgestellte Rück- kühlwerke, die im Winter auch für die freie Kühlung sorgen und außerdem die Notkühlung des Blockheizkraft- werks absichern. Die drei von der niederländischen ABB Energiesystemen (vormals Zan- tingh) gebauten BHKW-Module Zen- tec 475 sind, schwingungsgedämpft aufgestellt, in einer gemein- samen Schallschutz-Kapse- lung untergebracht, damit ihr Betrieb das Wohlbefin- den der darüber arbeitenden Microsoft-Truppe nicht be- einträchtigt. Die platzspa- rende Anordnung ist genauso wie die ausgeklügelte Verrohrung der Anlage auf den knapp dimensionierten Raum abgestimmt, für den schließlich Miete an den Gebäudeeigentümer zu zahlen ist. Jedes der Module, mit einem erdgasbetriebenen gemischaufgela- denen Waukesha-Magermotor aus- gerüstet, hat eine elektrische Leistung von 475 kW und eine thermische von 621 kW. Oxidationskatalysatoren sor- gen dafür, dass die Grenzwerte der TA Luft sicher eingehalten werden. Zu- sätzlich zum BHKW ist ein 1 500-kW- 94 BHKW des Monats 2001 15. Juni 2001 Flexibel, sicher und kosten- günstig ist die Wärme-, Kälte- und Stromversorgung der Microsoft-Zentrale bei Mün- chen. Dafür sorgt eine aus drei BHKW-Modulen, einer Absorptionskältemaschine und einer Kompressionskäl- teanlage bestehende Energie- zentrale, die ABB Energie Service als Contractor und ABB Energiesysteme als Ge- neralunternehmer errichtet haben. Ideen für IT-Bedarf Flexibel, sicher und unabhängig durch Kraft- Wärme-Kälte- Kopplung Drei BHKW-Module mit Waukesha-Gasmoto- ren liefern Strom und Wärme für Heizung und Kälteerzeugung BHKW des Jahres 2001 2001 Nutzer: Microsoft Deutschland, Unter- schleißheim bei München Planung: Ingenieurbüro Fischer & Fey, Olching Betreiber: ABB Energie Service, Essen Generalunternehmer: ABB Energiesyste- me, Essen Anlage: drei BHKW-Module Zantec 475 von ABB Energiesystemen (vormals Zantingh) mit Waukesha-Magergemisch- Gasmotoren und Oxidationskatalysatoren (Auslegung nach TA Luft), Leistung je 475 kWel und 621 kWth; 1 500-kW-Spit- zenlastkessel von Fröling; zwei unter- irdische 40-m3-Heißwasserspeicher; eine 800-kW-Absorptionskältemaschine 16JB047 und eine 500-kW, Kompressions- kälteanlage 30HXC130, beide von Carrier; vier am Gebäudedach installierte Rück- kühlwerke; Fernüberwachung und –steue- rung durch das Operation Management System (OMS) der ABB Energiesysteme, Essen; Elektrotechnik und Lüftungsanlagen von ABB Gebäudetechnik, München E s steckte wohl keine Berech- nung dahinter, dass das im Fe- bruar 2003 eröffnete Freizeit- bad AquaMagis im sauerländischen Plettenberg in der Nähe des Alumini- umwalzwerks Ohle der Alcan Deutschland GmbH errichtet wurde. Als 1998 die Idee aufgegriffen wurde, das alte Freibad und das Hallenbad – beide in hohem Maße sanierungsbe- dürftig – zu ersetzen, war die mögli- che Wärmeversorgung kein Stan- dortkriterium. Dass die Nachbar- schaft zum Walzwerk für eine ener- gie-, umwelt- und kosteneffiziente Energieversorgung genutzt wird, ist allerdings kein Zufall, sondern der Findigkeit der agn Paul Niederberg- haus & Partner GmbH aus Pader- born als Generalplaner der Freizeit- anlage zu verdanken. Bei der Produktion von Ver- packungen und Menüschalen aus Al- uminium fällt nämlich eine ganze Menge Abwärme an, allerdings auf einem bescheidenen Temperaturni- veau bis etwa 45 °C. So warm ist das genutzte Walzöl, das bisher für den Wiedereinsatz aufwendig in Nass- kühltürme auf 25 °C gekühlt werden musste. Hier setzt die von den Klima- und Kältetechnikspezialisten der York Deutschland GmbH in Mannheim als Generalunternehmer gelieferte To- talenergie-Anlage an, die auf Kosten der von der Stadt gegründeten Aqua- Magis Plettenberg GmbH im Alcan- Werk errichtet wurde und seit Ende 2003 über eine rund 740 m lan- ge Nahwärmeleitung das Freizeitbad mit Wärme versorgt. Dabei heizt das 45 °C warme Walzöl, das aus einem Vorlagebehälter entnommen wird, den Verdampfer einer York-Wärme- pumpe mit einer Kälteleistung von 518 kW und wird auf 25 °C ab- gekühlt. Das in der Wärmepumpe verwendete Kältemittel R134a wird mit einem Schraubenverdichter auf den Druck von etwa 22 bar gebracht und gibt im Verflüssiger Wärme mit einer Leistung von 701 kW auf das Heizwasser ab, das aus dem Freizeit- bad mit einer Rücklauftemperatur von 45 °C ankommt. Angetrieben wird der Verdichter der Wärmepum- pe durch ein BHKW der MWB Moto- renwerke Bremerhaven AG, in dem ein mit Erdgas betriebener MTU-Gas- motor eingesetzt ist. Die Wärme des Motor-Ölkühlers (Leistung 30 kW) und die Abgaswärme (einschließlich Abgaskondensator 321 kW) werden ebenfalls für die Aufheizung des Heiz- wassers genutzt, so dass die für die Grundlast des Freizeitbades benötigte Wärmeleistung von 1052 kW zur Verfügung steht und auch die vorge- gebene Vorlauftemperatur im Aqua- Magis von 75 °C erreicht wird. Wie Messungen – zur Überraschung aller Beteiligten – ergeben haben, liegen die Leitungsverluste bei nicht mehr als 2 K. Zwischen dem BHKW und dem Verdichter ist über elektromagneti- sche Kupplungen ein Asynchronge- nerator zwischengeschaltet, der eine elektrische Leistung bis 220 kW be- reitstellt. Wenn die Wärmepumpe mit Volllast läuft, produziert der Ge- nerator allerdings nur mit seiner Mi- nimalleistung von etwa 25 kW Strom für den Eigenverbrauch der Anlage. Ein pfiffiges Regelkonzept sorgt dafür, dass der Gasmotor trotz einer wärmegeführten Fahrweise mög- lichst lange mit konstanter Last lau- fen kann, was der Anlage einen ho- hen Wirkungsgrad sichert. Bei einem verringerten Wärmebedarf des Bades wird über den Kondensationsdruck im Verflüssiger die Leistung der Wär- mepumpe verringert. Die elektroni- sche Regelung des BHKW bewirkt gleichzeitig, dass die vom Verdichter nicht benötigte Leistung im Genera- tor zur erhöhten Stromproduktion genutzt wird. Der Überschussstrom wird auf der Mittelspannungsebene in das Netz der Mark E eingespeist und von den Stadtwerken Pletten- berg abgenommen. Die Leistung der Wärmepumpe kann bis auf 30 % reduziert werden, wobei dann eine Wärmeleistung von 316 kW zur Verfügung steht, die über weite Teile des Jahres vom Frei- zeitbad abgenommen werden kann. Sinkt der Wärmebedarf noch darun- ter, wird die Wärmepumpe abgekop- pelt und das BHKW solo in Teillast betrieben, womit die Wärmebereit- stellung bis auf rund 190 kW redu- ziert werden kann. Nur an ganz heißen Tagen muss auch das BHKW abgeschal- tet werden und wird erst in den Morgenstunden des nächsten Tages wieder in Betrieb genommen. Die Totalenergieanlage, die im Rahmen eines auf zehn Jahre abge- schlossenen Vertrags von der York- Niederlassung in Essen gewartet wird, deckt die Wärmegrundlast von AquaMagis. Die Spitzenlast liefern zwei im Freizeitbad installierte Gas- kessel mit einer Leistung von insge- samt 2,1 MW. Sie werden auch zur Absicherung der Versorgung benötigt, denn weder ist Alcan eine Abwärmelieferverpflichtung einge- gangen, noch hat AquaMagis eine Abnahmepflicht. Die Vorteile für die beiden beteiligten Unternehmen sind aber stark genug, um das Projekt zu tragen. Das Aluminiumwalzwerk stellt die Abwärme unentgeltlich zur Verfügung und profitiert davon, dass die bisher eingesetzten Walzöl-Kühl- einrichtungen weniger gebraucht werden, was Strom für den Betrieb der Pumpen und Lüfter sowie Wasser spart. Außerdem entstehen kaum mehr lästige Nebelschwaden, die sich früher an den Kühltürmen vor allem bei kalter Witterung bildeten, bei der nun die Wärmepumpe ihre volle Kühlleistung bereitstellt. Für AquaMagis hat sich die Investi- tion von 1,2 Mio. Euro gelohnt, die der Bau der Energieanlage samt Gebäude und Fernwärmetrasse ge- kostet hat (wobei das Land Nordrhein- Westfalen aus seinem Fernwärme- programm einen Zuschuss von 180 000 Euro ge- währt hat). Sie si- chert dem Freizeit- bad eine wirt- schaftliche Wär- meversorgung und entlastet durch die erreichte Primär- energieeinsparung die Umwelt von Schadstoffen. Ge- genüber einer kon- ventionellen Wär- meversorgung wird der Ausstoß an CO2 um 30 %, dies entspricht 700 t/a, reduziert. Jan Mühlstein E&M Seite 15, 15. November 2004 Eine Totalenergieanlage, bei der eine Wärmepumpe von York mit einem Gasmotor- Blockheizkraftwerk der Moto- renwerke Bremerhaven (MWB) gekoppelt ist, nutzt 45 °C heiße Abwärme eines Aluminiumwalzwerks zur Ver- sorgung des Freizeitbads AquaMagis in Plettenberg mit Wärme und speist KWK- Strom ins Netz. Standort: Aluminiumwalzwerk Ohle der Alcan Deutschland GmbH in Plettenberg Betreiber und Nutzer: AquaMagis Plettenberg GmbH Generalplaner: agn Paul Niederberg- haus & Partner GmbH, Ibbenbüren Besonderheit: Nutzung von indu- strieller Abwärme durch eine Kombi- nation aus Wärmepumpe und Gasmo- tor-BHKW zur Versorgung eines Frei- zeitbades; ein Regelkonzept, bei dem durch Arbeitspunktverschiebung zwi- schen Wärmepumpen- und Generato- renbetrieb eine wärmegeführte Fahr- weise bei weitgehend konstanter Gas- motorlast erreicht wird Anlage: Schraubverdichter-Wär- mepumpe der York Deutschland GmbH mit 518 kW Kälteleistung und 701 kW Heizleistung; erdgasbetrie- benes BHKW der MWB Motorenwer- ke Bremerhaven AG (Gasmotor MTU) mit einer Leistung von 351 kW thermisch und 220 kW elektrisch, Generalunternehmer York Deutsch- land GmbH; Absicherung der Wärmeversor- gung durch zwei Gaskessel mit einer Gesamtleistung von 2,1 MW Investition: 1,2 Mio. Euro Umweltschutz: Verringerte Abwär- meangabe, CO2-Ausstoß um 700 t/a (30 %) reduziert Auskunft: Bernhard Bergjan, Tel. 0 54 51/59 01 0, b.bergjan@agn.de Joachim Maibaum, Tel. 06 21/46 86 19, joachim.maibaum@de.york.com Die Anlage auf einen Blick Baden mit Abwärme B H K W D E S M O N A T S Flexibles Verhältnis der Wärme- und Stromleistung 1 MW Wärme und 220 kW Strom stellen im AquaMagis die York-Wärmepumpe und das MWB-Blockheizkraftwerk im Kombi-Betrieb aus Walzöl- Abwärme und Erdgas bereit (Foto: Marcel Hoefsloot) KWK kompakt www.kawasaki-gasturbine.de ANZEIGE Dieser Beitrag ist urheberrechtlich ge- schützt. Ohne Zustimmung des Verlages und der Autoren sind Übersetzungen, Nachdruck – auch von Abbildungen –, Ver- vielfältigungen auf photomechanischem oder ähnlichem Wege oder im Magnetton- verfahren, Vortrag, Funk- und Fernsehsendungen sowie Spei- cherung in Datenverarbeitungsanlagen – auch auszugsweise – verboten. © Energie & Management Verlagsgesell- schaft mbH, Herrsching 2004 Standort: Aluminiumwalzwerk Ohle der Alcan Deutschland GmbH in Plettenberg Betreiber und Nutzer: AquaMagis Pletten- berg GmbH Generalplaner: agn Paul Niederberghaus & Partner GmbH, Ibbenbüren Besonderheit: Nutzung von industrieller Abwärme durch eine Kombination aus Wärmepumpe und Gasmotor-BHKW zur Versorgung eines Freizeitbades; ein Regel- konzept, bei dem durch Arbeitspunktver- schiebung zwischen Wärmepumpen- und Generatorenbetrieb eine wärmegeführte Fahrweise bei weitgehend konstanter Gasmotorlast erreicht wird Anlage: Schraubverdichter-Wärmepumpe der York Deutschland GmbH mit 518 kW Kälteleistung und 701 kW Heizleistung; erdgasbetriebenes BHKW der MWB Motorenwerke Bremerhaven AG (Gasmotor MTU) mit einer Leistung von 351 kWth und 220 kWel, Generalunternehmer York Deutschland GmbH; Absicherung der Wärmeversorgung durch zwei Gaskessel mit einer Gesamtleistung von 2,1 MW Investition: 1,2 Mio. Euro Umweltschutz: verringerte Abwärmeanga- be, CO2-Ausstoß um 700 t/a (30 Prozent) reduziert D as erste BHKW-Modul, das von der MDE Dezentrale Energiesysteme in Augsburg gefertigt wurde und mit einem MAN- Gasmotor eine elektrische Leistung von 210 kW und eine Wärmeleistung von 320 kW bereitstellt, hat das badi- sche Unternehmen En- de 1996 in Betrieb ge- nommen. Damals ging es vorrangig darum, die hohen Strombezugs- kosten zu senken, die vor allem die betriebsei- gene Gießerei verur- sachte. Dort ersetzten im Herbst 1994 zwei Elektro-Schmelzan- lagen mit einer Leis- tung von je 2,5 MW die bisher eingesetzten Koksöfen, womit zwar die bei der Innenstadtla- ge des Betriebs nicht mehr akzeptablen Schad- stoffemissionen beseitigt wurden, gleichzeitig aber der Stromver- brauch in die Höhe schnellte. Dies machte die In- stallation eines Block- heizkraftwerks attrak- tiv, zumal es im Werk ein Warmwas- sernetz gab, das bei einer zwischen 1990 und 1993 erfolgten Neustruktu- rierung des 60 000 m2 großen Be- triebsgeländes erweitert wurde. Er- gänzt wurde das BHKW durch ein Lastmanagementsystem, mit dem die besonders teueren Lastspitzen vermieden werden. Dabei können die Schmelzöfen in fünf Stufen um je- weils 200 kW zurückgefahren wer- den, was allerdings nur für wenige Minuten notwendig ist und den Schmelzprozess lediglich ver- langsamt. Mit in das Lastmanage- ment einbezogen wurden Heizungs- pumpen und Lüftungsanlagen in den Werkshallen, die über Gebäudeleit- technik angeschlossen sind (siehe auch Energie & Management vom 15. Oktober 1997, Seite 17 „BHKW des Monats: Musterschüler“). Damit war aber das KWK-Poten- zial bei Allweiler noch nicht ausge- schöpft. Berechnungen zeigten, dass auch ein zweites BHKW-Modul zur Deckung des eigenen Wärme- und Strombedarfs eingesetzt werden könnte. Die seit Beginn der Liberali- sierung des Energiemarktes purzeln- den Strompreise machten allerdings einen Strich durch die Wirtschaft- lichkeitsrechnung solcher KWK-Pro- jekte. Doch Gerald Thom, Leiter der für die Energieversorgung zuständi- gen Abteilung Gebäudemanagement, Arbeitssicherheit und Umweltschutz, blieb skeptisch, wie lange der Strom so billig bleibt. Daher suchte er nach einem Ausweg und fand ihn: Er griff zu, als ihm der Anlagenbauer Werr und Ludwig aus Hüfingen bei Do- naueschingen günstig ein gebrauch- tes BHKW-Modul anbot. Das Aggre- gat mit einer elektrischen Leistung von 210 kW und 348 kW Wärmeleis- tung aus einem Hallenbad in Über- lingen, ebenfalls von MDE Augsburg gebaut und mit einem MAN-Gasmo- tor ausgestattet, war drei Jahre alt und hatte erst rund 6 000 Betriebs- stunden auf dem Buckel. In dem Pumpenwerk wurde es Ende 2000 in Betrieb genommen und hat sich, wie das erste BHKW-Modul, in zwei Jah- ren amortisiert. Mit der gleichen Amortisationszeit – bei inzwischen deutlich steigenden Strompreisen – rechnet Thom auch für das dritte BHKW-Modul, das seit Oktober 2004 in Betrieb ist. Nach den guten Erfahrungen mit MDE- Anlagen – außer den planmäßigen Wartungen hat es keine Ausfälle ge- geben – wurde wieder ein BHKW des Augsburger Herstellers gewählt, diesmal mit einer elektrischen Leis- tung von 357 kW und einer Wärme- leistung von 529 kW. Lieferant der Anlage ist die Etamax Energieanla- gen GmbH aus Graben, die auch für Service und Wartung der drei Modu- le im Rahmen eines Vollwartungs- vertrags sorgt. Für das neue Modul, das auch im Sommer zwischen 6 und 16 Uhr ein- gesetzt wird, rechnet Thom mit rund 6 000 Betriebsstunden im Jahr, nachdem die anderen Module bisher durchschnittlich 5 400 beziehungs- weise 4 400 Betriebsstunden pro Jahr liefen. Die zusätzliche Kapazität wird gebraucht, da dank guter Absatzent- wicklung die Gießerei jetzt volle zwei Schichten in Betrieb ist. Um Strom auch bei fehlendem Wärmebedarf er- zeugen zu können, wurde zusätzlich ein Heißwasser-Schichtenspeicher mit einem Volumen von 20 m3 aufge- stellt. Außerdem wurde ein Not- kühler installiert, so dass das neue BHKW-Mo- dul bei Netzausfall spätes- tens nach 20 Minuten die Not- stromversorgung der EDV-Anla- gen übernimmt, die ansonsten un- terbrechungsfrei durch Batterien ab- gesichert sind. Für die neuen Anla- gen wurden erneut aus Eigenmitteln insgesamt 250 000 Euro investiert. Die KWK-Anlage deckt nun 30 Prozent des Strombedarfs und zwei Drittel des Wärmebedarfs des Werkes. Die restliche Wärme liefern zwei Heizkessel mit Leistungen von 600 und 1 800 kW, die seit Novem- ber 2004 nur noch mit Öl betrieben werden, während in dem BHKW aus- schließlich Erdgas eingesetzt wird, das die Stadtwerke liefern. Dem Pumpenhersteller kommt dabei zu- gute, dass er durch die KWK-Eigen- stromerzeugung zum Erdgas-Groß- abnehmer wurde. Damit kommt er in den Genuss von Mengenrabatten, die den neuerlichen Gaspreisanstieg kompensieren. Den zusätzlich benötigten Strom liefern die Stadtwerke, wobei dank der in das Lastmanagement einbezo- genen BHKW-Module die Bezugs- leistung auf 3,5 MW begrenzt bleibt. Die Stadtwerke nehmen auch den im BHKW erzeugten und im Werk nicht verbrauchten Strom ab und vergüten ihn entsprechend dem KWK-Gesetz. Diese Einnahmen haben, trotz des gesetzlichen Einspeisezuschlags, für die Wirtschaftlichkeit der Eigener- zeugung eine eher marginale Bedeu- tung. Erheblich ist hingegen die Ent- lastung durch die für KWK-Anlagen gewährte Mineralölsteuer-Rücker- stattung. Das erste BHKW-Modul erreicht einen Gesamtnutzungsgrad von 86 Prozent, das zweite 89 Prozent und das dritte 90 Prozent. Der elek- trische Wirkungsgrad der MAN-Mo- toren stieg gleichzeitig von 34 auf 36 Prozent. Dank der effizienten Nut- zung des eingesetzten Brennstoffs hat das badische Unternehmen bis Ende 2004 die Umwelt bereits um mehr als 9 000 t CO2 entlastet. Doch auch bei drei Modulen ist für Thom der Ausbau der KWK bei All- weiler noch nicht zuende. Im Blick hat er eine benachbarte Grund- und Hauptschule, die um eine Turnhalle erweitert wird. Da die Heizzentrale sanierungsbedürftig ist, verhandelt Thom mit dem Schulträger, der Stadt Radolfzell, über eine langfristi- ge Wärmelieferung aus dem Werk. Damit könnte er ein weiteres BHKW- Modul auslasten. Statt eines Moto- ren-BHKW kann sich Thom auch den Pilotansatz einer Brennstoffzel- lenanlage vorstellen, wofür er aber erstmals öffentliche Investitionszu- schüsse benötigen würde. Vielleicht sind bald in Radolfzell der guten Din- ger doch vier? Jan Mühlstein E&M 15. Februar 2005, Seite 15 KWK kompakt Mit der Installation des drit- ten BHKW-Moduls setzt der Pumpenhersteller Allweiler AG in Radolfzell am Boden- see erneut auf Kraft-Wärme- Kopplung, die inzwischen 30 Prozent des im Werk benötigten Stroms und zwei Drittel der Wärme liefert. Aller guten Dinge sind drei B H K W D E S M O N A T S Betreiber: Allweiler AG, Radolfzell Besonderheit: Konsequente Aus- schöpfung der KWK-Potenziale; Ein- beziehung der BHKW-Module in ein Lastmanagement Anlage: Drei BHKW-Module von MDE Dezentrale Energiesysteme, Augsburg; MAN E 2842 EC mit 210 kWel und 320 kWth (Inbetrieb- nahme Ende 1996), MAN E 284 DE mit 210 kWel und 348 kWth (Inbe- triebnahme Ende 2000), MAN E 3042 Turbo mit 357 kWel und 529 kWth (Inbetriebnahme Okto- ber 2004); 20 m3 -Speicher; Not- kühler Wirtschaftlichkeit: Investition von 250 000 Euro für die dritte Ausbau- stufe der KWK amortisiert sich in zwei Jahren Umweltschutz: Bis Ende 2004 wurden 9 000 t an CO2-Ausstoß ver- mieden; das neue BHKW-Modul hat einen spezifischen CO2-Ausstoß von 225 g/kWhel (GuD-Benchmark 365 g/kWhel) Kontakt: Gerald Thom, Tel. 0 77 32/86 43 0, g.thom@allwei- ler.de Die Anlage auf einen Blick www.bio-hkw.de ANZEIGE Zwei Jahre Amortisationszeit 20 m3 -Wärmespeicher und Notkühler sor- gen für einen flexiblen Betrieb des dritten BHKW-Moduls bei Allweiler Dieser Beitrag ist urheberrechtlich ge- schützt. Ohne Zustimmung des Verlages und der Autoren sind Übersetzungen, Nachdruck – auch von Abbildungen –, Ver- vielfältigungen auf photomechanischem oder ähnlichem Wege oder im Magnetton- verfahren, Vortrag, Funk- und Fernsehsendungen sowie Spei- cherung in Datenverarbeitungsanlagen – auch auszugsweise – verboten. © Energie & Management Verlagsgesellschaft mbH, Herrsching 2005 Betreiber: Allweiler AG, Radolfzell Besonderheit: Konsequente Ausschöpfung der KWK-Potenziale; Einbeziehung der BHKW-Module in ein Lastmanagement Anlage: Drei BHKW-Module von MDE Dezentrale Energiesysteme, Augs- burg; MAN E 2842 EC mit 210 kWel und 320 kWth (Inbetriebnahme Ende 1996), MAN E 284 DE mit 210 kWel und 348 kWth (Inbetriebnahme Ende 2000), MAN E 3042 Turbo mit 357 kWel und 529 kWth (Inbetriebnahme Oktober 2004); 20 m3- Speicher; Notkühler Wirtschaftlichkeit: Investition von 250 000 Euro für die dritte Ausbaustufe der KWK amortisiert sich in zwei Jahren Umweltschutz: Bis Ende 2004 wurden 9 000 t an CO2-Ausstoß vermieden; das neue BHKW-Modul hat einen spezifischen CO2-Ausstoß von 225 g/kWhel (GuD-Ben- chmark 365 g/kWhel)

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