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Energie & Management, Ausgabe 13, 2014

68 BHKW des Jahres 1999 A uch in diesem Jahr hatten die „BHKW des Monats“ allerlei technische und wirtschaftliche Raffinessen zu bieten; für das „BHKW des Jahres“ gab es etliche würdige Kan- didaten. Preiswürdig wäre zum Bei- spiel das BHKW-Konzept, bei dem die Notstromversorgung ohne einen Zweitbrennstoff integriert wurde, oder die Kooperation eines privaten BHKW- Betreibers mit einem Stadtwerk, oder ... – für jede der elf Anlagen hat es gute Argumente gegeben. Wenn sich die Fördergemeinschaft Blockheizkraftwerke, die auch in die- sem Jahr die Aufgabe einer Jury übernommen hat, in Absprache mit E&M anders entschlossen hat, so spricht dies also nicht gegen die diesjährigen „BHKW des Monats“. Vielmehr geht es darum, ein politisches Zeichen zu setzen und die Bedrängnis aufzuzeigen, in die in Deutsch- land die Kraft-Wärme-Kopp- lung durch die Liberalisierung des Strommarkts geraten ist. Dabei wäre die Kraft-Wärme-Kopp- lung für einen fairen Wettbewerb mit anderen Stromerzeugungstechniken gut gerüstet: Die Hersteller haben in den letzten Jahren durch Rationalisie- rung der Produktion und Standardisie- rung ihrer BHKW-Module die spezifi- schen Investitionen deutlich verrin- gern und die Wartungskosten senken können, wobei gleichzeitig die Wir- kungsgrade der KWK-Anlagen und ih- re Umweltfreundlichkeit erhöht wur- den. Anlagenbauer und Planer haben sich zudem – auch durch Integration der Kälte- und Notstromversorgung – attraktive Konzepte einfallen lassen; Contractoren helfen, bei der Realisie- rung von KWK-Projekten fehlende Ei- genmittel oder Fachkenntnisse des Nutzers auszugleichen. Mit Stromerzeugungskosten, die be- reits bei gut ausgelasteten mittel- großen Anlagen zwischen 7 und 10 Pf./kWh liegen, bräuchten KWK-Anla- gen die Konkurrenz neuer Kraftwerke nicht zu fürchten. Doch gegen die der- zeitigen Grenzkosten-Preise und ge- 5,5-kW-BHKW; bei einem Strompreis von 16,2 Pf./kWh HT und 11,2 Pf./kW NT war die Anlage wirtschaftlich. Der Regionalversorger bot nach Kenntnisnahme der Baupläne einen Rabatt auf die Arbeitspreise, was die Amortisation des BHKW auf 17 Jah- re verlängert hätte. Die Anlage wur- de nicht gebaut. ● Eine Metzgerei hat Anfang 1999 be- schlossen, zwei Mini-BHKW mit einer Leistung von 11 kW zu installieren, die bei einem Strompreis von 19,5 Pf./kWh HT,14,5 Pf./kWh NT und einem Jahres- Leistungspreis von 65 DM/kW wirt- schaftlich waren. Nach Anmel- dung der BHKW bei dem Strom- versorger wurde der Arbeitspreis auf 6,5 Pf./kWh (HT und NT) ge- senkt, der Jahres-Leistungspreis auf 210 DM/kW heraufgesetzt. Der Metzger bestellte, und dies nur aus ökologischen Gründen, lediglich ein BHKW-Modul. ● Die bereits konkreten Verhand- lungen mit zwei Industriebetrie- ben in Westfalen über die Errich- tung eines BHKW mit einer elektri- schen Leistung zwischen 300 und 500 kW, dessen Abwärme als Prozesswärme ganzjährig genutzt werden kann, wur- den abgebrochen, nachdem der Versor- ger seinen Strompreis von bisher 13 bis 14 Pf./kWh (inklusive Leistung) auf unter 9 Pf./kWh gesenkt hat. ● Einem Möbelhersteller wurde im Ju- li 1999 ein BHKW mit einer elektri- schen Leistung von 400 kW angeboten mit kalkulierten Stromgestehungskos- ten von 11,75 Pf./kWh gegenüber ei- nem Arbeitspreis von 12 Pf./kWh laut bestehendem Stromvertrag. Nach ei- nem neuen Angebot des Stromversor- gers wurden die BHKW-Verhandlun- gen im September 1999 abgebrochen. ● Ein 1991 in einer norddeutschen Großstadt errichtetes 520-kW-BHKW, wegen seiner Umweltfreundlichkeit (Wirkungsgrad 91,7%, NOx 18 mg/m3, CO 47 mg/m3 ) gefördert, ist im Juli 1998 stillgelegt worden, nachdem der Stromversorger einen Vertrag mit 6,8 Pf./kWh HT angeboten hat. ● Ein vergabereifer Auftrag für ein Elf beispielhafte KWK-Anla- gen hat E&M auch in diesem Jahr als „BHKW des Monats“ vorgestellt. Doch diesmal wählte die Fördergemein- schaft keines von ihnen zum „BHKW des Jahres“. Diese Auszeichnung wird symbo- lisch dem nicht gebauten oder stillgelegten Blockheiz- kraftwerk verliehen – ein Me- mento für die Politik, endlich wirksame Schritte zur Förde- rung der Kraft-Wärme-Kopp- lung zu unternehmen. BHKW des Jahres 1999 BHKW des Jahres 1999 gen gezielte Dumpingangebote können sie nicht bestehen. Die Folge: BHKW-Hersteller rech- nen in diesem Jahr mit einem Absatz- rückgang um 25%, befürchten aber für das nächste Jahr deutlich schlimmere Einbrüche. Der Verband Deutscher Ma- schinen- und Anlagenbau (VDMA) mel- dete Anfang November, dass inzwi- schen sogar bestehende Anlagen still- gelegt werden: Nach Berechnungen von Experten finde bei der Kraft-Wär- me-Kopplung ein monatlicher Kapa- zitätsabbau von 100 bis 200 MW statt. Deshalb haben wir zum „BHKW des Jahres 1999“ das verhinderte Block- heizkraftwerk prämiert, das eine Viel- zahl von nicht gebauten oder stillgeleg- ten Anlagen repräsentiert. Statt den Jahressieger wie üblich mit Konzept, Betreiber und Lieferant vorzustellen, stehen für den symbolischen Preisträ- ger die folgenden, auf Wunsch der In- formanten anonymisierten Beispiele: ● Ein Landwirt mit einem ganzjähri- gen Wärmebedarf für die Ferkelzucht plante im August 1999 den Bau eines 1999 Symbolisch gewählt wurde das wegen der energiepolitischen Rahmenbedingungen nicht gebaute oder stillgelegte Blockheiz- kraftwerk D as vorbildliche Energiekonzept des „neuen“ Reichstagsgebäu- des, das fast keine zusätzlichen CO2-Emissionen verursacht, steht auf drei Säulen: der optimierten Haus- technik, der rationellen Energienut- zung durch Kraft-Wärme-Kälte- Kopplung mit Einbeziehung eines saisonalen Aquifer-Wärmespeichers sowie dem Einsatz von regenerativen Energiequellen in Form von Biodie- sel. Beim Umbau des Gebäudes wurde eine weitgehende Nutzung des Tages- lichts erreicht. Dazu leitet über die Kuppel des britischen Architekten Sir Norman Foster ein riesiges, konusför- miges Spiegelsystem diffuses Tages- licht in den Plenarsaal. Zusätzlich wurden in die neuen großen Fenster Tageslicht-Lenklamellen integriert. Die doppelschichtigen Fenster sorgen auch durch gesteuerte Lüftungsklap- pen für eine weitgehende natürliche Belüftung der Räume. Nur bei extre- men Temperaturen im Sommer und im Winter wird eine unterstützende mechanische Lüftung mit integrierter Wärmerückgewinnung eingesetzt. Ein Teil des Gebäudes ist mit einer Fußbodenheizung mit einer Vorlauf- temperatur von 40°C ausgestattet. Die Energie für das Reichstagsge- bäude liefert ein auf engstem Raum untergebrachtes Blockheizkraftwerk, das aus vier von der Augsburger MAN Dezentrale Energiesysteme geliefer- ten Motorenmodulen mit einer elek- trischen Leistung von je 400 kW be- steht. Als Treibstoff wird Pflanzenöl- methylester eingesetzt, wofür modifi- zierte Dieselmotoren verwendet wer- den konnten. Sie können auch mit normalem Diesel betrieben werden, falls kein Biodiesel zur Verfügung steht. SCR-Katalysato- ren auf der Basis von Harnstoff und Rußfilter begrenzen den Ausstoß von Stickoxiden auf maximal 100 mg/m3 ; an Staub werden höchstens 20mg/m3 und an Ruß 10 mg/m3 emittiert. Bei dem Biodiesel-Blockheizkraft- werk, das beim Ausfall des öffentli- chen Stromnetzes die Netzersatzver- sorgung übernimmt, wird die Ab- wärme des Abgases, der Ladeluft, des Motorenkühlwassers und des Luft- Wasser-gekühlten Ge- nerators konsequent genutzt, so dass eine Brennstoffausnutzung von knapp 90 Prozent erreicht wird. Dabei lie- fert das BHKW nicht nur Wärme für die Hei- zung, sondern über ei- ne Absorptionskältean- lage auch Klimakälte. Für das Reichstagsgebäude wird ein Energieverbund mit den Neubauten des Parlaments und der Regierung, dem Alsen- und dem Luisenblock, den Dorotheenblöcken sowie dem Bun- deskanzleramt realisiert. Im Alsen- block soll dazu ein weiteres Biodiesel- BHKW mit vier 400-kW-Motoren in- stalliert werden. Die Auswertung der Energiebedarfsprognosen für die Par- lamentsbauten ergab, dass die beiden Biodiesel-BHKW mit ihrer elektri- schen Leistung von 3200 kW 80 bis 85 Prozent des Strombedarf decken könn- ten. Dass dies mit einer Voll- lastbenutzungsdauer von 5000 Stunden im Jahr geschehen kann, obwohl Strom, Wärme und Käl- te zu völlig unterschiedlichen Zeiten gebraucht werden, verdankt man ei- ner lokalen Besonderheit: Das im porösen Sandstein 3000 m unterhalb des Reichstags vorhandene Warmwas- ser-Reservoir kann als saisonaler Wär- mespeicher eingesetzt werden. Dazu wurde der Aquifer durch Bohrungen erschlossen, durch die das unter Druck stehende salzhaltige Wasser ei- genständig fast an die Oberfläche steigt und durch Wärmetauscher ge- pumpt wird. Im Sommer heizt die bei BHKW-Betrieb anfallende Über- schußwärme die Sole auf, die in den Untergrund gepumpt wird. Im Winter wird die eingelagerte Wärme zurück- geholt: Die warme Sole gibt dann ihre Wärme in Plattenwärmetauschern an das Heizungswasser ab, wobei das Temperaturniveau durch Wärme- pumpen angehoben wird. Durch die indirekte Wärmeübertragung wird die Wasserbilanz des Aquifers nicht ver- ändert. E&M 49 BHKW des Monats1998 15. Nov. 1998 Bauherr: Bundesbaugesellschaft Berlin Standort: Reichstagsgebäude Ber- lin Planung: Planungsgemeinschaft Technik, Berlin BHKW: Vier 400-kW-Dieselmoto- ren für Biodieselbetrieb; Anlagenlieferant: Siemens, Redwitz; Modul-Hersteller: MAN Dezentrale Energiesysteme, Augsburg (inzwi- schen MDE Dezentrale Energiesyste- me, Augsburg) Aquifer-Wärmespeicher: Geothermie Neubrandenburg Die Anlage auf einen Blick Das sichtbare Wahrzeichen des umgebauten Reichstags- gebäudes in Berlin ist seine neue Glaskuppel. Doch auch die Energieversorgung des künftigen Sitzes des Deut- schen Bundestages ist vorzei- genswert: Ein Biodiesel- Blockheizkraftwerk liefert CO2-neutral Strom, Wärme und Kälte, wobei ein Aquifer- Wärmespeicher für einen gleichmäßigen Betrieb sorgt. So wird, quasi überparteilich, die Kraft-Wärme-Kopplung erfolgreich mit der Nutzung regenerativer Energiequellen kombiniert. Aquifer-Speicher unterstützt Biodiesel-BHKW Vier modifizierte Dieselmotoren machen aus Biodiesel Wärme, Kälte und Strom Koalition ohne Opposition BHKW des Jahres 1998 1998 Bauherr: Bundesbaugesellschaft Berlin Standort: Reichstagsgebäude, Berlin Planung: Planungsgemeinschaft Technik, Berlin Anlage: vier 400-kW-Dieselmotoren für Biodieselbetrieb; Anlagenlieferant Siemens, Redwitz; Modulhersteller MAN Dezentrale Energiesysteme, Augsburg (inzwischen MDE Dezentrale Energiesys- teme, Augsburg); Aquifer-Wärmespei- cher: Geothermie Neubrandenburg S chon bevor E&M gegrün- det wurde, ist um KWK gestritten worden: Bereits auf dem Titelblatt der am 1. April 1994 erschienenen ersten Ausgabe des „Magazins für intel- ligente Energienutzung“ – so der damalige Untertitel der Energie & Management – wird ein Streitge- spräch Pro und Contra BHKW an- gekündigt. Wahr ist allerdings auch, dass genauso lange ein Konsens (mit kleinen Ausnahmen, aber dazu später mehr) über die Effizienzvor- teile der gekoppelten Bereitstellung von Strom und Wärme besteht. Darüber sind sich schon damals Joachim Grawe, Hauptgeschäfts- führer der Vereinigung Deutscher Elektrizitätswerke (VDEW), und Wilfried Handrock, Vorsitzender der Fördergemeinschaft Blockheiz- kraftwerke und Geschäftsführer Zwei Seiten einer Medaille Energie & Management bildet seit 20 Jahren die Ent- wicklung der Kraft-Wärme- Kopplung nicht nur ab, son- dern bezieht auch immer wieder eine klare Position. VON JAN MÜHLSTEIN KWK-Schlossgespräch im heißen Juli 2010:  Götz Brühl, Stadtwerke Rosenheim; Bernd- Michael Zinow, EnBW; Vera Brenzel, Eon; Jan Mühlstein, Energie & Management; Andreas Schnauß, Va󿿷enfall Europe; Johannes van Bergen, Stadtwerke Schwäbisch Hall; Klaus Traube, B.KWK (v. l.) D as grenzüberschreitende Den- ken hat in Heidenheim Tradi- tion: Bereits seit 1950 liefert das Voith-Heizkraftwerk Produkti- onsdampf auch an die Stoffverede- lungsfabrik C.F. Plouquet; kurz dar- auf wurden weitere benachbarte Be- triebe an die Ferndampfleitung an- geschlossen. Die Voith Dienstleis- tungen GmbH & Co KG (VOHD), die das elektrische und thermische Netz zur Versorgung der einzelnen Voith-Gesellschaften und der exter- nen Abnehmer in Heidenheim be- trieb und wartete, war daher für neue Ideen aufgeschlossen, als 1998 die Auswirkungen der beginnenden Liberalisierung des Strommarktes zu berücksichtigen waren. Gleich- zeitig stand die Modernisierung des aus zwei Hochdruckkesseln mit ei- ner Dampfleistung von je 50 t/h und zwei nachge- schalteten 10-MW-Entnah- me-Kondensationsturbi- nen bestehenden Heiz- kraftwerks wegen des unwirtschaft- lich gewordenen hohen Kondensati- onsanteils bei der Stromeigenerzeu- gung und des geringen Automatisie- rungsgrads der Anlagen an. Einen innovativen Partner fand man in der GWE Gesellschaft für wirtschaftliche Energieversorgung, Freiburg, einem Beteiligungsunter- nehmen des ABB-Konzerns. Statt das Naheliegende zu tun, nämlich die veralteten Dampfturbinen still- zulegen und den Strom auf dem frei- en Markt billigst einzukaufen, schlu- gen die Freiburger Projektentwick- ler vor, die KWK-Leistung deutlich auszubauen. Die GWE war dazu be- reit, eine Betreibergesellschaft zu gründen, das Voith-Heizkraftwerk samt der Strom- und Wärmenetze sowie der 18 dort beschäftigten Mit- arbeiter von der VOHD zu überneh- men und die Modernisierung zu fi- nanzieren. „Unser Ansatz ist es, bei der Ent- wicklung neuer Versorgungsmodelle der Vernetzer zu sein“, erklärt GWE- Geschäftsführer Karl-Ekkehard Ses- ter den Mut, sich von kurzfristigen Strom-Tiefstpreisen nicht blenden zu lassen. So bleibt bei dem ausgetüftelten Kon- zept nicht nur die VOHD mit im Boot; sie ist mit 25,1 Prozent an der Industrieheizkraftwerk Heidenheim GmbH beteiligt, die im Rahmen von langfristigen Verträgen Strom und Wärme an die Voith-Gesellschaften sowie Dampf und Heißwasser an die an das Fernheiznetz angeschlosse- nen industriellen und kommunalen Kunden liefert. Zusätzlich wurden die Stadtwerke Heidenheim gleich- zeitig als Kunde und als Lieferant gewonnen. So deckt das ausgebaute Voith-Heizkraftwerk – bevorzugt zu Spitzenlastzeiten – rund 40 Prozent des Strombedarfs des Kommunal- versorgers, der seinerseits an die Be- treibergesellschaft Strom dann lie- fert, wenn dieser auf dem freien Strommarkt besonder geboten wird. Außerd Stadtwerke auch den Bedarf an Erdgas für d Heizkraftwerks. Dieses Wechselspiel s operationspartnern so giepreise, dass auch ei angebot der mächtige den-Württemberg (EnB Konzept nicht aush Der Stromversorger w bereit, das Voith-Hei übernehmen, um es zu Heizwerk umzubauen zehn Jahre gerechne EnBW keine niedriger Wärmepreise als das dell der Freiburger Außerdem wären bei Übernahme die meist beitsplätze im Heizkra det gewesen. Zusätz berücksichtigen, das KWK-Ausbau ein erh trag zum Klimasch wird. Nachdem die Verträ netzte Versorgungsk schlossen waren, bega 1999 die Planung für Umsetzung. Der Um schrittweise bei laufe erfolgen, um die Verso heit der Energiekunde ren. Dabei wurden in d jektphase die bestehe ertüchtigt, um die 84 BHKW des Monats 15. Nov. 2000 Vier neue 4-MW-Gasmotor- Module des Industrieheiz- kraftwerks bei Voith in Hei- denheim garantieren den ver- sorgten Industriebetrieben günstige Energiepreise. Dafür sorgt ein vernetztes Konzept eines Contractors, das auch die Stadtwerke Hei- denheim einbezieht. Zweitgrösstes Motoren-BHKW in Deutschland Ein 16-MW-BHKW aus vier Gasmotor-Mo- dulen vervierfacht die Stromproduktion des Voith-Heizkraftwerks bei nur 20 Pro- zent Gas-Mehrverbrauch Wettbewerbs-Ansporn BHKW des Jahres 2000 2000 Standort: Voith, Heidenheim Versorgungskonzept: GWE Gesellschaft für wirtschaftliche Energieversorgung, Freiburg Betreiber: Industrieheizkraftwerk Heidenheim GmbH; Gesellschafter 74,9 Prozent GWE, 25,1 Prozent Voith Dienstleistungen GmbH & Co KG (VOHD) Anlage: Planung und Generalunternehmer ABB Energiesysteme, Essen; vier BHKW-Module mit Caterpillar-Gasmo- toren 3616 von Zeppelin Power Systems, Achim bei Bremen, mit einer Leistung von je ca. 4 MWel und einer internen Wärmenutzung von je 1,7 MW; Generatoren von AvK, Dreieich; pro BHKW-Modul ein Abhitzekessel mit 1,7 MWth und ein Heißwasser- Wärmetauscher mit 0,6 MW von Danstocker; Anlagensteuerung von Kuhse, Winsen; Neuanlagen im HKW: 22-t/h-Mitteldruck- Dampferzeuger von Standardkessel, Duisburg, als Reserve- und Spitzenkessel; Zentrale Leittechnik von ABB Energie- systeme, Essen Investition: Umbau insgesamt ca. 42 Mio. DM, BHKW-Bau ca. 20 Mio. DM währleistet ist, wird bei Störungen des Dampferzeugers das Abgas auto- matisch um den Kessel herumgelei- tet. Auch für den Fall, dass weniger Dampf im werkseigenen Dampfnetz benötigt wird, als der Kessel liefert, ist vorgesorgt: Dann läßt sich die Dampfenergie mittels Kondensat- wärmetauscher an das Heißwasser- Netz, das ebenfalls im Werk verlegt ist, übertragen. In dieses Netz spei- sen normalerweise die Wärmetau- scher von Kühlwasser, Öl- und Lade- luftkühlung direkt Energie ein. Untergebracht ist die ganze Anlage mitten in der Produktionshalle. An anderer Stelle war kein Platz dafür. Damit die Lärmbelästigung gering bleibt, ist das Aggregat in einer allsei- tig begehbaren Schallschutzhaube untergebracht. Diese dämpft die Geräuschentwicklung soweit, dass außerhalb des Containers von dem Motor nichts zu hören ist. Gekostet hat das Blockheizkraft- werk rund 750000 DM. Bei Stromge- stehungskosten von 6,8 Pf./kWhel spart es der Firma Stüken jährlich rund 174000 DM Energiekosten ein. Nach etwa 4,3 Jahren (bei statischer Berechnung) oder 5 Jahren (bei dy- namischer Berechnung) ist das Ag- gregat abbezahlt. Weil die Anlage ur- sprünglich so konzipiert war, dass sie während der Tagesschicht wirt- schaftlich arbeitet, mittlerweile aber auch nachts durchläuft, wird die Amortisationsdauer noch geringer, als von Storm berechnet. E&M 23 BHKW des Monats1997 15. April 1997 15. Mai 1997 A usgangspunkt der Nordrhein- Westfalen-Initiative ist das BHKW Biesterberg der Stadt- werke Lemgo AG. Dort ist seit Febru- ar 1996 ein Modul mit einer elektri- schen Leistung von 968 kW und ei- ner thermischen Leistung von 1260 kW installiert. Der MWM-Motor ver- sorgt eine nahegelegene Wohnsied- lung mit Wärme. Das Wärmenetz kann 1300 kW Leistung aufnehmen und weiterverteilen. Zusätzlich in- stalliert ist ein Spitzenkessel, der aber fast ausschließlich Reservefunk- tion hat, denn das Blockheizkraft- werk kann den Wärmebedarf alleine decken. Ein Heißwasser-Speicher mit 75 m3 Volumen sorgt dafür, dass auch dann Wärme bereitsteht, wenn das Modul gerade nicht läuft. Diese Speicherfunktion ist für die grundsätzlichen wirtschaftlichen Überlegungen, die hinter dem Lem- goer BHKW stehen, sehr wichtig. Denn nach den Berechnungen von Stadtwerke-Chef Dr. Dieter Attig rechnet sich ein großes BHKW (das spezifisch günstiger ist) auch dann, wenn es nur 1500 Stunden im Jahr läuft. Die Voraussetzung dafür ist al- lerdings, dass zum einen Wärme ge- speichert werden kann und zum an- deren das Stadtwerk mit der Anlage seinen Strombezug vom Vorlieferan- ten gezielt optimieren, also den Leis- tungspreis senken kann. Anlagen wie die in Lemgo sind insbesondere für Stadtwerke mit geringen Eigen- erzeugungs-Kapazitäten interessant, die laut Attig mit Strombezugspreisen von durchschnitt- lich 13 Pf./kWh, in den neuen Bundes- ländern sogar mit etwa 15 Pf./kWh rechnen müssen. Wählt man einen Gas-Motor, kann man durch Ab- schließen eines un- terbrechbaren Lie- fervertrages und mit Propangas als Ersatzbrennstoff die Rentabilität der Anlage weiter stei- gern. Allerdings ist zur Wärmevertei- lung ein Nahwärmenetz nötig, das man in Lemgo mit Niedrigtempera- tur-Wärmerohren ausgeführt hat und so auf Verteilungskosten von 20 DM/MWhth kommt. Überhaupt galt der Ehrgeiz der Stadtwerke Lemgo der möglichst kostengünstigen Errichtung der An- lage in Biesterberg. Für die rund 1 MW elektrische Leistung mußten 1,8 Mio. DM investiert werden, also rund 1800 DM/kW. Der Betrag bein- haltet das betriebsfertige BHKW samt Gebäude und Heißwasser-Speicher. Rund 850 DM/kW von den genannten 1800 DM entfallen auf das Modul mit Peripherie und Steuerung. In das Wärmenetz investierten die Stadt- werke 200000 DM, etwa 625 DM pro m3 Rohrleitung. Als Brennstoffkosten werden in der Wirtschaftlichkeits- rechnung 3,2 Pf./kWh angesetzt, als spezifische Wartungskosten noch- Eine „massive Ausweitung der Kraft-Wärme-Kopplung in Nordrhein-Westfalen und darüber hinaus“ haben sich die Initiatoren der „KWK- Offensive“ als Ziel gesetzt. Dafür entwickelten sie ein preisgünstiges Standard- BHKW, das bei den Stadtwer- ken Lemgo technisch und vor allem wirtschaftlich auf Herz und Nieren geprüft wurde. BHKW Biesterberg: nachahmenswertes Modellprojekt Offensive für BHKW Motor: Gas-Otto-Motor von Zeppelin mit 1000 kWel Kessel: 1,3 MWth Wärmespeicher: 75 m3 , Speicher- vermögen 2200 kWhth Investitionskosten: samt Trafo, Verrohrung, Überwachung 1500 DM/kW Die Anlage auf einen Blick BHKW des Jahres 1997 1997 Anlage: Auf der Basis des BHKW Biester- berg der Stadtwerke Lemgo (BHKW-Mo- dul von MWM mit 968 kWel und 1 260 kWth) wurde ein „Standard-BHKW“ der KWK-Offensive in NRW mit einem BHKW- Modul mit Gas-Otto-Motor von Zeppelin mit 1 000 kWel, einem 1,3-MW-Kessel und einem 75-m3 -Wärmespeicher (Speicher- vermögen 2 200 kWhth) konzipiert Investitionskosten: samt Trafo, Verroh- rung, Überwachung 1 500 DM/kW 1. Juli 201424 KWK 532kWelund686kWthin3,7x1,5x2,6m SOKRATHERM GmbH Energie- und Wärmetechnik Milchstraße 12 D-32120 Hiddenhausen Tel. 05221.9621-0 Fax 05221.6 60 63 www.sokratherm.de e-mail: info@sokratherm.de BHKW-Kompaktmodule 50 bis 530 kWel Internetfähige für virtuelle Kraftwerke von morgen b Smartphone bNotebook b PC Wir gratulieren E&M zum 20-jährigen Jubiläum! Bild:E&M

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