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Energie & Management, Ausgabe 13, 2014

15ENERGIEMARKT Joschka Fischer Jahrgang 1948, war von 1998 bis 2005 Bundesaußenminister der rot-grünen Koalition. In seine Regierungszeit fiel der im Jahr 2000 mit der Industrie ausgehandelte Konsens über das Aus- laufen der Kernenergie im Rahmen von Reststrommengen, die Ablehnung des zweiten Irak-Krieges durch die Bundes- regierung und die Ausweitung der Förderung der erneuerbaren Energien durch das EEG. Fischer führt heute ein Beratungsunternehmen in Berlin, das sich mit internationalen Märkten und Nachhaltigkeit befasst. AUF DEN RICHTIGEN PARTNER KOMMT ES AN! Wir geben Ihren Bewegungen am Erdgasmarkt den passenden Schwung. BAYERNGAS – IHR PARTNER RUND UM’S ERDGAS. Besuchen Sie uns im Internet: >www.bayerngas.de und Leute, die begriffen hatten, dass das ein gutes und sicheres Invest- ment war. Dann kamen die Bauern und Landwirte, die begriffen hatten, dass sie damit noch eine zusätzliche Rendite erwirtschaften können. Und so ist von den großen Energieunter- nehmen bei derWindenergie und teil- weise auch bei der Photovoltaik eine Entwicklung verschlafen worden, mit für sie fatalen Konsequenzen. : Sie sind international viel unterwegs, wie schaut das Ausland auf die Energiewende in Deutsch- land? Fischer: Mit sehr großem Interesse, schon deshalb müssen wir sie hin- bekommen. Große Investitionen wie Stuttgart 21, von dem ich persönlich nicht überzeugt war, der Flughafen Berlin und auch die Schwierigkeiten mit der Energiewende werfen schon die Frage auf, ob Deutschland sol- che Projekte noch managen kann. Deshalb muss die Energiewende jetzt gelingen – auch wirtschaftlich. Die Bundesregie- rung und das Land können sich ein Scheitern gar nicht erlauben. Also wer- den wir das hin- kriegen. Ich sehe da perspektivisch auch große Chancen und Wettbewerbs- vorteile für die deutsche Wirtschaft. Themen wie Umwelt, Energie und Klimaschutz haben international mal mehr, mal weniger Konjunktur. Aber die Basistrends haben sich nicht ge- ändert: eine wachsende Menschheit, über sieben Milliarden Menschen mit einer dramatischen Aufholjagd der Schwellenländer mit ihren großen Bevölkerungen. Für die wird eine Energiewende, so- wohl global wie regional, zwin- gend, und da ist Deutschland dann sehr gut aufgestellt. : Deutschland und Euro- pa sind immer noch sehr stark abhängig von Gasimporten aus Russland. Wie ist die Be- ziehung zwischen der neuen Energiepolitik und der Sicher- heitspolitik? Fischer: Ich denke, die Bun- desregierung ist hier mit Wirt- schaftsminister Gabriel auf der richtigen Spur. Natürlich wird die Energiewende die Abhän- gigkeit Deutsch- lands verkleinern. Ultimativ wird auch gar kein Weg daran vorbeifüh- ren, wenn man sich die jüngste Entwicklung in der Ukraine anschaut, dass nicht nur Deutschland, sondern ganz Europa seine Gasabhängigkeit von Russland verringert. Wenn man andere Ver- sorgungsmöglichkeiten hat, führt das eher zur Vernunft als zu Unvernunft bei Lieferanten. : Wird Russland Deutschland mit Gaslieferungen unter Druck set- zen? Fischer: Das wäre nicht weise von Russland. Aber es wird andere unter Druck setzen, die weniger stark sind als Deutschland, beispielsweise EU-Mit- gliedstaaten in Osteuropa. Und wenn es ganz schlecht läuft, kann das auch für uns Konsequenzen haben. Euro- pas Abhängigkeit war übrigens der wesentliche Grund, warum ich mich für das Pipelineprojekt Nabucco engagiert habe. Nachdem im Jahr 2009 aufgrund des Preisdisputs mit der Ukraine im Win- ter das Gas abge- stellt wurde, war ich der Meinung, dass wir uns diese Ab- hängigkeit nicht erlauben können. An- dere waren da blauäugiger. Nabucco wäre sowohl eine Alternative als auch ein entsprechendes machtpolitisches Signal gewesen. Aber das ist erstmal vorbei. Ich plädiere nicht dafür, auf „Die Energie & Management gehört für mich zu den führenden energie- wirtschaftlichen Zeitschriften, die ihren Lesern das Marktgeschehen, die technischen und wirtschaftlichen Trends sowie die energiepolitischen Entwicklungen auf publizistisch anspruchsvolle Weise zu vermitteln weiß. E&M ge- lingt es dabei besonders überzeugend, die ganze Vielfalt der Energiewirtschaft abzubilden. Kurz und knapp: Man liest sie gerne − und mit Gewinn. Mein Wunsch: Bleiben Sie sich und dieser journalistischen Linie treu, auch in den nächsten 20 Jahren.“ Hildegard Müller, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung, Berlin GLÜCKWUNSCH Bild:BDEW russisches Gas zu verzichten. Man soll- te das proportional so gestalten, dass Vernunft in die Lieferbeziehungen ein- kehrt und niemand auf den Gedanken kommt, Lieferungen zu stoppen. Die Europäer müssen jetzt endlich einen gemeinsamen Gasmarkt etablieren. Das wäre auch machtpolitisch ein ent- scheidender Schritt. Prinzipiell hängt Russland nämlich mehr von Europa ab als umgekehrt. : Das hieße, dass Europa sein Gas mit einer Stimme in Russland ein- kauft und sagt, entweder ganz oder gar nicht? Fischer: Nun ja, mit einer Stimme, da muss man auch wieder aufpassen, dass das dann nicht auf einen Ein- heitspreis hinausläuft. Das muss nicht sein. Ich halte es aber für entscheidend, dass das europäisch reguliert wird. : Europa ist im Moment im Schön- wettermodus. Nie- mand ist in der Lage, Geld für strategische Investitionen als Vorsorge gegen drohende Konflikte hinzulegen. Sollte sich das ändern? Fischer: Selbstverständlich, je in- tegrierter und je stärker Europa ist, desto sicherer wird dieses Europa die Bedingungen für alle Beteiligten ge- stalten können.  D ass sich Prognosen nicht bewahrheiten, passiert häufig im Wirtschaftsleben. Manchmal tritt sogar das Gegenteil ein. So geschehen in den 1990er Jahren, als es hieß, Stadtwer- ke würden die Liberalisierung nicht überleben. Berater tru- gen diese Vorhersage wie ein Mantra vor sich her. Und sie hatten Erfolg damit. Kleine wie große Kommunen verkauften um die Jahrtausendwende ihre angeblich nicht überlebensfähigen Stadtwerke. Eon, RWE, EnBW und Vattenfall zementierten mit Beteiligungen ihre Macht am Energie- markt. Doch schon wenige Jahre danach feierten Stadtwerke ein ungeahntes Comeback. Die Wirtschaftskrise und die damit verbundene Rückbesinnung auf überschaubare Strukturen und Nähe trugen dazu bei. Eine regelrechte Rekommuna- lisierungswelle erfasste selbst Großstädte wie Berlin, Ham- burg und Stuttgart, die mit er- heblichem Aufwand versuchen, Fehler wieder gut zu machen. Dass sich da- rüber erneut die Beraterszene freuen kann, die, anstatt darüber nachzudenken, wie viel Geld durch ihre Fehlprognose vernichtet wurde, jetzt mit der Rekommunalisierung Kohle macht, ist der Hammer!  RÜCKBLICK Das war der Hammer: Die Mär vom Stadtwerke-Sterben -Redakteur Peter Focht „Nabucco wäre ein auch machtpolitisches Signal gewesen“ Infos,Daten,Analysen powernews_105x75.indd 1 07.03.14 10:54 „Die Bundesregierung und das Land können sich ein Scheitern der Energiewende nicht erlauben“ 1. Juli 2014

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