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Energie & Management, Ausgabe 13, 2014

: Herr Fischer, Sie waren vor genau zwanzig Jahren Umweltminis- ter in Hessen und standen kurz vor demWechsel zur Grünen-Bundestags- fraktion nach Bonn. Haben Sie sich damals in ihren Träumen vorstellen können, dass Deutschland mit dem Umbau der Energieversorgung ernst macht? Fischer: Nein. Was seither gesche- hen ist, hat die kühnsten Vorstellun- gen übertroffen, die die Grünen damals hatten. Gewünscht hätte ich mir das natürlich, aber in diesem Ausmaß und in dieser Geschwin- digkeit hätte ich das niemals für möglich gehalten, das muss ich ganz offen bekennen. : Und haben Sie eine Erklärung dafür, warum es dann doch so gekom- men ist, dass selbst die Urheber von diesemWandel überrascht wurden? Fischer: Bereits Anfang der 1990er Jahre wurden ja die so genannten Ener- giekonsensgespräche vom damaligen Ministerpräsidenten von Niedersach- sen, Gerhard Schröder, losgetreten. Ich war dabei. Die scheiterten letztlich an den Machtverhältnissen und gar nicht so sehr an der Energiewirtschaft. Die damalige CDU/FDP-Bundesregierung wollte Schröder auf keinen Fall einen Triumph gönnen. Die Grünen haben lange an der Energiewende gearbeitet, das Ergebnis war das Erneuerbare- Energien-Gesetz. Der Konsens, einen Ausstieg aus der Atomenergie zu errei- chen hin zu den Erneuerbaren, war der entscheidende Schritt. : Im Jahr 2009 wäre es damit beinahe wieder vorbei gewesen. Die schwarz-gelbe Bundesregierung be- schloss eine Verlängerung der Kern- energielaufzeiten. Fischer: Auch ohne Fukushima wäre das eine fatale Fehlentschei- dung gewesen, weil damit die Ruhe im Energiebereich weg war, die man unter unglaublichem Aufwand und Mühen der Umweltverbände und der Energiewirtschaft zustande gebracht hat. Fukushima hat dem Ganzen noch mal einen entschei- denden Schub ver- passt. Die Gründe von Frau Merkel waren allerdings niedrige, sie woll- te die Wahl in Baden-Württemberg nicht verlieren. Manchmal kommen große Dinge auch aus niedrigen Be- weggründen zustande. Der Ausstieg wurde sogar noch beschleunigt. : Heute würden die Konzerne ihre Kernkraftwerke und ihre Altlas- ten am liebsten der Bundesregierung übertragen. Fischer: Ich glaube nicht, dass das so kommen wird. Die Regierung wird sich unendlich schwertun, dafür Zu- stimmung in der Bevölkerung zu finden. Und dass die großen Strom- konzerne ihre Position verloren haben: Nun, sie haben diese ganze Entwicklung hin zu den erneuer- baren Energien lange nicht ernst genommen und sich nicht entspre- chend engagiert. Das waren private Investoren, Ärzte, Zahnärzte, andere Mittelschichtsberufe, Überzeugte „Die Europäer müssen einen gemeinsamen Gasmarkt etablieren“ Vor zwanzig Jahren war Joschka Fischer Umweltmi- nister in Hessen − und von der Energiewende wagten die Grünen kaum zu träumen. Im Interview erklärt der ehemalige Außenminister undVizekanzler, wie es zu demWandel kam und wie heute angesichts der Ukraine-Krise die europäische Union mit der Abhän- gigkeit von Gaslieferungen aus Russland umgehen sollte.  VON TIMM KRÄGENOW Klaus-Peter Dietmayer Geschäftsführer erdgas schwaben Der sympathischste Energiemix Wir sind da, wo unsere Kunden sind www.erdgas-schwaben.de Erdgas // Bio-Erdgas Strom // Bio-Strom Geld sparen, Klima schonen – unser Mix macht’s möglich „Was seither geschehen ist, hat die kühnsten Vorstellungen der Grünen übertroffen“ 1. Juli 201414 ENERGIEMARKT Bild:iStockphoto.com,EdStock

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