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Energie & Management, Ausgabe 13, 2014

1. Juli 2014 Pöyry Management Consulting ist mit 26 Niederlassungen und über 450 Consultants die weltweit führende Beratungsgesellschaft für kapital- und ressourcenintensive Unternehmen. Welche Ziele Sie auch verfolgen, bei uns arbeiten für Sie Experten mit Leidenschaft in den Bereichen Energie, Forstwirtschaft, Papier und Zellstoff sowie Biovalue. Unsere umfassende Erfahrung, bewährten Fähigkeiten und unsere hoch qualifizierten Berater sind es, die unsere Kunden immer wieder aufs Neue überzeugen. Gemeinsam helfen wir Ihnen, sachkundigere Entscheidungen zu treffen, Potenziale zu erkennen sowie Werte zu generieren, um so langfristig den Erfolg ihres Unternehmens zu sichern. www.poyry.de/managementconsulting Besserinformiert. Besserberaten. ImmereinenSchrittvoraus. Pöyry_Anzeige_152x215mm.indd 1 05.06.2014 11:38:24 : Herr Dr. Baumert, Nach der letztjährigen E&M-Ökostromumfrage gab es Ende 2012 hierzulande rund fünf Millionen private Grünstromkunden. Hätten Sie sich eine solche Zahl vor- stellen können, als Sie Ende der 1990er Jahre mit dem Grünstromgeschäft an- gefangen haben? Baumert: In diesen Gründungsta- gen sind wir davon ausgegangen, dass wir deutlich mehr Kunden gewinnen würden. Die Prognose unserer Markt- forschung war, dass 75 Prozent der Bundesbürger sich für einen grünen Stromanbieter entscheiden würden. Ich erinnere mich an damalige Studien, die 15 bis 20 Millionen Ökostromkun- den für machbar gehalten haben. : Diese angesprochenen Markt- erwartungen haben sich aber schnell als heiße Luft erwiesen. Baumert: Ja und nein. Denn auch insgesamt ist das Wechselverhalten der Stromkunden in den Jahren nach der Liberalisierung recht zag- haft verlaufen. Die Grünstro- mer schwimmen da mit den Dicountern im gleichen See. Im Rückblick gesehen, gab es bislang drei große Wechsel- wellen. Die erste setzte im Jahr 2001 mit etwas Verspätung nach der Liberalisierung ein und war vor allem preisgetrie- ben. Dann verzeichneten viele Anbieter im Jahr 2007 einen großen Kundenzuwachs, als zwei Atommeiler im Norden für ziemlich viele Schlagzei- len sorgten. Nach Fukushima gab es einen gewaltigen Wechselhype für einige Wochen, von dem einige An- bieter überrollt worden sind. Zwi- schenzeitlich hat es immer wieder kleinere Wechselwellen gegeben, als die Netzentgelte und die höhere EEG- Umlage auf die Strompreise durch- schlugen. Meine Einschätzung ist: Es gab in der Vergangenheit ein höheres Kundenpotenzial sowohl für Grün- stromer als auch für die Discounter, das aber nie rich- tig ausgeschöpft wurde. : Noch ein- mal gefragt: Ist die Zahl von fünf Millionen Ökostrom- kunden nicht dennoch erstaunlich, da der Grünstrom jahrelang durch- aus teurer war als konventioneller Graustrom? Und selbst als längst eine Preisgleichheit erreicht war, hielt sich die Mär vom teuren Ökostrom. Baumert: Die Preisunterschiede gab es in der Tat in den Anfangs- jahren. Grünstrom war halt einfach noch kein Massenprodukt und pro- duzierte spezifische Mehrkosten, wie beispielsweise Zertifizierungskosten. Bereits seit einigen Jahren sind die Grünstromangebote allerdings wett- bewerbsfähig, teilweise sogar im Discountbereich. Dass wir bislang nur fünf Millionen Ökostromkunden haben, hängt meines Erachtens mit einer stark auf Regulierung setzenden Politik und mit Fehlern zusammen, die bei der Einführung der Liberali- sierung gemacht worden sind. : Und zwar welche? Baumert: Ein wesentliches Merk- mal von Märkten ist das aktive Zusammenspiel von Anbietern und Nachfragern. Deshalb wäre zu Beginn der Liberalisierung der Strommärkte – also dem Ende einer langen Monopolzeit – ein hoher Im- puls zur Aktivierung der Stromnach- frage erforderlich gewesen. Wären die Stromkunden zum damaligen Zeitpunkt angehalten worden, sich beispielsweise mit Blick auf einen Stichtag ‚ihr‘ Stromangebot neu aus- zuwählen, dann hätte dies sicherlich auch einen entscheidenden Anschub für den Grünstrommarkt – und ergo auch für einen nachfragegetriebenen Zubau erneuerbarer Energien – ge- geben. Diese Chance hat man aber durch die Einführung des Konstrukts der Grundversorgung verpasst. Uns blieb daher nur der – sehr aufwendi- ge – Weg über Marketingaktivitäten und über die öffentliche Debatte, zum Wechsel zu einem Grünstrom- anbieter zu motivieren. Damit er- reicht man aber nur diejenigen, die tatsächlich auch bereit sind, ihrer Eigenverantwortung zur Gestaltung der Strommärkte nachzukommen. Da sind die erwähnten fünf Millionen bereits eine bemerkenswert hohe Zahl, die für eine hoch entwickelte politische Kultur in Deutschland spricht. Dennoch hat der dadurch ge- wonnene Nachfrageimpuls am Ende nicht ausgereicht, um die Politik zu überzeugen, dass die Energiewende insbesondere durch den Stromkon- sumenten vorangetrieben werden könnte. Zwei Jahre nach Start der Liberalisierung hat die Politik des- halb mit der Verabschiedung des Er- neuerbare-Energien-Gesetzes den ersten Kontrapunkt für den markt- lich-nachfragegetriebenen Ausbau der erneuerbaren Energien gesetzt, und diesen Weg der – wenn man so will – staat- lich verordneten E n e r g i e w e n d e später noch mit Beschluss des Ausstiegs aus der Kernenergie ma- nifestiert. Die Idee des souveränen Kunden verfolgt man heute eigentlich nur noch mit Blick auf seine Rolle als ‚Prosumer‘. : Was heißt das für die Zukunft des deutschen Ökostrommarktes? Baumert: Wir werden erleben, dass sich viele Verbraucher mit ihrer Ener- gieversorgung professionalisieren. Die Prosumer werden einen Teil ihres Energiebedarfs in Eigenregie decken. Für mich ist absehbar, dass wir viele Ökostromkunden aus den Anfangsta- gen bei den Prosumern wieder finden werden – vorausgesetzt, sie haben die notwendigen Möglichkeiten, wie beispielsweise ein eigenes Dach oder einen Keller für ein Kleinst-BHKW. Oder sie können sich an Gemein- schaftsprojekten beteiligen – was ins- besondere für Mieter und Bewohner von Mehrfamilienhäusern interessant ist. Allerdings sollten wir dringend da- rauf achten, dass die Prosumer nicht gegen eine effiziente und sichere öf- fentliche Energieversorgung arbeiten oder sich sogar auf ihre Kosten opti- mieren. Viel besser wäre es, wenn sie sich mit ihren Aktivitäten auch in den Dienst einer nachhaltigen öffentlichen Energieversorgung stellen. Dann sind wir nämlich wieder bei der Kernidee des Grünstromkunden angelangt: ‚Kümmere dich um deine Energiever- sorgung so, dass wir alle gut und sicher versorgt sind.‘  „Das Kundenpotenzial ist nie richtig ausgeschöpft worden“ Als langjähriger Geschäftsführer der Naturwatt GmbH gehört Martin Baumert zu den Pionieren des deutschen Ökostrommarktes. E&M sprach mit ihm über die (Fehl-)Entwicklungen und Perspektiven. VON RALF KÖPKE  letztjährigen gab es Ende 2012 hierzulande rund fünf Millionen private Grünstromkunden. Hätten Sie sich eine solche Zahl vor- stellen können, als Sie Ende der 1990er Jahre mit dem Grünstromgeschäft an- gefangen haben? „Das Kundenpotenzial ist nie richtig ausgeschöpft worden“ Als langjähriger Geschäftsführer der Naturwatt GmbH gehört Martin Baumert zu den Pionieren des deutschen Ökostrommarktes. E&M sprach mit ihm über die (Fehl-)Entwicklungen und Perspektiven. Martin Baumert: „Kümmere dich um Deine Energieversorgung so,das wir alle gut und sicher versorgt sind“ 20 ERNEUERBARE Dr. Martin Baumert Jahrgang 1961, gehört zu den Pionieren im deutschen Ökostrommarkt. Zwischen 2001 und An- fang 2014 war er Geschäftsführer der NaturWatt GmbH, die seit 1998 Strom aus ausschließlich regenerativer Erzeugung an Endkunden und Weiterverteiler vermarktet. Zuvor war der promo- vierte Ökonom unter anderem beim Lawrence Berkeley Laboratory im kalifornischen Berkeley, für den Deutsche Bundestag als wissenschaftlicher Referent der Enquete-Kommission „Schutz des Menschen und der Umwelt“ sowie für das Forum für Zukunftsenergie tätig. Heute leitet er den Bereich Markt und Wettbewerb, strategische Entwicklung der EWE Vertrieb GmbH. Bild: EWE „DieVerbraucher werden sich mit ihrer Energieversorgung professionalisieren“

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